Auf den Leim gegangen

Eine Möbelschreinerei aus dem Landkreis Neustadt ist auf einen notorischen Betrüger hereingefallen. Der gelernte Koch ließ sich ein teures Musterzimmer anfertigen, ohne zu bezahlen. Und auch aus einem Großauftrag wurde nichts.

Neustadt/Weiden. (rns) Der Mann hatte ein "topp Auftreten", sprach fließend Deutsch, Holländisch und Englisch, und die Erklärung, dass das Firmenbüro gerade umgebaut werde, erwies sich als wahr. Als der 49-Jährige, der sich als Einkaufsleiter einer großen holländischen Firma, die Hotels und Wohnungen mit Möbeln ausstattet, vorstellte und einen 846 000-Euro-Auftrag erteilte, waren die Manager einer Möbelschreinerei im Landkreis Neustadt begeistert.

Selbst als die erste vereinbarte Zahlung ausblieb und der Besteller auf Lieferung von Mustermöbeln drängte, entschloss sich die Geschäftsführung, seinem Wunsch nachzukommen. Man lieferte fünf Möbelstücke, darunter Sideboard, Schrank und Tisch, aus hochwertigstem Holz in gediegener Ausführung per Spedition auf eine Baustelle in Amsterdam. Seitdem hörte man nichts mehr von dem Auftraggeber.

Nachdem Telefonate mit seiner angeblichen Firma zu keinem Ergebnis führten und ein Projektleiter und ein Geschäftsführer in den Niederlanden selbst nachforschten, wusste man, dass man einem Betrüger aufgesessen war. Der Mann hatte sich unter falschem Namen vorgestellt, die Möbel gleich nach ihrer Ankunft auf einen gemieteten Klein-Lkw verladen und abtransportiert.

Ein Jahr recherchiert

Über die Autovermietung kam man an den Namen des Betrügers. Im Juli 2014, ein Jahr nach der Auslieferung der Möbel, wurde der Ledige in den Niederlanden festgenommen und später nach Deutschland ausgeliefert. Am Donnerstag stand der in Norddeutschland Geborene vor dem Schöffengericht.

"Wir haben uns nicht vorstellen können, dass jemand wegen ein paar Möbel so einen Riesenbetrug macht", sagte ein Geschäftsführer der betroffenen Firma. Deshalb habe man sich entschlossen, die Mustermöbel zu liefern, obwohl die Abschlagszahlung von 592 000 Euro noch nicht eingegangen war. "Tom Stefan", so nannte sich der Mann, hatte telefonisch versichert, die Zahlung sofort anzuweisen.

30 146 Euro Schaden sei der Firma entstanden. Hätte man Aufträge bereits an die Subunternehmer vergeben gehabt, hätte dies durchaus zu einer Schieflage in den Finanzen führen können, mit der Folge, dass der Betrieb mit 20 Mitarbeitern in die Insolvenz gegangen wäre, berichtete der Schreinermeister.

Rechtsanwalt Dominic Kriegel strapazierte die Geduld von Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Christian Härtl und Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl, als er versuchte, den Geschädigten eine Mitschuld zuzuweisen, da sie es seinem Mandanten zu leicht gemacht hätten. Als er die Zusammenstellung des Schadens - Produktions-, Verpackungs-, Transport- und Entwicklungskosten, Fahrtkosten nach Amsterdam, usw. - sogar dahingehend angriff, indem er fragte, ob bei den Hotelübernachtungskosten das Frühstück inbegriffen gewesen sei, sagte der Richter: "Jetzt reicht's, Herr Rechtsanwalt!" Das Bundeszentralregister spuckte aus, dass es sich beim Angeklagten um einen notorischen Betrüger handelt, der sich seit vielen Jahren mit Urkundenfälschungen, Untreue und Betrügereien durchs Leben mogelt. Mehrfach war er bereits in Holland und in Deutschland zu Haftstrafen zwischen einem und zwei Jahren verurteilt worden.

Kein Geld da

Staatsanwalt Härtl hielt dem gelernten Koch lediglich sein Geständnis zugute, das dieser nach eindringlichem Anraten durch seinen Verteidiger abgelegt hatte. Obwohl der Angeklagte nach eigenen Angaben monatlich netto 3000 bis 5000 Euro als Dolmetscher verdient hatte, habe er sich durch Lügengeschichten Möbel verschafft. Härtl beantragte drei Jahre, Kriegel zweieinviertel Jahre. Amtsgerichtsdirektor Heindl und die Schöffen gaben zwei Jahre und neun Monate.

Heindl bedauerte im Urteil, dass die Möbelschreinerei im Weg der Privatklage gegen den Verurteilten "nie Geld sehen wird". Das Schadensersatzverfahren könne höchstens noch Geld kosten.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juni 2015 (7772)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.