Auf Feueröfen durch Feuerland

ek28lst-patagonien_bild2_12031.jpg

Drei Wochen mit dem Motorrad durch Patagonien. Biker geraten bei dieser Vorstellung ins Schwärmen. Drei Eschenbacher ließen es nicht bei der Schwärmerei bewenden. Das ist die Geschichte ihrer Reise.

Motorradfahrer sind Träumer. Sie träumen von der Isle of Man, von der Route 66, Daytona und vom Nordkap. Für Hannelore Gugel, Boris Diehl und Helmut Luber ist Feuerland das Ziel der Träume - oder war das Ziel der Träume. Die drei Eschenbacher haben den Traum wahr gemacht. Zwei Wochen lang tourten sie auf drei BMW-Maschinen fast 5000 Kilometer durch Patagonien bis nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Erde.

Über München und Madrid führte die Reise nach Santiago de Chile und weiter nach Osorno. Der Ort liegt etwa eine Flugstunde südlich. Dort warteten eine BMW R 1200 GS, eine F 800 GS und eine F 650 GS. "Das eigene Bike mitzunehmen, kam für uns nicht infrage. Die Kosten wären zu hoch, der Transport zeitraubend und die Formalitäten zu mühselig", sagt Luber.

Dass die Reise kein Sonntagsausflug würde, war den drei Freunden bewusst. "Wir waren auf alles vorbereitet", sagt Diehl. Ein Blick auf die vollbepackten Motorräder bewies dies. Regenkombis, warme Klamotten, Schlafsäcke, Pannensets und Spirituskocher waren dabei. Helmut Luber: "Wir hatten nichts dem Zufall überlassen." Bis auf ein paar kleine Pannen gab es keine großen Schwierigkeiten. Loser Schotter machte den größten Teil des Wegs aus. Dort fuhren sich die drei ab und zu fest. Auf dem südlichen Teil der Strecke herrschte starker Seitenwind mit bis zu 55 Stundenkilometern, was Kraft und Geschick erforderte. "Boris musste seine Maschine einmal im Stand fallen lassen, weil er sie einfach nicht mehr halten konnte", berichtet Luber.

Für Hannelore Gugel, Boris Diehl und Helmut Luber ist Feuerland das Ziel der Träume – oder war das Ziel der Träume. Die drei Eschenbacher haben den Traum wahr gemacht. Vom 16. Januar bis 3. Februar tourten sie auf drei BMWs fast 5000 Kilometer durch Patagonien bis nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Erde. Bilder: Stephan Landgraf


An der Begeisterung ändert dies nichts: "Es war eine unvergessliche Reise", sagen alle drei. Per SMS ließen sie Familien und Freunde daheim daran teilhaben. Die Erlebnisse auf den 5000 Kilometern hätten für ein ereignisreiches Jahr gereicht: Die Nationalparks, der 14 Kilometer lange und fünf Kilometer breite Gletscher Perito Moreno, die Tierherden, Lamas und Alpakas, die einfach so auf der Straße stehen, das Überqueren der Magellanstraße mit der Fähre, die Fahrt in die südlichsten Stadt der Erde oder eine Bootstour zu Pinguinen samt Showeinlage eines Wals: die drei sprudeln auch Tage nach der Rückkehr immer noch über. "Das entschädigt für all die Strapazen", betont Luber. Was jeden Motorradfahrer begeistert, sind die Weite des Landes und die Unberührtheit der Natur, je weiter es nach Süden ging.

Idee entstand am Nordkap

Genau dies hatten die Oberpfälzer erwartet, als sie begannen für die Reise zu planen. Die Idee zu der Tour entstand allerdings auf der anderen Seite der Erde. Mitte 2010 hatten sich der Pressather Max Weyh, Boris Diehl und Helmut Luber sowie der Amberger Peter Seidel auf eine achttägige Tour ans Nordkap gemacht. An deren Ende stand folgendes Resümee: "Unvergesslich - eine tolle Geschichte, einfach ein Erlebnis. Und sicherlich nicht unsere letzte Tour." Vor allem Boris Diehl und Helmut Luber hatten bereits eine Idee: Feuerland.

Der Gedanke brauchte allerdings Zeit zu reifen. Gut vier Jahre vergingen mit vagen Planungen, bis der Entschluss feststand. "Der Anlass war mein 50. Geburtstag im April", erzählt Luber. Boris Diehl hatte fleißig geplant und schenkte seinem Freund die Organisation der Patagonien-Tour. "Da wir die Sommerzeit auf der Südhalbkugel ausnutzen wollten, war Januar/Februar der optimale Termin.

Im Sommer 2014 war die Planung abgeschlossen. Über einen Veranstalter buchten die drei Motorräder, Übernachtungen und Flüge. Auch die notwendigen Impfungen waren rechtzeitig erledigt. "Es hätte noch einen Tour-Guide und ein Begleitfahrzeug gegeben. Aber wir wollten ein wenig Abenteuer", so Luber.

Dieses Abenteuer endete schließlich in Ushuaia. Am 29. Januar hatten sie dieses Ende der Welt am südlichsten Punkt Südamerikas erreicht. Zwei Tage blieben sie dort, bevor sie die BMWs nach Punta Arenas brachten. Schon dort waren sie sich einig: "Es wird eine weitere Tour geben." Allerdings gehen die Pläne der drei Eschenbacher derzeit noch ein wenig auseinander. Während Hannelore Gugel von der Mongolei träumt, reizt Boris Diehl die Panamericana Richtung Alaska. Helmut Luber findet, ihm fehle vor allem der australische Kontinent in seiner Sammlung. "Mal sehen, was kommt. Boris feiert in vier Jahren seinen 50. Geburtstag. Und Träume brauchen etwas Zeit, bis sie realisiert werden", weiß Luber.
Weitere Beiträge zu den Themen: Eschenbach (13379)März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.