Aus Freude am Motorsport

Der neue deutsche Autocross-Meister in der 1600ccm-Klasse heißt Stefan Windschiegl. Ein absolutes Unikat ist sein von einem renommierten Tuner aus den Niederlanden konstruierte Buggy. Bei einem Gewicht von nur 500 Kilo und 250 PS sind die Beschleunigungswerte höchst beeindruckend. Bild: Fütterer

Nach dem beruflichen Erfolg kommt die automobile Passion zur vollen Entfaltung. Mit derselben Leidenschaft wie als Unternehmer widmet sich Stefan Windschiegl dem Motorsport. Der 51-Jährige gewann - in seiner erst dritten Rennsaison - sensationell die deutsche Autocross-Meisterschaft.

Lange ist es her, als der gebürtige Neuhauser in der legendären "Sandgrube" am Eingang des Waldnaabtals auf einer 125er Suzuki in Dreck, Schlamm und Staub wühlte. Diese Erlebnisse und Erfahrungen im Teenageralter holten Stefan Windschiegl schließlich nach Jahrzehnten wieder ein.

2012 - ein Jahr nach dem Verkauf seiner Maschinenbaufirma mit 130 Beschäftigten - versuchte sich der Unternehmer im Autocross in der Klasse 1600 ccm. Mit einem auf 200 PS getunten VW-Motor holte er damals auf Anhieb den zweiten Platz bei der deutschen Meisterschaft.

"Brutale Unfälle"

Stefan Windschiegl verband schon immer eine Hingabe zum Motorsport. Technisch ein Tüftler, Bastler und Schrauber, rüstete er 2013 über einen bekannten niederländischen Tuner auf eine 250 PS starke Ford-Maschine auf: Mit extrem kurzer Übersetzung, die das 500 Kilogramm leichte Gefährt in Nullkommanix auf die Höchstgeschwindigkeit von rund 170 Stundenkilometern katapultiert. Seine Maxime für den motorsportlichen Erfolg hört sich simpel an: "Gas geben und vor dem Dreck keine Angst haben." Stefan Windschiegl lacht. Dabei passierten gerade in den ersten Jahren seines späten Wiedereinstiegs "brutale Unfälle" mit mehrfachen Überschlägen und Zusammenstößen. Er überstand die gefährlichen Karambolagen dank des Überrollkäfigs, des sechs-Punkt-Sicherheitsgurts, seines feuerfesten Overalls und des ausgeklügelten Schutzhelms. "Ich hätte nicht geglaubt, dass ich das packe."

Gerade weil er technisch so affin ist, stellte sich der Erfolg genauso zuverlässig ein. Nach jedem Rennen legt Windschiegl bei der Wartung selber Hand an, erneuert die Verschleißteile, zieht alle Schrauben nach, checkt Antriebswelle und Getriebe, denen die harten Rennen besonders zusetzen. Der technische Aufwand ist enorm und billig ist die Motor-Passion jedenfalls nicht. Ein Satz Reifen ist bei jedem Rennen sowieso verschlissen. Von April bis Oktober stehen in Deutschland acht dieser Ereignisse an, für die jeweils Freitagmorgen bis Sonntagabend eingebracht werden. Dazu kommt das regelmäßige Training auf der "Hausstrecke" in Oberfranken.

Ein starkes Team

In der Regel erfolgen die Rennen über 800 bis 1000 Meter lange Rundkurse mit freiem Training, drei Vorläufen und zwei Final-Läufen: Also insgesamt über 30 bis 35 Kilometer, die es aber tückisch in sich haben.

"Mein Wiedereinstieg war die richtige Entscheidung", sagt Windschiegl. Der Motorsport bereitet ihm intensiv Freude und Spaß. "Und man kann diesen Einsatz nur erfolgreich bewerkstelligen, wenn ein gutes Team dahinter steht." Damit meint er im Besonderen seinen Cousin und Freund Thomas Witt ("Bahler") mit Ehefrau Rosi, Stefan (Dolo) und Sabine Windschiegl, Thomas Freytag, Manuel Bender und Sebastian Steubing. Stefans Frau Claudia bekocht herzhaft die eingeschworene Truppe.

Kommende große Erfolge klopfen bereits mit der nächsten Generation an die Tür: Der Sohn von Thomas Witt, Bastian (23), gewann auf dem Cross-Buggy (600 ccm), 130 PS stark, die deutsche Vize-Meisterschaft. Neuhaus ist offenbar ein gutes Pflaster für Motorsportler. Stefan Windschiegl macht sich am 7. November auf den Weg zur offiziellen Siegerehrung als deutscher Meister. Er hegt schon Pläne für die Wintersaison: Eis-Rennen auf gefluteten Wiesen in Österreich.
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