Auftakt zum Flossenbürger Forum in Berlin - Bundestagsabgeordnete: bewegendes Dokument der ...
Gedanken eines ehemaligen Häftlings

Die Bundestagsabgeordneten Uli Grötsch (links) und Marianne Schieder trafen bei der Buchvorstellung in Berlin Dr. Jack Terry (Mitte), den Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Dr. Jörg Skriebeleit (Zweiter von rechts), und Uwe Neumärker (rechts), Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Bild: hfz
Flossenbürg/Berlin. An einer besonderen Lesung durften die beiden Oberpfälzer SPD-Bundestagsabgeordneten Marianne Schieder und Uli Grötsch in Berlin teilnehmen. Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg stellten in der Bayerischen Landesvertretung das Buch "Elf Jahre - ein Bericht aus deutschen Konzentrationslagern" des ehemaligen Häftlings Carl Schrade vor.

Zu Ehren des Autors war Dr. Jack Terry, Sprecher der ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Flossenbürg, aus New York angereist und erzählte den Gästen seine bewegende Geschichte. Der selbst in Gefangenschaft gehaltene Schrade hat mit Hilfe des Häftlingsschreibers Milos Kucera den damals 15-jährigen Jack Terry in den Tagen vor der Befreiung versteckt und ihm eine neue Identität gegeben. Das rettete ihm das Leben, und er wurde zum jüngsten überlebenden Häftling des Konzentrationslagers Flossenbürg.

Tiefe Verbundenheit

"Diese zwei Personen sind die Wichtigsten meines Lebens", dankte Terry während er sein Handgelenk hoch hielt, an dem er Schrades Uhr trug und damit tiefste Verbundenheit zeigte. Diese habe ihm Schrade nach dem Krieg in Zürich mit den Worten "Ich wünsche dir eine gute Zeit" geschenkt.

Gerührt von Terrys Erzählungen, führte der Leiter der KZ-Gedenkstätte Dr. Jörg Skriebeleit mit biographischen Eckdaten des Autors in die Lesung ein und betonte die Besonderheit dieses frühen Zeitdokuments. Der ehemalige Häftling Schrade (1896 bis 1974) hatte kurz nach seiner Befreiung aus dem KZ Flossenbürg einen Bericht über die vergangenen elf Jahre verfasst.

Bis 1934 verbüßte er mehrere Haftstrafen wegen Eigentumsdelikten, danach wies ihn die Gestapo in das KZ Lichtenburg ein. Es folgten Esterwegen, Sachsenhausen, Buchenwald und Flossenbürg, wo er über sechs Jahre gefangen war. Schrade beschreibt die Gewaltexzesse der SS und erinnert auch an das Schicksal zahlreicher Mitgefangener. Seine Erinnerungen bildeten den Auftakt zum Flossenbüger Forum. Mit ihnen wurde erstmals die Stimme eines als "Berufsverbrecher" verfolgten NS-Opfers laut.

Der Schauspieler und Regisseur Bernd-Michael Lade verlieh für die Lesung seine Stimme und ließ die Gäste an Schrades Gedankengut teilhaben.

Zeitzeugen hören

Tief bewegt von dem Abend machte MdB Schieder in einem anschließenden Gespräch mit Terry und Skriebeleit deutlich, welch große Bedeutung solche Zeitzeugenberichte für die Aufarbeitung unserer Geschichte haben. "Wir müssen versuchen, so viel wie nur möglich mit lebenden Zeitzeugen zusammenzuarbeiten, denn bald wird dies nicht mehr möglich sein und damit der direkte Bezug verloren gehen", betonten die Abgeordneten.
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