Auf dem Sprung nach Neustadt

Heike Drechsler gab in ihrer Karriere immer alles. Nicht umsonst gilt sie als eine der erfolgreichsten Leichtathletinnen aller Zeiten. Alles andere als verbissen will sie aber den Nofi-Lauf angehen. Schließlich handelt es sich auch um einen Volkslauf. Gerüstet ist die 50-Jährige aber trotzdem. Sie fühlt sich gut vorbereitet. Bild: dpa

Heike Drechsler lobt den Nofi-Lauf, die Menschen rund um Neustadt und die Oberpfälzer Küche. Weil Letztere so lecker und deftig ist, sei man schlicht gezwungen, sich zu bewegen. Deswegen schnürt auch die ehemalige Spitzenathletin die Schuhe am 13. Mai. Vorab verteilt sie Tipps an Teilnehmer.

Die 50-Jährige erklärt, warum es die Männer und Frauen beim Start nicht übertreiben sollten und warum Bewegung im Allgemeinen so wichtig ist.

Der Nofi-Lauf in Neustadt scheint's Ihnen angetan zu haben. Schließlich waren sie vor drei Jahren schon dabei. Warum jetzt wieder?

Wegen der Atmosphäre, der Stimmung und der Menschen. Es war vor drei Jahren ja krachend voll. Ich glaube mehr hätten gar nicht an dem Lauf teilnehmen können. Das hat mir sehr gut gefallen. Deshalb habe ich gedacht: Da muss ich wieder dabei sein.

Dieses Jahr werden es noch mehr Teilnehmer sein. Die Organisatoren rechnen mit über 5000. Was erwarten Sie heuer?

Der Zuspruch ist nach wie vor groß. Es ist eine wachsende Veranstaltung. Ich hoffe, sie ist gut organisiert, das Wetter spielt mit und die Leute bringen gute Stimmung mit.

Laufen Sie selbst mit?

Natürlich. Ich kann nicht nur zugucken, da kribbelt's mir sonst in den Beinen. Ich möchte schon mit dabei sein. Dann habe ich ein gutes Gewissen.

Wie ehrgeizig gehen Sie den Lauf als ehemalige Spitzenathletin an?

Ich sehe es locker. Dabei sein ist alles. Mal schauen, was ich für eine Zeit selbst laufen werde. Ich denke, dass ich sehr gut vorbereitet bin, denke aber bei dieser Veranstaltung nicht als Leistungssportlerin.

Sie stehen vor dem Startschuss auf der Bühne. Was erwartet die Läufer?

Ich finde, es ist nicht gut, einen Kaltstart hinzulegen. Deshalb werde ich versuchen, die Leute ein wenig anzuheizen und ein paar Übungen mit an die Hand zu geben. Gute Musik darf zur Einstimmung nicht fehlen.

Was ist konkret geplant?

Die Leute sollen erstmal ein bisschen warm werden. Wir machen gemeinsam leichte Fußarbeit. Natürlich ist auch was für den Schulter-Nacken-Bereich dabei und Lockerungsübungen, damit der Körper Vorstart-Temperatur bekommt. Man neigt ja oft dazu, es ein bisschen schneller anzugehen. Wir wollen nicht, dass es da wegen Zerrungen schon die ersten Ausfälle gibt.

Das klingt gut. Schließlich handelt es sich um einen Volkslauf in Neustadt. Welche Tipps haben Sie sonst so für die Teilnehmer, die nicht regelmäßig Sport treiben.

Einfach auf den Körper achten und am Anfang nicht zu schnell loslaufen, so dass man immer noch gleichmäßig atmen kann. Wenn man nach dem Start in eine Schnappatmung kommt, kann man auf der Strecke schon mal Probleme bekommen. Jeder sollte seinen eigenen Rhythmus bekommen und sich nicht von denen verrückt machen lassen, die vorne laufen.

Sie sind Gesundheitsmanagerin der Barmer GEK. In der Neustädter Sparkasse bieten sie am Tag des Nofi-Laufs den Kurs "Bewegung im Zeichen der Veränderung" an. Was ist darunter zu verstehen, und was verfolgen Sie damit für Ziele?

Veränderung deswegen, weil wir in einer hochtechnisierten Welt leben. Bewegung hilft in jeder Situation, etwa bei Stress. Das Herz-Kreislauf-System wird trainiert. Auch wenn man einen sitzenden Beruf hat, kann man Möglichkeiten schaffen, seine Bewegung mit in den Arbeitsprozess einzubinden. In der Sparkasse werde ich eine kurze Ausführung geben, was alles möglich ist. Jeder ist mit zwei Beinen auf die Welt gekommen und weiß, dass die Beine natürlich zum Laufen und zum Gehen da sind. Es geht darum, dass es zurück zu den Wurzeln geht.

Apropos: Sie kritisieren, dass in Schulen oft propagiert wird, dass Sport von jedem unterrichtet werden könne. Sie sprechen sich dagegen klar für Fachlehrer aus. Wo muss beim Sportunterricht angesetzt oder nachgebessert werden?

Fachleute deswegen, weil vor allem bei den Jüngeren die besten Lehrer da sein müssen. Wenn das nicht so ist, entstehen natürlich Defizite. Ich denke, dass ist bei der Bewegung genauso, wie wenn man eine Sprache oder das Schreiben lernt. Ich glaube, je vielfältigere Möglichkeiten angeboten werden, umso gesünder werden Kinder sein. Ich möchte vermitteln, dass Bewegung kein Stress und kein Krampf ist. Deswegen sollten gerade in der Grundschule die besten Sportlehrer sein.

Was treibt Heike Drechsler heute, wenn Sie nicht gerade am Nofi-Lauf teilnimmt oder als Gesundheitsmanagerin unterwegs ist?

Natürlich laufe ich sehr gerne. Ich gehe raus, schließlich habe ich einen tollen Wald in der Nähe. Ich bevorzuge nicht unbedingt Fitnessstudios. Ab und zu besuche ich eines. Ich weiß, dass die Kombination Ausdauer und Kraft ganz wichtig ist.

Der Sport steht also weiterhin im Mittelpunkt.

Ja, einmal Sport, immer Sport. Bewegung ist für mich ein Stück Lebensqualität. Es ist einfach ein tolles Gefühl, wenn man seinen Körper trainiert. Das ist nach wie vor so.

Sie waren vor drei Jahren in Neustadt und auch schon mal in Weiden. Was bringen Sie mit unserer Region in Verbindung?

Ich mag die Küche. Es ist schon lecker. Das erinnert mich ein bisschen an meine Heimat Thüringen. Es gibt viele Parallelen. Wegen der deftigen Küche muss man sich aber auch viel bewegen. Ich mag natürlich auch die Altstadt, die Menschen und die kleinen Lädchen. Es ist alles etwas familiärer. Das hat etwas besonderes. Es gibt auch guten Wein, obwohl man bei euch ja eher Bier trinkt.

Wie lange bleiben Sie in Neustadt?

Ich habe noch mehrere Veranstaltungen. Ich reise am 12. Mai an, einen Tag später ist der Lauf, am 14. Mai reise ich wieder ab. Deshalb habe ich nicht so viel Zeit. Aber auf den Lauf und die Menschen freue ich mich schon. Neustadt hat schon etwas Besonderes.
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