Aufstand der "Alten" im Bibertal

Der Kirwa-Chor um Marlies Bauer, Christoph Hübner, Alexander und Matthias Thurn sowie Verena Nickl (von links) begeisterte mit bissigen G"stanzla und eingängigen Liedern. Mit auf dem Wagen stärkten die Kirwa-Lausbaoum und -Moidla ihnen den Rücken." Bild: edo

Um die 1000 Besucher versammelten sich beim Kirwazug auf dem Dorfplatz. Beim Derblecken bekamen Gemeinderat und Dorfprominenz ihr Fett weg.

Proppenvoll war der Stachus vor der alten Schule am Sonntag zur "Kirwa 08/15". An die 1000 Kirwa-Gänger aus der ganzen Region - gestärkt von Gansbrust, Rehbraten und Schäufele im Schützenhaus und in Werners Partyzelt - fanden sich zum Höhepunkt ein. Pünktlich um 14 Uhr rollte der sommerliche Zug aus mit vielen Details verzierten Themenwagen und Fußgruppen durch die Ortschaft, um schließlich im Zentrum haltzumachen. Beim Derblecken begeisterten die "Kirwa-Boum und -Moidla" mit hintergründigen Liedern und bissigen Gstanzla.

Ü 40 dreht auf

Nach einer persönlichen Begrüßung berichtete der Kirwa-Chor um das Brüderpaar Alexander und Matthias Thurn, Christoph Hübner, Marlies Bauer und Verena Nickl unter anderem über die Planungen eines in der Gemeinde heiß diskutierten Bauvorhabens: den Dorfladen, der bald in Vorbach errichtet werden soll.

"Funktionert denn so die Demokratie? Wir stimmen ab, bestimma däin die", monierte der Kirwa-Rat und erinnerte an den gefassten Beschluss des vergangenen Jahres: "Laut Protokoll vom 24. August hat - wenn überhaupt - der Loon auf Biwara gemusst." Als Konsequenz wurde Bürgermeister Werner Roder zu einer umgehenden "Geldbuße" von 20 Euro verdonnert: "In Zeiten von Grexit, Eurokrise und Monstertrasse gibts kein Zahlungsziel - wir bitten sofort zur Kasse. So profitieren beide Seiten davon, wir hom a Geld und ihr habts an Loon."

Hart ins Gericht genommen wurden Vertreter der Ü-40-Generation, die sich zusehends mehr ihrer Freizeit widmen und dabei ihre Pflichten vernachlässigen - sehr zu Lasten der Jungen: "Ob im Vorstand der Vereine oder beim Bauernhofverwalten - die Junger übernehmer die Orbat der Altn. Jetzt habts des, wos gwollts habts - die Junger san brav, dafür drahts ihr Alten af!" Beispielhaft wurde das Gebaren eines Dorfprominenten, der gerne Zylinder trägt, erwähnt: "Stets drauf bedacht, ein gutes Vorbild zu geben, erzog er die Jugend, ihren Müll aufzuheben. Auch das Urinieren in freier Natur findet er geschmacklos, des is koi Kultur. Doch wenn oim da Rausch in den Schädel eifohrt, wirft ma mal schnöll seine Prinzipien über Bord." Auch einen Gastronom, der sich nach einem Glas zu viel beim Backofenfest überschätzte, nahmen die Sänger aufs Korn: "Er houd halluziniert, gmoint, er is Musikant. Wollt a Standl spüln und is auf die Bühne grannt. Drum haud er dann gmerkt, er beherrscht koi Instrument und ist dann kopfüber va der Bühne euer grennt."

"Revival" der Ehemaligen

Ferner wurden diverse Verfolgungsjagden zwischen Polizei und aufgemotzten Mopeds in den umliegenden Fluren thematisiert: "Mit ohne TÜV und groußn Motor, nimmt man sich dann die Feldwegler vor. Ohne Rückspiegel und im Geschwindigkeitsrausch fallt oim scha schnell mal des Blaulicht net auf. Dass ers dann schnallt, dou drum af seim Korrn, homs dann nu a'gschalt, ihr sau lauts Horn."

Zur Auflockerung streuten die Sänger immer wieder bekannte Melodien mit eingängigen Texten ein. Verfasst wurden die bissigen Gedichte in monatelanger Vorarbeit von den kreativen Köpfen. "Nach der Kirwa ist immer vor der Kirwa", erklärte einer der Dichter die Vorgehensweise: "Bereits nach der Show sammeln wir wieder Themen fürs nächste Jahr, bietet doch die Kirwa selbst meist viel Interessantes." Als besonderen Höhepunkt planen die Verantwortlichen für 2016 ein "Revival", bei dem Gstanzl-Sänger aus früheren Zeiten zum Einsatz kommen sollen. Darunter sind auch heutige Exil-Biwricher, die mittlerweile in Franken ihre Heimat gefunden haben.
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