Auf Glas gebannt: Landesamt für Denkmalpflege bewahrt historischen Fotobestand mit neuester ...
Bayerns visuelles Gedächtnis gesichert

In Winklarn (Landkreis Schwandorf) wurden Totenbretter und der heilige Nepomuk abfotografiert (vor 1910).
 
Der Stadtplatz in Neustadt an der Waldnaab, hier in einer Aufnahme vor 1910. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat einen Weg gefunden, die ältesten Bilder aus dem Hausarchiv zu digitalisieren: Auf sogenannten "GlassMasterDiscs" werden die Fotos für die Ewigkeit gesichert. Bilder: Landesamt für Denkmalpflege

Das Landesamt für Denkmalpflege hat einen großen Schatz: Fotos aus dem 19. und 20. Jahrhundert des hauseigenen Archivs. Doch die Bilder sind in Gefahr - sie lösen sich nach und nach auf. Nun hat das Amt eine neue Methode gefunden, die Bilder für die Ewigkeit und somit für die nachfolgenden Generationen zu sichern.

Die Lösung: sogenannte "GlassMasterDiscs"(siehe Kasten). Auf diesem neuen Medium sind die Bilder nun für die nächsten Generationen gesichert. Denn die bis zu 160 Jahre alten Bilder lösen sich auf. Zwar hat das Landesamt für Denkmalpflege die Bilder bereits auf handelsübliche CD-Roms digitalisiert. Weil diese aber schmutz-, staub- und kratzempfindlich sind, mussten sie alle fünf Jahre kontrolliert werden. Für ein Archiv ein viel zu kurzer Zeitraum.

Und das Landesamt befindet sich im Wettlauf mit der Zeit: Zwar sind die Originale noch vorhanden, die sind aber dem Verfall preisgegeben. Denn: "Die ältesten Bilder stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, sie sind 160 Jahre alt", erklärt Generalkonservator Mathias Pfeil. Und über diesen langen Zeitraum würden eben die Fotografien abbauen - das liege an den damals verwendeten Materialien. "Glasplattennegative sind Negative auf mit Gelatine beschichteten Glasplatten; Aluminiumabzüge sind auf einem Papier zu sehen, das mit Eiweiß als Bindemittel bezogen ist. Das bildgebende Silber oxidiert beziehungsweise wandert im Laufe der Zeit aus der Oberflächenschicht, die Gelatine löst sich vom Glas, das Eiweiß vergilbt." Durch die Nutzung der Originale werde dieser natürliche Vorgang natürlich noch verstärkt.



Woher das Amt die Bilder hat? Schon vor mehr als 150 Jahren hatten Fotografen und Architekten die Aufgabe, Denkmäler des damaligen Königreichs Bayern zu fotografieren. Damals gab der Vorgänger des Landesamts für Denkmalpflege, das "Königliche Generalkonservatorium der Kunstdenkmäler und Alterthümer", den Auftrag. Sie sollten die Denkmäler des Königreichs Bayern fotografisch erfassen. Andere Bilder stammen aus Nachlässen, die dem Landesamt anvertraut wurden. Zusammengekommen sind damit die 100 000 ältesten Bilder aus dem Bildarchiv des Landesamts für Denkmalpflege. Etwa 9500 davon zeigen Motive der Oberpfalz. "Zumeist sind Gebäude abgebildet", weiß Pfeil.



"Spannend ist auch, dass viele der Menschen, die auf den Fotos zu sehen sind, offenbar noch nie zuvor einen Fotografen gesehen haben, geschweige denn selbst fotografiert wurden", erzählt der Generalkonservator über die Durchsicht der Bilder. So wie auf dem Bild, das ein Wirtshaus in Hohenfels zeigt: Weil der Fotograf nur das Gebäude ablichten wollte, versuchte er, die Kinder zu verscheuchen. Die allerdings waren angesichts des Fotoapparats so neugierig, dass sie gebannt in die Kamera blicken. Nicht sie ließen sich verjagen - die Gänse, die im Weiher badeten, dagegen schon: In der unteren Bildhälfte sind gerade noch ein paar der Tiere zu erkennen, wie sie rechts aus dem Bild flüchten.




Seit Ende 2014 ist das Projekt abgeschlossen. Die ersten Tests liefen schon vor zehn Jahren. "Schon damals hat die Suche nach einem geeigneten Speichermedium begonnen", erklärt Pfeil. Seitdem haben die Mitarbeiter die 100 000 Fotos digitalisiert und die Metadaten erfasst, sprich: die Zuordnung zu Bezirk, Landkreis, Gemeinde, Ortsteil sowie die Beschreibung des Fotomotivs, gegebenenfalls die Nennung des Fotografen und das Jahr der Aufnahme vorgenommen. "Diese Daten zu erfassen, war insgesamt der größte Aufwand."




Während der Zeit der Digitalisierung haben zehn studentische Hilfskräfte und mehrere Vollzeitkräfte die 70 000 Glasplattennegative digitalisiert und die entsprechenden Daten erfasst sowie die Platten zur Konservierung verpackt. Die 30 000 Albuminabzüge wurden von einer externen Fachfirma digital erschlossen. Allein für die Übertragung der 100 000 Fotografien auf die "GlassMasterDiscs" entstanden Kosten in Höhe von 25 000 Euro. "Der Aufwand für die digitale Erschließung und die konservatorische Sicherung der Originale lässt sich in Geld nicht beziffern", betont Pfeil.



Einen Nutzen von der Digitalisierung der Bilder auf die "GlassMasterDiscs" haben nicht nur die Mitarbeiter des Denkmalamts: Die Bilder sollen über eine Datenbank der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. "Bereits jetzt können etwa 50 000 Aufnahmen über eine interne Datenbank des Bayerischen Hauptstaatsarchivs eingesehen werden", erklärt Generalkonservator Pfeil. "Wer Einblick erhält, regelt die Archivordnung. Eine Recherche zur Familiengeschichte wäre zum Beispiel ein möglicher Grund."
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