Auch Zuhörer gefordert

Wer ist ein erfolgreicher Komponist: Derjenige, der ein herausragendes Werk erschafft, wodurch ihn viele Menschen kennen - oder derjenige, dessen Musik jeder kennt, ohne zu wissen, von wem sie stammt? Manche Komponisten schaffen es, beides zu vereinen.

Jelena Lichtmann präsentierte jetzt in Theuern genau diese beiden Seiten von Dmitrij Schostakowitsch: Sie spielte sowohl sein Hauptwerk, als auch seine weniger bekannten Film-Soundtracks. Schostakowitsch ist einer der größten russischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Geboren 1906 in Sankt Petersburg, studierte er bereits mit 13 Jahren Klavier und Komposition am Petersburger Konservatorium. In seinem musikalischen Leben erlebte er viele Tiefen und Höhen.

Mehrmals wurden im sowjetischen Russland seine Werke mit dem Vorwurf des "Formalismus und der Volksfremdheit" verboten. Seine Symphonie Nummer sieben, auch als Leningrader Symphonie bekannt, gilt seit über 70 Jahren als Symbol des Widerstands gegen den Faschismus. Schostakowitsch wird aber auch als besonders produktiver und vielseitiger Musiker geschätzt. Neben seinen ernsten und fast schon schweren Sonaten und Symphonien schrieb er auch leichte und fröhliche Filmmusik. Dies war bereits der zweite Schostakowitsch-Abend, der in Zusammenarbeit von Michael Ritz, Leiter des Kulturschlosses Theuern und Jelena Lichtmann entstand. Die Idee dazu hatte Ritz, die Werke hat Lichtmann ausgesucht: "Wenn man Schostakowitsch spielt, gehört die zweite Sonate einfach dazu. Der zweite Teil des Abends ist ein Experiment: Nicht alle, die Schostakowitsch kennen, wissen, dass er auch Filmmusik komponierte - auch diese Musik wollte ich zeigen."

Als Problem stellte sich für Lichtmann die Notenbeschaffung heraus: "Ich habe das Internet abgesucht. Es war unglaublich schwierig, diese Noten zu finden", erzählte die Pianistin. Doch die Mühe hat sich gelohnt: Fast zwei Stunden lang lauschte das Publikum gespannt dem Spiel von Jelena Lichtmann.

Die beiden Teile des Konzerts unterschieden sich deutlich in ihrer Stimmung. Der erste, in dem die Präludien und die Sonaten zu hören waren, verlangte hohe Konzentration - nicht nur von der Pianistin, sondern auch von dem Publikum. Im zweiten Teil ging es für die Zuhörer etwas entspannter weiter: mit den drei fantastischen Tänzen aus der fünften Oper, sämtlichen Walzern und Romancen. Alle Werk forderten höchstes technisches Können von der Pianistin.
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