Auf Erfolgskurs
Prinzen

Seit 2008 gibt es beim Deutschen Schachbund die "Prinzen", Junioren, die an das Niveau der Schach-Nationalmannschaft herangeführt werden sollen. Die Prinzengruppe besteht derzeit aus den vier IM's Dennis Wagner (Hockenheim), Matthias Blübaum (Bremen), Alexander Donchenko (Dortmund) und Rasmus Svane (Hamburg) sowie den zwei Juniorinnen WIM Filiz Osmanodja (Dresden) und Hanna Maria Klek (Erlangen). Gerade die Junioren ließen zuletzt aufhorchen.

So erreichten beim stark besetzten Moskauer Aeroflot A-Open, deren Teilnehmer mindestens 2550 Elo aufweisen mussten, Svane und Wagner jeweils 4,5 aus 9, wobei sich Svane seine erste GM-Norm erspielte. Beim stark besetzen A-Open zu Metz liefen Wagner und Blübaum mit je 6 aus 9 auf Platz 2 und 3 ein, während bei der unlängst im Schachdorf Ströbeck ausgetragenen Internationalen deutschen Juniorenmeisterschaft, einem GM-Turnier, Svane auf respektable 4,5 aus 9 kam.

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Gute Förderung

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Alle deutschen Junioren nähern sich mittlerweile der 2600-Elo-Grenze. Auf ihre weitere Entwicklung darf man gespannt sein. Jedenfalls scheint das Konzept der Jugend-Spitzenförderung des Deutschen Schachbundes aufzugehen.

Die nachfolgende Partie, gespielt im Turnier von Hastings 1895, dem wohl bedeutendsten des 19. Jahrhunderts, ist dem heute vorgestellten Buch entnommen. Damals traf Lasker wieder auf den ersten Weltmeister der Schachgeschichte, dem er im Jahr zuvor den WM-Titel entrissen hatte.

Weiß: Emanuel Lasker

Schwarz: Wilhelm Steinitz

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 d6 5.0-0 Sge7 6.c3 Ld7 7.d4 Sg6 8.Te1 Le7 9.Sbd2 0-0 10.Sf1 De8 11.Lc2 Kh8 12.Sg3 Lg4 13.d5 Sb8 14.h3 Lc8 15.Sf5 Ld8 16.g4 Se7 17.Sg3 Sg8 18.Kg2 Sd7 19.Le3 Sb6 20.b3 Ld7 21.c4 Sc8 22.Dd2 Sce7 23.c5 g6 24.Dc3 f5 25.Sxe5 dxe5 26.Dxe5+ Sf6 27.Ld4 fxg4 28.hxg4 Lxg4 29.Dg5 Dd7 30.Lxf6+ Kg8 31.Ld1 Lh3+ 32.Kg1 Sxd5 33.Lxd8 Sf4 34.Lf6 Dd2 35.Te2 Sxe2+ 36.Lxe2 Dd7 37.Td1 Df7 38.Lc4 Le6 39.e5 Lxc4 40.Sf5 1-0

Tagesnotizen: In Taktikaufgabe Nr. 97a aus einer 2012 bei der französischen Teammeisterschaft zwischen IM Nicolas Brunner und Super-GM Laurent Fressinet gespielten Partie erscheint auf den ersten Blick unklar, welcher der beiden Könige unsicherer steht. Schwarz am Zug wies nach, dass es der weiße ist. Wie er diesen Nachweis wohl erbracht hat?

Mit dem Dreizüger in Aufgabe Nr. 97b lassen wir einen Verfechter der "Neudeutschen Problemschule" zu Wort kommen, die mit der Schach-Studie "Das indische Problem" von Kohtz und Kockelkorn (A. Stein's Verlagsbuchhaldung, Potsdam 1903) begründet wurde. Wie deren Verfasser legt auch der Autor des Dreizügers Wert auf Logik und Zweckreinheit des Schlüsselzuges, wie Holzhausen dies in seiner Denkschrift zum 25-jährigen Jubiläum des "Indischen Problems" formulierte. Wer kann die Logik des Verfassers nachvollziehen und den schwarzen König in drei Zügen matt setzen?

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Remis angeboten

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Lösungen: Die Stellung zu Taktikaufgabe Nr. 96a war beim Turnier London 1964 zu sehen (Hartston-Penrose, W: Kh1, Dg3, Td1, Tf1, Ld3, Sb3, Ba2, b2, c2,e4, g2, h2 [12], S: Kg8, Dc7, Td8, Te8, Le7, Sc6, Ba6, b7, d6, f7, g7, h6 [12]). Eigentlich hatte der damals 16-jährige Newcomer seinen großen Gegner, den mehrfachen englischen Meister Jonathan Penrose, überspielt, doch flößte ihm dessen Name offenbar so großen Respekt ein, dass er Remis anbot, was sein Gegner sofort akzeptierte.

Zu spät erkannte der Jüngling, dass ihm eine schöne Mattkombination entgangen ist. Nach 1.Txf7! (nun droht 2.Dxg7#) 1...Kxf7 2.Lc4+Kf8 (nicht 2...d5? 3.Dxc7 und auch nicht 2...Kf6 3.Tf1#) 3.Tf1+ Lf6führt 4.Txf6+ gxf6 5.Dg8+ Ke7 6.Df7# zum Matt.

Anzumerken bleibt noch, dass Schwarz zwar durch 1...g5 sofortiges Matt vermeidet, doch mit einer hoffnungslos geschwächten Königsstellung verbleibt.

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Offene Turmlinien

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Eine Aufgabe, die eindrucksvoll den Wert offener Turmlinien demonstriert. Allerdings würden sich die Kids unserer Tage diese schöne Gewinnkombination wohl nicht entgehen lassen.

Mit dem Dreizüger in Aufgabe Nr. 96b (Schreyer, W: Kh5, Dc2, Ta7, Tg1, Ld8, Sc5, Sd3, Bb4, e6 [9], S: Kf5, Te5, Lb7, Lh6, Sd2, Be3, g4 [7]) kam erstmals der renommierte schwäbischen Problemschachkomponisten Ralf Schreyer aus Krumbach zu Wort.

Die Stellungsanalyse zeigt einen bewegungsunfähigen schwarzen König. Ferner fällt eine weiße Springer/ Dame-Batterie auf der Diagonale b1/h7 auf. Eine nähere Untersuchung lässt erkennen, dass Weiß aus seiner Batterie keinen Nutzen ziehen kann. Auch das Probespiel 1.Txb7?, mit dem Weiß 2.Tf7# droht, führt wegen der ausreichenden Parade 1...Txc5, die dem schwarzen König die Fluchtfelder e4 und e6 gibt, nicht zum Ziel.

Auf die Lösungsfährte führt uns im Satzspiel der beliebige Wegzug des Läufers b7, auf dem wie im Probespiel ebenfalls 2.Tf7# folgen würde. Diese Überlegungen machen den Damenopferschlüssel 1.Dc4!verständlich, mit dem Weiß die Batterie abbaut und 2.Dg4# droht. Folgende schwarze Antworten wehren die Mattdrohung ab:

a) 1...Sxc4, womit Schwarz die Kontrolle über Feld f1 aufgibt. Deshalb 2.Tf1+ Lf3 (öffnet die siebte Reihe) 3.Tf7# oder 2...Lf4 (Hinlenkung)3.Txf4#.

b) 1...Se4, womit Schwarz die Wirkungslinie der Dame unterbricht, jedoch ebenfalls die Kontrolle über Feld f1 aufgibt,2.Tf1+ Lf4 3.Tf4# wie in Abspiel a oder 2...Sf2 3.Dxg4# und

c) 1...Te4, unterbricht die Wirkungslinie der Dame, erlaubt aber 2.Dd5+ Lxd5 (Linienöffnung) 3.Tf7# oder 2...Te5 (Hinlenkung) 3.Dxe5#.

Interessant, dieses Spiel um Linienöffnung und Ablenkung, mit überraschendem, die Batterie abbauenden Damenopferschlüssel. Ein von dem schwäbischen Problemkomponisten und Coautor von Band I der "Kniffeligen Schachaufgaben" fein gebauter konventioneller Dreizüger!
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