Auf den Spuren einer Diva: Veronika von Quast schlüpft gekonnt in die Rolle der Zarah Leander
Gehauchte Liebesschwüre auf der Bühne

Veronika von Quast bezauberte als Zarah Leander ihr Publikum. Bild: hfz
Sie kokettiert mit ihrem Alter und verspricht noch 30 Jahre Bühnenpräsenz. So geschehen auf der Tenne im Schafferhof. Veronika von Quast gibt einen knisternden Zarah-Leander-Abend. Florian Burgmayr (Piano, Akkordeon, Tuba) und Andreas Stauber (Gitarre) schmiegen sich herrlich zart unter ihre Stimme. Sie haucht, zischt, knarrt und seufzt.

Die Atmosphäre der kultigsten Zoiglbühne im Oberpfälzer Wald tut das ihrige dazu, so dass die fernsehbekannte Grande Dame des bayerischen Volksschauspiels in UFA-Filmstar-Manier mit rollendem r ein "Wunderrrrr" geschehen lässt. Man vergisst, dass das Energiebündel auf der Bühne annähernd 70 ist.

Mit allen Facetten ihrer Schauspielkunst fesselt sie im engen Ballkleid das überwiegend weibliche Publikum. Texte von Sehnsucht, Liebe und Abschiedsschmerz durch von Quasts rote Lippen gesungen, lassen keine Unaufmerksamkeit zu. Bei "Ich steh' im Regen" - übrigens Vronis Lieblingslied - kommt herrlich-melancholisches Gänsehaut-Feeling auf. Mit satirischen Gedichten unter anderem von Erich Kästner nimmt sie die Diven aus der Zeit jener Schlager, die sie interpretiert, gehörig auf die Schippe. Kritische Pressekommentare aus den 50er bis 70er-Jahren über Zarah Leander holen einen immer wieder aus der Herz-Schmerz-Schwelgerei heraus. Die Frau mit dunkler Stimme und umstrittener Vergangenheit im Spuk des Dritten Reiches war oft bitterbösem Spott ausgesetzt. Nach einer Portion Satire, bisweilen mit bayerischer Schlitzohrigkeit und Sprachmelodie vorgetragen, wirft Vroni ihr Publikum wieder in die Gefühlswelt so Romanzen-süchtiger Schlagertexte wie "Kann den Liebe Sünde sein" und "Der Wind hat mir ein Lied erzählt". Ein prickelnder Abend, der dank verschiedener Blickwinkel auf die Episode Zarah Leander nicht in Erotik ersoff.

Gastspiel ein Zufall

Das Gastspiel der "Vroni", wie die Schafferhof-Wirtsleute die von Quast jetzt nennen dürfen, kam übrigens durch einen Zufall zustande. Als eine illustre Schar Luisenburgschauspieler 2013 auf Initiative von Christian Höllerer an einem spielfreien, lauen Sommerabend erstmals im Schafferhof einkehrten, war's um die "Vroni" geschehen. Von Quast war zusammen mit Höllerer im Stück "Die Fahnenweihe" auf der Luisenburg engagiert. Vroni verliebte sich an jenem Abend in Fütterers Gehöft und nahm sich vor, hier eines Tages Liebeserklärungen von der Bühne zu hauchen.
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