Anita Kopp über ersten Heimatbesuch nach 20 Jahren
China ohne Klischees

Anita Jian-Ping Kopp bei ihrem Vortrag im Pfarrheim im traditionellen Seidenkleid. Bild: hia
(hia) Das alltägliche China abseits der Millionen-Metropolen stellte Anita Kopp der katholischen Pfarrgemeinde vor. Dort kam die Pfarrhaushälterin als Jian-Ping ("kleine Blume") zur Welt. Nach 20 Jahren war sie im Sommer 2014 erstmals wieder dort, um Familie und Elternhaus zu besuchen. Seit 30 Jahren lebt sie in Deutschland, nachdem ihre Eltern verstorben waren und ihr Onkel, ein katholische Priester, sie zu sich nach Deutschland geholt hatte.

Im Foyer hatte Kopp einen Tisch mit Alltagsgegenständen aufgebaut - Schreibwaren, Fächer und ein Gelehrtenhut. Sie selbst trug ein traditionelles Seidenkleid, ein sogenannter Cheongsam oder Qipao. "So schick angezogen sehe ich sie selten", sagte Pfarrer Sven Grillmeier dazu.

"Nach 20 Jahren konnte ich gar nicht begreifen, was sich auf dem Flughafen in Peking alles verändert hat", schilderte Kopp ihre Ankunft. Für ihre Verwandten hatte sie einen Koffer mit Weihwasser, Papstbildern und Messgewänder dabei. In ihrem Heimatdorf war aber Ehemann Ottmar das interessanteste Mitbringsel. Einen Europäer bekommen die Menschen selten zu sehen. "Die Bitten um Erinnerungsfotos waren beinahe schon lästig."

Traurig wurde es, als Kopp auf ihre Familiengeschichte einging: Mit elf Jahren habe sie ihre Mutter an Tuberkulose verloren. Begraben mussten sie sie am Ackerrand. Es gibt kein Hinweisschild oder eine Erinnerung. Bilder zeigten die armseeligen Wohnverhältnisse von Kopps Kindheit. Das Bett war auf einer einmetrigen Aufmauerung, unter der Feuer geschürt werden konnte, damit es warm war. Darauf hatten sechs Personen Platz. Fließendes Wasser gab es nicht.

Mäuschenstill war es im Publikum, als Kopp von den Plänen für ihre Zwangsheirat berichtete. Jungen gelten als Stammhalter und Ernährer, Mädchen bringen dagegen nichts und sollten schnellstmöglich aus dem Haus. Ihre Familie mit drei Mädels war im Dorf deshalb wenig geschätzt. Ein Heiratsvermittler organisierte zweimal ein Treffen der damals 18-Jährigen mit einem jungen Mann, der ihr eine Uhr kaufte. Das galt als Zeichen der Verlobung. "Vor dieser Verlobung waren wir keine halbe Stunde zusammen", beschreibt sie. "Ich war jung, habe ihn nicht gekannt, hatte eine Abneigung. Ich wollte nicht", erzählte sie.

Als sie sich weigerte, sorgte der Großvater für ein Donnerwetter. Er drohte, sie rauszuschmeißen, löste dann die Verlobung doch wieder auf. Dadurch habe allerdings der Heiratsvermittler sein Ansehen geschädigt gesehen. Kopps Ruf war kaputt, weil sie nicht gefügig war. "Danach wollte mich keiner mehr vermitteln."
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