Asylbewerbern im Alltag helfen

"Schön, Sie kennenzulernen": Der junge Syrer gibt Bürgermeister Richard Tischlers Willkommensgruß zurück. Im zweiten Anlauf gelingt es in deutscher Sprache. Günter Bertlein, Angi Hirmer, Manoj Thapa und Marina Bauer (im Hintergrund von links) helfen den Asylbewerbern bei ihren Anliegen.

Nicht im Mitgefühl erstarren, sich nicht in Vorurteilen ergehen, sondern ganz praktisch helfen. Vielleicht ist es das, was den "AK Asyl" so effektiv in seiner Arbeit macht. Bis Anfang Juli werden fast 100 Asylbewerber in der Stadt wohnen.

Pfreimd. (cv) Etwa 40 Flüchtlinge sind dezentral vom Landratsamt in Wohnungen untergebracht worden. Unterkünfte über 60 Personen fallen hingegen in den Zuständigkeitsbereich der Regierung der Oberpfalz. Eine davon ist die Gemeinschaftsunterkunft in Neunburg vorm Wald mit dem angemieteten "Ableger" in Pfreimd. Im früheren Bürogebäude an der Wernberger Straße gibt es einen Küchenraum mit Herden, einen Gemeinschaftsraum mit Tischen, eine Sitzecke - und lange, lange Flure. Jedem Bewohner stehen sieben Quadratmeter Zimmerfläche und die Erstausstattung zu: eine Decke, ein Kissen, ein Handtuch, ein Topf, ein Teller, eine Tasse. . .Nicht einfach, damit zu kochen.

Künftig Sprechzeiten

In Pfreimd gibt es keinen eigenen Hausmeister. Unterkunftsleiter Max Schmid und zwei Kollegen betreuen an den beiden Standorten insgesamt 210 Personen. Das ist von der Anzahl her durchaus machbar, meint Schmid. Das Problem ist die räumliche Distanz der beiden Standorte. Ab Juli wird es drei Mal in der Woche Sprechzeiten geben. Dann wird Pfreimd mit 57 Personen voll belegt sein. Es gäbe rechnerisch noch einen Puffer von vier Personen, doch manche Räume sind mit Familien belegt. Derzeit sind 46 Asylbewerber aus Äthiopien, Syrien, Sierra Leone und Albanien untergebracht. Heute kommen elf weitere.

Die Betreuungssituation entzerrt sich durch den Arbeitskreis Asyl und auch durch den Vermieter Günter Bertlein, der nahezu jeden Tag vorbeischaut, einen Fernseher organisiert hat, bei Behördenschreiben hilft. Der "AK Asyl" - er ist einfach da. Angi Hirmer, Manoj Thapa, Marina Bauer und Christopher Rauch sagen "Hello" und stellen sich als "Volunteers" vor. Diesmal ist Bürgermeister Richard Tischler dabei. "Nice to meet you", begrüßt er eine Gruppe Syrer. Ein junger Mann versucht gleich auf Deutsch zu antworten: "Schön, Sie kennenzulernen". Er freut sich riesig über die Einladung zum Pfarrfest, zum Beachvolleyballturnier. Der Arbeitskreis ist schnell umringt, wird mit Fragen überhäuft. Angi Hirmer ist Realschullehrerin, erwartet das dritte Kind.

Grundbegriffe vermitteln

Die zierliche Frau versteht, sich Gehör zu verschaffen. Sie könnte inzwischen viel erzählen, von Schicksalen, Krieg, Flucht, Tod und Trauma. Der fünfjährige Assad ist mit seinem Onkel aus Syrien geflohen. Wo die Eltern sind? "Wir fragen ihn nicht", so Hirmer. Sie hat inzwischen alle im Gemeinschaftsraum zusammengeholt, hält einen Fußball hoch. Wer will bei der Pfreimder Spielvereinigung kicken, wer beim TSV Detag laufen? Die Liste füllt sich. Man ist dankbar für jede Tätigkeit. Der "AK Asyl" ist dabei, Personenkarteien anzulegen, um die Übersicht zu behalten.

Bürgermeister Tischler berichtet, dass sich die Stadt um einen Deutschkurs kümmert. Händeringend werden auch Sprachpaten gesucht, die einmal in der Woche vorbeischauen und deutsche Grundbegriffe zu vermitteln. Sprache schafft Verständnis. Die Stimmungslage der Pfreimder Bevölkerung beschreibt Tischler als "gespannt skeptisch". Es gebe "eine große Willkommenskultur". Doch Tischler weiß auch von Unterkünften in anderen Kommunen, in welchen die Polizei öfter vor Ort ist. Die Einstellung der Bürger wird davon abhängen, "wie sich alles entwickelt". Es müsse sich auch zeigen, ob der beispielhafte Arbeitskreis diese "hohe Schlagzahl der Betreuung" so kontinuierlich aufrechterhalten kann.

Die Stadt leiste in der Flüchtlingsproblematik "ihren Beitrag". Das zeige sich schon dadurch, dass sie die Nutzungsänderung in eine Gemeinschaftsunterkunft im Sinne der Mitmenschlichkeit akzeptierte, obwohl ihr wegen der Unterbringung im Gewerbegebiet der Klageweg offen gestanden wäre. (Hintergrund)
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