Auf SpVgg SV wartet ein "harter Weg"

Seit zwei Monaten ist Philipp Kaufmann als Sportvorstand bei der SpVgg SV Weiden engagiert. Mit frischen Ideen die Struktur im Verein zu optimieren, ist eines seiner Ziele. Bild: Hartl

"Sport macht am meisten Spaß, wenn man gewinnt", sagt Philipp Kaufmann. Ausgerechnet das tut die SpVgg SV Weiden im Moment nicht. Über Wege aus der sportlichen Flaute spricht der neue Sportvorstand im NT-Interview. Und wirbt für Geduld, harte Arbeit und Professionalität.

Herr Kaufmann, Sie kommen gerade aus einem Kurzurlaub. Hatten Sie den nötig, weil es aktuell bei der SpVgg SV Weiden sportlich nicht so rund läuft?

Philipp Kaufmann: (lacht) Den hatte ich nicht nötig. Meine Zwillings-Nichten sind am Wochenende getauft worden, das war der einzige Grund.

Nur zwei Siege in acht Spielen und Platz zwölf - wie unbefriedigend ist das bisherige Abschneiden? Immerhin hatte die SpVgg SV in der letzten Saison lange um den Regionalliga-Aufstieg mitgespielt ...

Kaufmann: Sport macht am meisten Spaß, wenn man gewinnt, vor allem den Fans und Zuschauern. Für einen Verantwortlichen sind andere Dinge genauso entscheidend. Ich bin nicht an einem kurzfristigen Erfolg interessiert, sondern ich will ihn mittel- bis langfristig. Bis dahin ist es für uns noch ein harter und längerer Weg. Wir alle müssen ganz schnell begreifen, dass vergangene "Heldentaten" und Zuschauerkulissen aus den 60er und 70er Jahren nicht mehr realisierbar sind. Wir führen ein mittelständisches Unternehmen mit dem Produkt Fußball, das müssen alle verstehen.

Nach dem Pokal-K.-o. gegen den FC Amberg haben Sie als Sportvorstand festgestellt: "Momentan sind wir nur eine mittelstarke Bayernliga-Mannschaft." Wie sind die Reaktionen darauf ausgefallen?

Kaufmann: Bisher hat sich dazu niemand bei mir gemeldet - das war ja auch keine emotionale Aussage, sondern eine realistische Betrachtung der aktuellen Situation. Eine Spitzenmannschaft in dieser Liga gewinnt das Derby gegen Burglengenfeld und schafft es, gegen Amberg im Pokal bis zum Schluss alles in der Hand zu haben und eventuell im Elfmeterschießen zu gewinnen. Das haben wir jeweils nicht und somit können wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht anders einordnen.

Die SpVgg SV hatte vor der Saison angekündigt, verstärkt den eigenen Nachwuchs hochzuziehen. Es gibt aber auch Stimmen, vor allem bei Sponsoren, die den sportlichen Erfolg anmahnen. Beides unter einen Hut zu bekommen, scheint schwierig ...

Kaufmann: Das Ganze hat doch einen finanziellen Hintergrund. Wir wären als SpVgg SV Weiden in der Lage drei, vier Hochkaräter für einen möglichen Aufstieg zu holen, da wir bei vielen Spielern aufgrund der erfolgreichen Arbeit in den letzten Jahren hoch angesehen sind. Aber wir werden niemandem etwas versprechen, was wir nicht einhalten können, schon gar nicht finanziell. Wir werden von unseren Sponsoren sehr gut unterstützt und ich möchte nicht sagen müssen: "Sorry, wir haben kein Geld mehr, wir haben uns da verkalkuliert." Das wird es mit mir und vor allem Kurt Haas nicht geben.

Wenn der Erfolg ausbleibt, stellt sich im Fußballgeschäft schnell die Trainerfrage. Können Sie sich vorstellen, dass die SpVgg SV noch in dieser Saison in eine solche Situation kommt?

Kaufmann: Ich finde, man muss die Kirche im Dorf lassen und realisieren, was wir machen. Wir betreiben Sport im mittleren Leistungsbereich. Wir versuchen jetzt eine Basis aufzubauen, die uns in den nächsten drei bis fünf Jahren richtig Spaß bereiten kann. Dieses Jahr werden wir Gegenwind bekommen - vielleicht auch teilweise berechtigt. Aber spätestens in der übernächsten Saison sieht das wieder anders aus. Jeder braucht eine gewisse Zeit, um sich zu etablieren, Trainer, Spieler, Verantwortliche. Und die werden wir uns auch geben. Sollten wir dann merken, es stimmt etwas nicht, werden wir natürlich im Sinne des Vereins handeln müssen.

Sie sind vor zwei Monaten am Wasserwerk in die Führungsetage eingestiegen. Die Bezeichnung Sportvorstand klingt anspruchsvoll. Um was genau kümmern Sie sich?

Kaufmann: Ich bin kein Freund von Titeln, ich sehe mich grundsätzlich - auch im Beruf - als Kümmerer. In diesem Wort steckt alles drin. Ich versuche, mit Ideen und Ansätzen die Struktur im Verein zu optimieren und eventuell auch neu auszurichten, wo es mir nötig erscheint. Wir haben eine Menge engagierte Leute, die sich seit Jahren für diesen Verein zerreißen, und mit denen will ich gemeinsam auch das Image der SpVgg SV Weiden im Umland, aber auch innerhalb der Stadt, aufpolieren.

Als Neueinsteiger haben Sie sich einen Überblick über die Vereinsstrukturen verschaffen können. Was ist positiv? Was muss professioneller werden?

Kaufmann: Der Verein muss, um in Zukunft große Ziele wie die Regionalliga zu erreichen, grundsätzlich professionell werden. Das heißt nicht, dass hier nicht gut gearbeitet wird, sondern es muss anders ausgerichtet werden. Dafür müssen eventuell auch Stellen geschaffen werden, ähnlich wie der FC Amberg das jetzt mit der Sportpark GmbH durchmacht. Die Ausrichtung mit dem Sportlichen und Technischen Leiter ist ein erster Schritt. Christian Stadler kennt die Liga und Thomas Binner ist ein Organisationstalent vor dem Herrn.

Ein Unterbau für das Bayernligateam ist derzeit überhaupt nicht vorhanden. Die frühzeitige Integration von A-Junioren in den Herrenbereich ist mit dem Bezirksligaabstieg grandios gescheitert, Im Gegenteil: Der zweiten Mannschaft droht in der Kreisliga der freie Fall? Was muss sich hier tun?

Kaufmann: Das ist genau ein Beispiel dafür, was ich mit professionell meine. Um die zweite Mannschaft ist sich zu spät und nicht ausreichend gekümmert worden. Wir haben es noch nicht geschafft, den Jungs, die sich bei uns in der ersten Mannschaft noch nicht durchsetzen können, eine Perspektive zu bieten. Die Quittung bekommen wir jetzt. Da müssen wir Ansätze für realistische Lösungen finden, und das ziemlich schnell. Aber das geht nur ganz eng mit dem NLZ und den Jugendtrainern.

Ist die Heimat der SpVgg SV Weiden die Bayernliga? Oder kann mittelfristig die Regionalliga ein Thema sein?

Kaufmann: Die Frage kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten. Grundsätzlich sollte die Regionalliga unser Ziel sein, aber dafür müssen viele andere Faktoren stimmen. Da muss auch eine ganze Stadt mit Verwaltung, Industrie, Gastronomie und Zuschauern zusammenarbeiten. Wir müssen uns jetzt erstmal mit ehrlicher Arbeit und Zuverlässigkeit beweisen.

Wenn Sie einen Ausblick wagen: Wo wird die SpVgg SV in zwei, drei Jahren stehen?

Kaufmann: Auch da tue ich mich schwer. Super wäre, wenn wir mit den heutigen Verantwortlichen für die erste Mannschaft um Galásek, Binner, Stadler und mir an einem letzten Spieltag der Saison am Rasen stehen und sagen könnten: "Mensch alles richtig gemacht als wir in 2015 angefangen haben." Ich glaube, in einem Jahr kann ich diese Frage anders beantworten.
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