Aus den Sabiner Bergen in die Oberpfalz

Vor 500 Jahren erblicke der heilige Felix in Cantalice bei Rieti das Licht der Welt. Ganz oben thront die Kirche, die dem großen Sohn der 2700-Einwohner-Gemeinde geweiht ist. Bilder: Staffe (4), Gerhard Götz (3)
In Neustadt an der Waldnaab sind nicht nur ein Kloster und eine Wallfahrtskirche nach dem heiligen Felix aus den Sabiner Bergen benannt, sogar ein ganzer Stadtteil trägt seinen Namen. Das Gotteshaus gibt es schon seit 270 Jahren, das Kloster seit 79. Aber wie kommt ein italienischer Kapuzinerbruder in die nördliche Oberpfalz?

Fürst Ferdinand von Lobkowitz beruft 1710 drei Kapuzinerpatres nach Neustadt zur Seelsorge. 1712, als Felix heiliggesprochen wird, befällt den Stadtrichter Christoph Ulrich von Weinzierl tückisches Fieber. Keine Medizin hilft. Ein Kapuziner berichtet dem Kranken von dem neuen Heiligen seines Ordens. Weinzierl fasst sofort Vertrauen und verspricht, er werde eine Holzstatue stiften, wenn er gesund werden würde. Kaum hat der Stadtrichter das Gelübde getan, verlässt ihn das Fieber. Sofort erteilt er dem Schnitzer Adolf Grieger aus dem böhmischen Tachau den Auftrag, die Felixstatue zu schnitzen. Man stellt diese auf einer Holzsäule, am Platz des heute leider versiegten Felixbrünnleins auf.

Es dauert nicht lange, und die Pilger strömen zu der Statue. Die Verehrung wächst rasant. Schon 1713 wird in der Stadtpfarrei St. Georg der erste Bub auf den Namen Felix getauft. Der heilige Felix, Patron der Mütter und Kinder, hilft vielen Menschen. Im Jahr 1731 angelegten Mirakelbuch, das heute im Kloster aufbewahrt wird, sind 325 Wunder eidesstattlich festgehalten. Ab 1734 werden keine Einträge mehr vorgenommen, obwohl sich weiter unzählige Erhörungen zutragen.

1734 entschließen sich das Fürstenhaus Lobkowitz und das Ordinariat Regensburg, eine Kapelle zu errichten. Sie wird komplett mit Spenden finanziert, die Lobkowitzer erteilen nur die Genehmigung für den Bau. 1746 ist das Heiligtum fertig. Es dauert allerdings noch 20 Jahre, bis alle 46 Bilder mit Szenen aus dem Leben des heiligen Felix gemalt sind. Sie sind Zeugen gläubiger Verehrung und liebenden Vertrauens. Mit der neuen Wallfahrtskirche nimmt der Strom der Pilger noch mehr zu. Sie kommen bis aus Eger und Königsberg, Bamberg, Regensburg und sogar aus Wien. Von Eger aus begleiteten den großen Wallfahrerzug, der über Fuchsmühl und St. Quirin führt, zwei Beamte zur Aufsicht. Auch Arzt und Krankenwagen befinden sich in der Prozession, wird in der Chronik berichtet. Und weiter: "Die ganze Stadt war mit den Tausenden Pilgern beschäftigt."

1824 gibt das Ordinariat ein eigenes Gebetbuch für die Felixkirche heraus. Im Lauf der Jahre wirken 136 Kapuzinerpatres in Neustadt. Seit 2000 betreuen Brüder der polnischen Provinz Krakau das Heiligtum, das noch immer viele Pilger aufsuchen.

Jedes Jahr feiern die Neustädter am Wochenende um den 18. Mai das Felixfest. Dieses Wochenende ist es wieder so weit. Höhepunkt ist am Samstagabend die eindrucksvolle Lichterprozession durch den illuminierten Felixwald. (ms)
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