Auf Laster zum Auswärtsspiel

Bürgermeister und Militärregierung waren einverstanden, als im Frühjahr 1948 sportbegeisterte Männer einen Verein gründeten. Vor allem ging es ihnen um den Fußball.

Konkrete Formen nahm die Idee für den Ball-Spiel-Club (BSC) an, als sich ein interessierter Kreis am 31. März 1948 im Gasthaus Weißes Ross (Tretter) einfand. Dort machte man Nägel mit Köpfen und wählte einen Vorstand, dem Anton Brabetz, Bürgermeister Josef Strasser, Fritz Marke, Günter Zeise, Hans Bayerl, Andreas Donnhauser und Franz Baumgartner angehörten. Als Vereinszweck schrieben sie regelmäßiger und geordneter Sportbetrieb fest.

Weil das Fußballspielen im Vordergrund stehen sollte, brauchte man einen geeigneten Platz. Favorisiert wurde ein Gelände am westlichen Naabufer gegenüber der Luhemündung in der Bahnhofstraße. Als Startkapital hatten die Mitglieder 180 Reichsmark zusammengetragen.

Sehnlicher Wunsch

Am 28. April 1948 nahm "Der neue Tag" den Ball auf: "Sportler und Gönner des Sports haben sich in Luhe zusammengefunden, um einen Sportverein zu gründen. Die Platzfrage wurde bereits im Einvernehmen mit dem Bürgermeister und der Militärregierung gelöst. In freiwilligem Einsatz stellten sich die Mitglieder zur Verfügung, um das Gelände zu planieren. Der sehnliche Wunsch der Bevölkerung, auch einmal auf einem eigenen Platz spannende Kämpfe zu erleben, wird somit bald in Erfüllung gehen."

Um wirklich durchstarten zu können, war die Zulassung eines neuen Vereins durch die amerikanische Militärregierung erforderlich. Deren Plazet war am 5. Mai 1948 eingetroffen. Für den Spielbetrieb in der C-Klasse verstärkten Gastspieler aus dem Raum Wernberg-Köblitz die Mannschaft. Deren Bekanntschaft mit Luher Mädchen war wohl nicht der unwichtigste Grund für ihr Interesse.

Schneider im Ort nähten die weißen Trikots und schwarzen Hosen. Die Treter produzierte Schustermeister Karl Schreiber. Auch der Fußball mit einer Schweinsblase war Marke Eigenbau. Weil Kabinen fehlten, zogen sich die Spieler, die ohne Trainer auskamen, entweder gleich zu Hause oder in einem Nebenraum des Gasthofs "Zum Webertor" (Hagler) um. Auf dem Spielfeld erwarteten sie schon zahlreiche Zuschauer. Nach dem Match wuschen sich die Akteure in der angrenzenden Naab. Den Ausklang bildeten im Vereinslokal Hagler Brotzeit und Bier. Wirt Matthias Hagler galt als spendabel.

Auf der Ladefläche

Gegner in der Anfangszeit waren DJK und TB Weiden sowie Clubs aus Parkstein, Windischeschenbach, Kohlberg, Floß und Störnstein. Für den Transport der Mannschaft zu Auswärtsbegegnungen stellte Fuhrunternehmer Hans Bayerl einen Lastwagen zur Verfügung. Auf der Ladefläche kauerten Erwin Galke, Hans Bayer, Theo Hecht, Günter Sonsalla, Hans Glockner, Josef Bauer, Erwin Zanner, Willi Hofmeister, Gutmann Kraus, Albert Schwarz, Erwin Schmied, Josef Landgraf, Erwin Bayer, Kurt Doll und andere Spieler.

Am 3. Juni 1950 gastierten die Junioren des SV Weiden beim BSC Luhe-Markt. Zu einem brisanten Pokalmatch kam es zwei Wochen später. Gegner war der Nachbarverein SC Luhe-Wildenau. Die Partie endete 2:2 nach Verlängerung. Durch Losentscheid gewannen die Hausherren.

Ab dem Frühjahr 1949 diente die neue Arena samt Aschenbahn und Weitsprunggrube auch den Schülern im Fach Leibeserziehung. Höhepunkt war das jährliche Sommersportfest. In der Chronik ist ein solches Ereignis überliefert:

"Am Samstag, 1. Juli 1950, war ein Fest für unsere Kinder. Konnten sie doch zeigen, wie tüchtig sie in sportlichen Leistungen sind. Außer der Luher beteiligte sich auch die Neudorfer Schule daran. Zuschauer hatten wir nicht und doch spornte der Ehrgeiz Buben und Mädchen an, in der vorteilhaftesten Weise ihre Disziplinen vorzuführen. Die Knaben demonstrierten Sprung- und Laufkünste, die Mädchen sinnige Ball-, Lauf und Singspiele. Zum Schluss tobten sich die Buben noch weiter im Fußball aus."

Kakao im Regen

Vom 24. bis 31. Mai 1950 veranstaltete der Landkreis auf dem Sportplatz eine Jugendwoche. Im Mittelpunkt stand die Notlage der jungen Generation, der nach dem Kriegsende eine demokratische Perspektive aufgezeigt werden sollte. Zum Abschluss trafen sich die Heranwachsenden auf dem Sportplatz. Leider störte der einsetzende Regen die Darbietungen. Als aber die amerikanische Militärbehörde Kakao und Gebäck verteilen ließ, war das Wetter schnell vergessen.

Nach den Senioren wurde zusätzlich eine Jugendmannschaft aufgebaut. Zu ihr gehörten unter anderem Heinz Griebel, Georg Specht, Georg Schlosser, Christian Häusler, Willi Betz, Leonhard Stahl, Georg Graf und Christian Bauer. Sie maßen sich mit Altersgenossen aus Mantel, Vilseck, Weiherhammer, Etzenricht, Pirk und Freihung. Letztmals lesen wir am 9. August 1952 im "Neuen Tag" von einem Punktspiel der BSC Jugend, die 2:0 gegen Freihung siegte.

Zehn Jahre Pause

Einen Monat später wurde das Ende des so hoffnungsvoll gestarteten Clubs eingeläutet. Die Spieler wurden aufgefordert, alle vereinseigenen Materialien bei Erich Schimetscheck abzuliefern. Grund für das Aus war wohl der Mangel an Spielern, dem auch Vorsitzender Alfred Gruhle nicht abhelfen konnte. Am 24. Juni 1962 startete unter Leitung von Erwin Galke der FC Luhe-Markt als Nachfolgeverein. Er feiert Ende Juli Sommerfest (Tipps und Termine).
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