Auf goldenem Mittelweg ins Tal

Reinhard Riedhammer. Bild: upl

Einst nutzten nur Forstarbeiter und Jäger die schmalen Steige, die zum Gipfel des Johannisbergs führen. Seit sich auf diesen Pfaden aber auch Wanderer, Jogger und Mountainbiker tummeln, häufen sich die Konflikte. Nun versuchen Gemeinde und Staatsforsten zu vermitteln.

Dieses Gipfeltreffen am Johannisberg gibt es auch nicht alle Tage: Bürgermeister Alwin Märkl, Forstbetriebsleiter Reinhard Lenz und Revierleiter Reinhard Riedhammer hörten sich die Beschwerden der Mountainbiker an, die die bewaldeten Hänge bei Freudenberg gerne noch intensiver nutzen würden. Seit Mitarbeiter der Staatsforsten Baumstämme über die Steige gezogen haben, ist das Befahren nicht mehr möglich.

Schanze gebaut

"Das ist schade", sagte Daniel Kraus, passionierter Mountainbiker aus Kümmersbruck. "Dadurch ist der Steig für mich völlig unbrauchbar geworden." Der Ausdauersportler nutzt den Johannisberg seit etwa drei Jahren als Trainingsgebiet. "Die Verbotshinweise sind ja o.k.", befand er. "Aber, dass man den Weg komplett versperrt, dafür habe ich kein Verständnis." Seiner Meinung nach würden durch die querliegenden Bäume nicht nur die Radsportler gestört, sondern auch Spaziergänger und Wanderer. Den Staatswald auf dem Johannisberg bewirtschaftet der Forstbetrieb Schnaittenbach. Dessen Leiter, Reinhard Lenz, erklärte, warum seine Leute die Steige versperrten. "Einige Mountainbiker haben versucht, eine Free-Ride-Strecke abseits der Wege an einem Steilhang einzurichten. Sie schaufelten dafür sogar Sprungschanzen und bauten Rampen aus herumliegendem Holz", berichtete er. "Andere weichen auf Steige aus, die so schmal sind, dass keine zwei Personen nebeneinander gehen können. Es ist auch schon vorgekommen, dass sich Wanderer durch einen beherzten Sprung zur Seite vor einem schnell bergab sausenden Radler in Sicherheit bringen mussten."

Der Wald sei grundsätzlich für Erholungssuchende offen. "Allerdings gilt das nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz für Reiter und Radfahrer nur auf dafür geeigneten Wegen. Schmale Steige gehören nicht dazu. Bei ihnen handelt es sich schlichtweg um Waldfläche." Weite Teile des Johannisbergs stünden aufgrund der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie unter besonderem Schutz. Lenz wies darauf hin, dass allein sein Forstbetrieb ein Wegenetz von etwa 600 Kilometern Länge betreue. "Das dürfte für die Erholungssuchenden doch ausreichend sein."

Miteinander auskommen

Aber gut ausgebaute Schotterwege sind eben nicht das, was Mountainbiker wie Daniel Kraus suchen. Bürgermeister Alwin Märkl und der Leiter der Freudenberger Gemeindeverwaltung, Richard Zweck, zeigten durchaus Verständnis für beide Seiten. Sie warben bei den Mountainbikern um Rücksichtnahme und bei den Forstleuten um Geduld.

Auf den von Mountainbiker Kraus formulierten Satz "Probieren wir doch, dass wir alle gut miteinander auskommen", wollten sich am Ende alle Beteiligten einlassen. Der Forstbetrieb wird neue Schilder aufstellen, die auf die Vorgaben des Bayerischen Naturschutzgesetzes hinweisen. Soweit die Barrikaden auch Fußgänger behindern, sollen sie wieder zurückgenommen werden.
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