Auch einen Mord abgeurteilt

In der Hauptstraße 9, der heutigen "Havanna-Bar", war das letzte Pflegamt des Marktes Bruck untergebracht. Repro: hbr)

Zur "Ägidi-Kirchweih" im Mappacher Bauernmuseum gehört auch ein Fachvortrag. Für den ist Ortsheimatpfleger Dr. Alois Wittmann zuständig. In diesem Jahr machte er das "Brucker Pflegamt und seine Beamten" zum Thema.

Zunächst präsentierte der Referent etwas heimatkundliche Allgemeinbildung. Im Jahr 1493 bekam die Marktgemeinde mit dem Pfleggericht die allgemeine Gerichtsbarkeit. Mehrere Pfarreien wurden jeweils zu einem Pflegamt vereinigt. An seiner Spitze stand in der Regel ein Pfleger oder ein Pflegsverwalter, der sich als Verwaltungs- und Aufsichtsbeamter um die öffentliche Ordnung und Sicherheit kümmerte und Verträge protokollierte.

In Bruck entdeckt

Dessen Sitz hieß infolgedessen Pfleghaus. Das erste wurde bereits 1345 vor dem unteren Tor in Richtung Mappach gebaut. Damals lagen die verschiedenen Gerichtsbarkeiten noch beim Vitztumsamt Amberg, das dem Kurfürstentum Pfalz zugerechnet war. Als erster Richter für Bruck ist Ott der Pertolzhofer dokumentiert, der später Landrichter zu Neunburg wurde.

Die hohen Beamten wechselten sehr häufig. Erst im Jahr 1460 - Hans Hofer war damals oberster Richter für Bruck - findet sich eine interessante Überlieferung: In der Herrschaft Stauf war ein Mord begangen worden. Der Täter konnte fliehen. Nach einiger Zeit wurde er in Bruck entdeckt. Als dem Rat von Regensburg der Aufenthaltsort bekannt wird, sucht er bei Herzog Otto um einen Rechtstag nach, dieser wird zugestanden. Drei städtische Beamte, ein Advokat für den Mörder, ein Scharfrichter ("Züchtiger") und zwölf Fußknechte machen sich auf den Weg nach Bruck. Der Täter wird abgeurteilt und hingerichtet.

Interessanter Mann

Ein wichtiger Eckpunkt in der Historie Brucks ist das Jahr 1499, als der Ort das Forstmeisteramt erhält. Ab 1510 war dann der Brucker Pfleger zugleich Forstmeister. Erster Wildmeister und Pfleger wurde Gregory Mendell von Steinfels. Viele Jahre vergehen und die Pfleger wechseln oft. Der 30-jährige Krieg stürzt Bruck in ein Chaos, von dem der Ort sehr lange braucht, bis er sich wieder erholt.

Ein interessanter Mann taucht mit Johann Andreas Unger im Jahr 1732 auf. Der Pflegverweser und Forstmeister ist seit 1720 Besitzer der "Gastwirtsschaft zum weißen Rössl". Zwei Jahre später wird er Bergamtsverweser zu Bodenwöhr. Das Amt des Pflegers übt er bis 1755 aus. Nach dem Tod Ungers werden die beiden Ämter wieder getrennt. Pflegsverweser wird Matthias von Semmer und Forstmeister Johann Peter Freiherr zu Asch. Sechs Jahre wird der letzte Pflegamtsleiter Franz Dionys Pamler erwähnt, der von 1762 bis zur Auflösung der Pflegämter Bruck und Rötz im Jahr 1803 das hohe Amt inne hatte.

Und dieser Pamler war auch der letzte Bewohner des Pflegamtes Bruck, das sich im Anwesen der Hauptstraße 9, der heutigen "Havanna-Bar", befindet. Eine Grabplatte von ihm befindet sich in der Sebasti-Kirche beim Friedhof. 1807 wird auch das Oberforstmeisteramt Bruck aufgelöst, das zuvor vier Jahre lang von Franz Xaver Schmid geleitet wurde.
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