Aus dem Vollen schöpfen
Der menschliche Körper im Dialekt: Schwolschedl, Zornbischerl und Gfries

So komplex der menschliche Körper aufgrund seiner Anatomie ist, so vielfältig sind auch die Bezeichnungen, die der nordbairische Dialekt für die einzelnen Teile parat hat. Ein Streifzug von oben nach unten sozusagen, das heißt von den Haaren bis zu den Zehennägeln, ergibt eine große lexikalische und semantische Fülle.

Kopfvarianten

Bereits der Kopf als Ganzes offenbart einige interessante Varianten, etwa Biemois, Biewerer (in Verbindung mit Röte), Bölle, Däz, Schedl und Schwolschedl (besonders ausgeprägter Kopf). Ähnliches gilt für das Gesicht. Hier finden sich Fotzn (sehr derb), Gfries (Gesichtausdruck), Kolefflgsicht(l) (kleines Gesicht), Lerva (eher hässliches Gesicht) und Wisàsch (negativ; im Duden als "salopp abwertend" aufgeführt).

Noch weitaus facettenreicher sind die Haare. Mit dem Ausdruck Ãntnhaigl werden - in Anlehnung an die Schwanzfedern einer Ente - zum Beispiel längere, sich im Nacken nach oben kräuselnde Haare beschrieben. Birschtn wiederum ist der Name für fülliges, festes Haar als Ganzes. Das Pendant dazu für dichtes Haar ist Bolg und für fülliges Haar Buusch. Wer keine Haare mehr auf dem Kopf hat, besitzt eine Blaschn, eine Blattn oder (in kleinerer Form) ein Blàttl. Eine weitere Reminiszenz an ein Federvieh ist Gockl als Charakterisierung einer mit einem Kamm am Scheitel festgesteckten Haarrolle. Mit einem Schebbl bzw. Schebberl meint man ein Haarbüschel, wobei mit ersterem Ausdruck darüber hinaus auch ein ungezogenes Kind bedacht wird. Stäggerler sind kerzengerade Haare, Schnäggerler dagegen gelockte. Mit Stimla werden kurze bzw. wenig Haare wiedergegeben, während das Wort Zäiserler für feine, dünne Haare verwendet wird.

Zodl und Zon

Eine Sturmfrisur entsteht zum Beispiel dann, wenn der Wind die Haare zersaust. Dieses Wort ist aber, laut Duden, (scherzhaft) auch in der Hochsprache geläufig. Für längere, ungepflegte Haare existieren zwei Bezeichnungen, nämlich Zodl und Zon. Ein Zornbischerl dagegen entsteht, wenn Haare widerborstig nach oben stehen. Bei den Augen ist die Differenzierung nicht so ausgeprägt. Für hervorstehende bzw. hervorquellende Augen existieren die Bezeichnungen Froosch-aung und Glotzer, wobei letztere auch für Augen allgemein hergenommen wird. Bei ersterer lohnt ein zusätzlicher Blick auf die Wortfamilie: Froosch-aucherter, Froosch-aucherte, froosch-auchert.

Die Nase dagegen "gibt" wieder mehr "her", nämlich Kolm, Kumpf und Zinkn für ein markantes Riechorgan, Rissl für ein langes Exemplar sowie Schnudern, ein Wort, das zugleich für eine weibliche Person gebraucht wird, die ständig den Naseninhalt nach oben zieht. Das männliche Gegenstück ist hier der Schnuderer.

Zwei Bedeutungen

Bei "Zinken" liefert der Duden folgende Erklärung: (umgangssprachlich scherzhaft) auffallend große, unförmige Nase. Kumpf wiederum ist auch der Name für einen Wetzsteinbehälter, den der Bauer früher an einem Gürtel im Hosenbund eingehängt trug, wenn er mit der Sense Mäharbeiten verrichtete. Weil der Dialekt so erfindungsreich an fein nuancierten Charakterisierungen für Körperteile ist, endet die Begriffsammlung vorerst bei der Nase.(slu)

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/dialekt
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