Aus den Briefen Pfarrer Loschs

Bei der Durchsuchung des Miesbrunner Pfarrhauses am 16. Januar 1944 fanden die Gestapo-Beamten eine Mappe mit Briefen. Auf deren sarkastischen Inhalt beriefen sich die Richter des Volksgerichtshofes in ihrem Todesurteil. Pfarrer Josef Losch hatte unter anderem geschrieben:

"... bevor unserem geliebten Führer vom verdammten Churchill der Krieg aufgezwungen wurde, der jetzt gerade mit dem Endsieg gekrönt werden soll. Allerdings muß er noch totaler werden. Das deutsche Volk verlangt es stürmisch, denn der ,Sauruß' und der Stalin ... das ganze Abendland wollen die vernichten und waren doch selbst mindestens achtmal vernichtet in diesem Blitzkrieg. Aber nun werden die eben auch total vernichtet und zerschmettert und gebrochen, wenn der Frühling kommt!" - "Der Führer hat's gesagt, und der Goebbels hat es bestätigt und unsere unvergleichliche Wehrmacht führt es durch; das hat der Goebbels gesagt ... letzthin erst. Heuer wird das Ende dann schon noch kommen, Führer befiehl, wir folgen dir. Das ist noch eine ganz echte Begeisterung. Schad, daß das Papier ausgeht..."(Brief an Familie Losch, Rottendorf, 20. Februar 1943)

"Ja, die Welt ist richtig durcheinander gekommen und unser geliebter Führer ... hat sehr, sehr viel fertig gebracht. ... Er wird schon weiterhelfen, wir dürfen nur das Vertrauen in ih nicht verlieren, hat der Goebbels gestern gesagt. Das wäre die Hauptsache, das Vertrauen auf den Führer, und wer hätte das nicht!?! Also: Führer befiehl, wir folgen Dir"(Brief an Familie Losch, Rottendorf, 21. April 1943)

"Ist ja eine Gnade, wenn man noch Blumen bekommt im sonst so romantischen Dritten Reich ... ,Gemüse und Kartoffeln sind viel lebenswichtiger' hat es letzthin in einem robusten Zeitungsartikel geheißen. Und gar erst Blumen für Kirchen. Wenn's zu Führers Geburtstag gewesen wäre! Daß man den nicht besser gefeiert hat, verstehe ich nicht ganz, zumal dieses ganz alltägliche Mittagessen ... und da hat unser geliebter Führer einmal gesagt, daß er die Lebenshaltung des deutschen Volkes gehoben hat ... Ja früher war die Ware besser, heute ist der Geist besser."(Brief an Familie Krumeyer, Frontenhausen, ohne Datum)

"Unsere Orgel ist direkt in einen ganz ungesetzlichen und pflichtwidrigen Streik getreten, aber in einen totalen, wie sich's eigentlich ja auch gehört, in einem totalen Krieg, den uns natürlich ,die anderen' aufgezwungen haben."(Feldpostbrief an Wenzel Steininger, 1. September 1943)
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