Arbeit mit "Kuckuck" eine Berufsmöglichkeit
Schulen

Eschenbach. (rn) Wenn Manfred Sendlbeck normalerweise an die Tür klopft, macht ihm keiner gerne auf - geschweige denn, dass er eingeladen wird. Anders war's aber bei der Wirtschaftsschule. Studiendirektorin Margareta Reim hatte ihn nach Eschenbach gelotst, auch wenn es für den Gerichtsvollzieher beim Amtsgericht Tirschenreuth diesmal nichts zu holen gab.

Zwei Unterrichtsstunden lang plauderte Sendlbeck in der Aula über seinen Beruf, der durchaus für die angehenden Absolventen eine Alternative sein könnte. Die Schüler erfuhren viel von der staatlichen Hoheitsgewalt, die er gemäß Gerichtsverfassungsgesetz ausübt. "Bei Ausübung des Dienstes darf man die Gläubiger nie als Menschen zweiter Klasse betrachten. Man darf sich aber auch nicht zum Kumpel des Schuldners machen lassen." Diese beiden Faktoren nannte er als Grundvoraussetzung einer erfolgreichen Zwangsvollstreckung.

Formelle Voraussetzung sei ein vollstreckbares Gerichtsurteil, das dem Schuldner als Titel zugestellt sein muss. Bei der Pfändung beweglicher Gegenstände unterschied Sendlbeck zwischen Wegnahme und Pfändung durch Anbringen eines Pfandsiegels. Er verwies auf die Bestimmungen der Zivilprozessordnung zu pfändbaren und unpfändbaren Gegenständen, die der Mensch zum Leben braucht. Am Beispiel eines hochwertigen BMWs und eines Trabis erklärte er den Begriff Austauschpfändung.

Sichtlich überrascht zeigten sich die Schüler über das Verfahren von Zwangsversteigerungen. "Hier wird die Hälfte des Schätzwertes als Mindestgebot angesetzt", versicherte Sendlbeck.

Als weitere Aufgabengebiete nannte er das Entgegennehmen von Vermögensverzeichnissen sowie das Vorladen zu und das Abnehmen von Offenbarungseiden. Dabei wieß der Redner darauf hin, dass die Nichtbeachtung der Vorladung zum Offenbarungseid einen Haftbefehl zur Folge hat, den der Gerichtsvollzieher vollzieht. Eine Durchsuchung der Wohnung sei ihm nur mit einem gerichtlichen Durchsuchungsbeschluss möglich. Sei die Zwangsräumung einer Wohnung angeordnet und der Beklagte verfüge über keine Ersatzwohnung, sei die Gemeinde im Zuge ihrer Fürsorgepflicht gefordert.

Die vielen Fragen der Schüler führten dazu, dass der ehemalige Absolvent der Schule nur einen Teil einer Tätigkeit abhandeln konnte. Ausführlich musste er von seiner Ausbildung berichten. Sendlbeck hoffte, dass sein "Unterricht" das Interesse an einem wenig beachteten Beruf geweckt hat, der keine geregelte Arbeitszeit kennt. Margareta Reim dankte ihm mit einem Präsent.
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