Antje Huber gestorben - Als Bundesfamilienministerin auf Stippvisite im Kolpingferienheim
Seltener Besuch aus Bonn

Auf Initiative von Bundestagsabgeordnetem Ludwig Stiegler (Zweiter von rechts) besuchte Bundesfamilienministerin Antje Huber (links daneben) am 19. März 1982 das Kolpingfamilienferienheim Immenreuth, das dessen Leiter Georg Paulus (rechts) ihr vorstellte. Mit dabei (von links) DGB-Sekretär Dirk Giebel aus Weiden, Bezirksrat Martin Schusser aus Eschenbach und SPD-Kreisvorsitzende Hannelore Bienlein aus Tirschenreuth. Bild: gpa
Vom Tod der ehemaligen Bundesfamilienministerin Antje Huber wurde in den Medien nur in einer kurzen Nachricht Notiz genommen. Bei Georg Paulus, dem früheren Leiter des Kolpingferienhauses Immenreuth, weckte diese Meldung jedoch Erinnerungen an ihren Besuch vor mehr als 33 Jahren.

Zeit war Mangelware, da sie sich im SOS-Kinderdorf "verquasselt" hatte, wie sie sagte. Sie wolle aber trotzdem hören, "was bei uns alles los ist". Das war der erste Satz von Antje Huber bei ihrer Ankunft.

"Ich war ziemlich nervös, denn eine Bundesministerin durfte ich noch nie begrüßen", erinnert sich Paulus. "Die Ministerin nahm sich dann aber viel Zeit, wollte wissen, welche Gäste bei uns Urlaub machen dürfen, wie bei uns die Preise sind. Ich gab gerne Auskunft, bot ihr auch einen Rundgang durch das Haus an oder zumindest einen Blick in ein Appartement. Aber Bundestagsabgeordneter Ludwig Stiegler deutete auf seine Uhr und Antje Huber lachte: 'Ich weiß schon, aber das hier ist mir auch wichtig', sagte sie, reichte mir die Hand, wünschte 'viel Glück mit diesem schönen Haus' und versprach, sich für mehr Belegung aus dem Norden einzusetzen."

Und die Bundesfamilienministerin hat Wort gehalten: Über etliche Sozialämter kamen auf ihren Einfluss hin Geschäftsverbindungen mit dem Kolpingferienheim zustande, "die uns jahrelang Großfamilien als neue zufriedene Kunden sicherten", berichtet Paulus. "In den mehr als zwei Jahrzehnten, in denen meine Frau und ich das Kolpingferienhaus geleitet haben, war Antje Huber die einzige Bundesministerin, die sich in unserer Einrichtung sehen ließ."

Antje Huber war von 1976 bis 1982 Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit im Kabinett von Helmut Schmidt. Wegen mangelnden Rückhalts beim Bundeskanzler reichte sie ihren Rücktritt ein. Von 1969 bis 1987 vertrat sie den Wahlkreis Essen III im Bundestag. Am 30. September ist sie 91-jährig in einem Pflegeheim in Essen gestorben.
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