Armut gibt es auch in unserer Stadt

Theo Wissmüller ist für die kirchliche allgemeine Sozialarbeit zuständig - bei ihm geht es kaum weniger stressig und belastend zu. Er sieht tagtäglich die Not der einheimischen Bevölkerung, die der Normalbürger kaum wahrnimmt: Armut, Arbeitsplatzverlust, Trennung, Krankheit, Altersarmut, Verlust der Krankenversicherung, die Probleme sind so vielfältig und hart wie oft das Leben.

Bei der KASA bekommen die Hilfesuchenden Rechtsberatung, vielerlei Unterstützung bei Behördengängen wie zur Agentur für Arbeit und Begleitung in anderen schwierigen Situationen. Auch eine kompetente Schuldenberatung bietet das Diakonische Werk, verweist auf spezielle Drogenberatungsdienste zur Selbsthilfe. Auch mit der sozialpädagogischen Familienhilfe arbeitet man häufig eng zusammen. "Sehr wichtig aber sind kleine Geldbeträge", schildert Sozialpädagoge Theo Wissmüller das drängendste Problem. Oft sei für die letzten sechs bis zehn Tage des Monats kein Geld mehr da fürs Essen. "Ist die Waschmaschine kaputt, wird den Leuten das Geld für die Reparatur zwar als Darlehen gewährt, aber gleich wieder vom Hartz-IV-Satz abgezogen, ebenso wie das Kindergeld. Das reicht für viele hinten und vorn nicht, vor allem, wenn Kinder in die Schule gehen und allerlei brauchen." Mal 20, mal 50, in Ausnahmefällen mal 80 Euro teilt Wissmüller dann aus. Mit seinem knappen Etat ist er sehr auf Spenden angewiesen und freut sich über jeden Betrag, den er natürlich 1:1 weitergibt.

"Die Bescheide sind oft nicht versteh- und begreifbar", kritisiert er. Dann hilft er den meist hoffnungslos überforderten Menschen beim Ausfüllen, Einreichen und Durchsetzen. Beliebt ist er deswegen bei den Ämtern nicht, aber das ist ja auch nicht seine Aufgabe. "Bei uns werden alle beraten, egal welcher Religion!", erklärt Wissmüller. Auch in seiner "Abteilung" gibt es nur 1,5 Stellen.

Aber genauso wie seine Kolleginnen resigniert er nicht: "Wenn wir jemandem helfen können, dann erfüllt uns das mit Freude - auch wenn bei manchen die persönliche Notlage schon fast 20 Jahre anhält!" Und wenn sich beim Ausflug mit seiner Hartz-IV-Gruppe alle freuen, dann trägt er seine früher goldenen, mittlerweile etwas grauen Haare auch ein bisschen leichter. (ge)
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