Antikhof Schulwitz stattet hochgelobten Film über einen fast vergessenen Hitler-Attentäter aus
"Elsers" Möbel aus Schönficht

Drei Din-A-4 Seiten umfasste die Auslieferungsliste mit den Dingen, die die Produktionsfirma für die Einrichtung des Hauses in Weidenberg bei Bayreuth gebraucht hat. Von links Gisbert, Irmgard und Markus Schulwitz im Ausstellungsraum in der Antikscheune in Beidl, die die Eltern von Markus betreiben. Hier sind in der Hauptsache Kleinteile aufbewahrt. Die Möbel befinden sich im Antik-Hof in Schönficht.
Für den Kinofilm "Georg Elser - er hätte die Welt verändert!" setzten die Macher auch auf regionale Ressourcen. Möbel, die im Film in dessen Jugendhaus zu sehen sind, stammen aus dem Antikhof in Schönficht. Das Haus steht in Weidenberg im Landkreis Bayreuth. Der Ort selbst war Kulisse.

"Die ganze Geschichte war eher unspektakulär", sagt Markus Schulwitz, Chef des Antikhofes in Schönficht." Vergangenes Jahr im April habe eine Assistentin von "Lucky Bird Pictures" angerufen und nach bestimmten Möbeln zum Ausleihen gefragt. Über die Homepage des Antiquitätenhändlers wäre die Produktionsfirma auf ihn aufmerksam geworden.

"Am besten kommen Sie vorbei", sagte Schulwitz. "Zwei Tage später stand die Dame vor der Tür", erinnert er sich. Hin und weg sei sie gewesen angesichts der zahlreichen Möbel, die ihr für das Vorhaben wie geschaffen schienen. Zahllose Fotos habe sie geschossen. Nicht nur im Antikhof, sondern auch bei Schulwitz' Eltern Gisbert und Irmgard, die in Beidl ihre Antikscheune betreiben.

Dreh in Weidenberg

Gibt es im Antikhof in Schönficht jede Menge an Möbeln, haben sich die Eltern voll auf Kleinteile und Accessoires konzentriert. "Die Dame kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, war überwältigt, weil wir alles bieten konnten, was gebraucht wurde", sagt Markus Schulwitz. Gedreht wurde an verschiedenen Orten, in den Babelsberger Filmstudios, in Baden-Württemberg und in Weidenberg bei Bayreuth. Neben dem Ortskern des Marktfleckens, hat die Filmcrew dort auch ein historisches Haus, das im Film das Jugendhaus Elsers darstellt, komplett eingerichtet. Alles was es dafür brauchte, holte sie von der Familie Schulwitz. Eine Speditionsfirma aus Dresden, die sich auf genau solche Transporte spezialisiert hat, holte die Möbel und Kleinteile ab und brachte sie zwei Wochen später unversehrt wieder zurück.

"Küchenbüfetts, eine Sitzgruppe mit Sofa und Sessel, Tische, Stühle, Kachelöfen, Blechwannen, Bilder, Uhren, Lampen, Seifenschalen aus Emaille, Schallplatten, Bücher, Kaffeemühlen und, und, und haben sie abgeholt", sagt Irmgard Schulwitz. "Und zwei Wecker, die sie nicht geliehen, sondern gekauft haben."

"Alle Möbel stammen aus der Zeit um 1900", sagt Markus Schulwitz. Das wäre sehr authentisch, denn damals habe niemand nach ein paar Jahren Mobiliar einfach entsorgt. "Das musste lange halten, oft ein Leben lang", erklärt der Firmenchef. Nachdem der Film in den 1930er Jahre spiele, wären die Möbel sehr realistisch für die damalige Zeit. "Wo jetzt was von uns im Film steht, können wir nicht sagen, weil wir ihn noch nicht gesehen haben."

Der Leiter des Weidenberger Verkehrsamts, Uwe Will, erinnert sich gern an die Dreharbeiten im Ort. Etwa 14 Tage war das Team dort und gedreht. Das Spektakel begann im August vergangenen Jahres. Gerade der historische Obermarkt, das historische Rathaus und Teile der Marktstraße hatten es den Filmleuten angetan, weil hier die Häuser noch so erhalten sind, wie sie zur damaligen Zeit waren. Weidenberg heißt im Film Königsbronn, wo Georg Elser Kindheit und Jugend verlebte. Das perfekte Haus dafür haben die Filmleute auch ganz schnell gefunden. Ein Haus, das seit etwa zwei Jahren leerstand und der Familie Tölzer gehört, stach dem Team sofort ins Auge.

Schon einmal Kulisse

Weidenberg war schon einmal Filmkulisse im Streifen "Die Perlmutterfarbe" von Marcus H. Rosenmüller, der im Januar 2009 in die Kinos kam. Uwe Will meint das käme nicht von ungefähr. Abgesehen davon, dass sich der Ort für Filme aus der Vorkriegszeit durch seine historischen Ortsansichten hervorragend eigne, zeichne dafür auch Michael von Hohenberg, der Beauftragte für Film und Fernsehen der Region Ostoberfranken, mitverantwortlich. Die Dreharbeiten des Films "Georg Elser - Er hätte die Welt verändert!" von Regisseur Oliver Hirschbiegel wurden im September 2014 abgeschlossenen. Am 9. April war Kinostart. Der Film ist bereits mit dem Bayerischen Filmpreis (Beste Produktion) ausgezeichnet.
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