Attacke zerstört Adebars Glück

Das Glück der Adebars auf dem Turm der Perschener Kirche "Peter und Paul" - neben dem Bauernmuseum - hielt nicht lange: Die beiden Jungen und ein Altstorch sind tot. Bilder: Völkl (2)

Der Perschener Storch trägt Trauer: Sein Partner und die beiden Kinder sind tot. Die Jungstörche überlebten die Attacke eines renitenten Adebars nicht. Einer der Altstörche ist ebenfalls verendet: Allerdings liegt hier wohl "Selbstverschulden" vor.

Nabburg. (cv) Bis vor einigen Tagen hatte der Nabburger Storchenbetreuer Karl Beer allen Grund zur Freude: Seit drei Jahren wird der Perschener Horst - nach jahrelanger Abstinenz - wieder bewohnt. Nachdem den Adebars vor zwei Jahren die Nässe zugesetzt hatte, die Brut das Wetter nicht überlebte, schienen in der Folge bessere Zeiten anzubrechen: Im Vorjahr wurden auf dem Horst gleich drei Jungstörche groß gezogen, "und auch heuer hat es gut ausgesehen", so Karl Beer. Etwa zwei Wochen nach Ostern kam das Paar an. Der Bund war mit Glück gesegnet: Zwei Jungstörche schlüpften. Alles schien gut zu sein. Doch in der Vorwoche gab es einen erbitterten Kampf. Albert Hösl aus Perschen beobachtete, dass ein fremder Storch Angriffe auf das Perschener Nest flog.

Tot auf dem Friedhof

Diesem Kampf fielen anscheinend die beiden Jungstörche zum Opfer. Einer wurde tot auf dem darunter liegenden Friedhof entdeckt. Der zweite Jungstorch ist verschollen und wohl auch nicht mehr am Leben. Es war zwar bedauerlich, dass das Paar nun ohne Nachwuchs war, doch beide Störche klapperten noch in trauter Zweisamkeit.

Bis Freitag: Gegen 8.30 Uhr erhielt Karl Beer von einer Perschenerin einen Anruf. Sie hatte einen toten Storch in der Nähe eines Strommasten entdeckt. Beer vermutet, dass Adebar wie so oft bei der kleinen Weiherkette - gegenüber der Kreisstraße gelegen - auf Futtersuche war, dann beim Rückflug gegen den Strommasten prallte und sich dabei tödlich verletzte. Die Wucht des Aufpralls war wohl ursächlich. Das Tier hatte keinerlei Verbrennungen und es gab "keine Anzeichen auf einen "Todeskampf", so Beer.

Auf Ursachenforschung

Er hat den toten Vogel in seine Tiefkühltruhe gepackt. Natürlich nicht in die für seine Lebensmittel, sondern in die Truhe, in der Eintagsküken und Mäuse eingefroren werden. Da die Nabburger Störche auf der Georgenkirche letztes Jahr nicht mehr nach Süden flogen, sondern in der Stadt überwinterten, sprang Beer ein, wenn es Engpässe gab. Er deckte den Adebars den Tisch, wenn die natürliche Nahrung nicht mehr ausreichte. Doch derzeit ist die Truhe ziemlich leer. Die Störche können sich und ihre Brut gut selbst versorgen.

Wo sonst Nahrung deponiert ist, liegt nun der verendete Perschener Storch auf Eis. Der Landesbund für Vogelschutz möchte ihn in einem Garmischer Institut untersuchen lassen, erzählt Beer, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Der einzig verbliebene Storch hat noch Hoffnung: "Es könnte durchaus sein, dass er einen neuen Partner findet", meint Beer. Als einer der Nabburger Störche vor drei Jahren spurlos verschwand und Beer den verbliebenen Adebar und die Jungen durchfütterte, bandelte nach deren Abflug ein neuer Lover an: Zwei Wochen danach saß der "Neue" mit im Nest. Vielleicht ist auch dem einsamen Storch in Perschen noch ein spätes Glück beschieden.
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