Auch Simon Marius entdeckte die Jupitermonde
Fränkischer Galilei

Zeitgleich mit dem berühmten italienischen Naturwissenschaftler Galileo Galilei entdeckte in Mittelfranken Simon Marius die vier größten Monde des Jupiters. Die Forschung des Bürgersohns aus Gunzenhausen wurde von Galilei allerdings als Plagiat gescholten. Marius' Ruf beschädigte das für Jahrhunderte. Obwohl Marius selbstständig forschte, liegt über seinem Werk bis heute noch immer dieser Schatten. Deshalb hat die Nürnberger Astronomische Gesellschaft (NAG) das Jahr 2014 zum "Simon-Marius-Jubiläum 2014" ausgerufen. "Es ist das Jahr der Ehrenrettung", sagt Pierre Leich, Projektverantwortlicher bei der NAG.

"Pünktchen" beim Jupiter

Marius war nach seinem Studium in Prag und Padua ab dem Jahr 1606 "Hofmathematicus" im markgräflichen Ansbach. Dort beschrieb er die 1610 gemachte Beobachtung der "Pünktchen beim Jupiter" und ihre Bewegung. Er lieferte ein starkes Argument, dass sich die Monde um den Jupiter drehen und nicht in erster Linie um die Erde. Seine Ergebnisse veröffentlichte Marius vier Jahre danach in seinem "Mundus Iovialis". Galilei war drei Monate später dran.

Der selbstbewusste Italiener bezichtigte den Mathematiker, Arzt und Kalendermacher, dem er beim Studium in Padua begegnet sein dürfte, als Scharlatan. Heute ist klar, dass der 1573 geborene Marius, der "fränkische Galilei", die Jupitermonde völlig unabhängig von Galilei observierte und seine Beobachtungen teilweise etwas genauer waren.

Dank moderner Rückdatierung der Aufzeichnungen habe Marius "vielleicht sogar früher als Galilei" die Monde entdeckt, sagt Leich. In jedem Fall hat der Franke, der seine Aufzeichnungen noch nach dem julianischen Kalender datierte, spätestens einen Tag nach Galilei die Monde entdeckt. Galilei arbeitete schon mit dem gregorianischen Kalender. Das protestantische Nürnberg hatte sich erst spät der katholischen Kalenderreform unterworfen. Für Leich ist bei diesem Streit allerdings klar: "Wissenschaftlich entscheidend ist das Publikationsdatum."

Für den Astronomen Marius, mit bürgerlichem Namen Simon Mayr, war das ptolemäische Weltbild, das die Erde im Zentrum der Sterne einordnete, bereits überholt. Leich stuft ihn allerdings noch nicht als einen Kopernikaner ein, die die Sonne im Mittelpunkt des Planetensystems sahen. Der Nürnberger Astronomischen Gesellschaft geht es nicht nur um Marius' Rehabilitation und eine Weltbildfrage.

Leich will die kulturelle Kraft der Astronomie als eine der ältesten Basiswissenschaften ins Bewusstsein rücken. Ohne die Ergebnisse von Galilei und Marius wären auch die drei Newtonschen Gesetze nicht denkbar, betont er. In diesem Sinne stuft er die Astronomie als unverzichtbaren Teil einer umfassenden Allgemeinbildung ein. Am Jubiläumsjahr beteiligen sich neben Ansbach, Gunzenhausen und Nürnberg die Universität Erlangen-Nürnberg, das Staatsarchiv Nürnberg sowie weitere Partner. Vorgesehen sind Vorträge, eine Tagung, Publikationen und insbesondere der offizielle Start des 16-sprachigen Internetportals am 18. Februar, das die Literatur von und über Marius zusammenführt.

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Weitere Informationen im Internet:

simon-marius.net
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