Aus Kriegen nichts gelernt

Unzählige Bilder, Fotografien, Dokumente, geographische Skizzen und Zeitungsausschnitte hatten die Neuntklässler von Lehrer Joachim Marek (links) für ihre Projektarbeit und die Ausstellung zusammengetragen. Den Beitrag der Realschüler zur Geschichtsbewältigung würdigten Schulleiter German Helgert, Landrat Wolfgang Lippert und Filialbereichsleiter Bruno Frank (Zweiter, Vierter und Fünfter von links) bei der Ausstellungseröffnung. Bild: jzk

Eine ungeahnte Fülle an Material über den "Ersten und Zweiten Weltkrieg in unserer Heimatregion" förderten die Neuntklässler der Realschule zutage. Zuviel und zu interessant, um sie alleine mit einer Klassenarbeit für den Projektunterricht abzudecken. Daher wollten die Schüler von Joachim Marek an die Öffentlichkeit gehen.

Kemnath. (jzk) Gehör fanden sie bei der Kemnather Sparkasse, in der sie nun ihre Ergebnisse auf Schautafeln präsentieren. Aktueller Anlass für die Projektschulaufgabe der Klasse 9h im Fach Deutsch war der Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren und das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren.

"Wochenlang gingen die Schüler auf Spurensuche, sammelten Material und förderten tagtäglich neue historische Quellen und Dokumente zutage", berichtete Marek bei der Präsentation. Diese solle den Betrachtern vermitteln, dass sich Geschichte nicht irgendwann und irgendwo in weiter Ferne abgespielt habe, "sondern dass wir alle Bestandteil von ihr sind".

Dokumente über Vorfahren

Er zeigte auch persönliche Dokumente von der Vertreibung seiner Vorfahren aus Schlesien. Vor allem sollten Einzelpersonen aus der Heimat und ihre persönlichen Schicksale vorgestellt werden. Denn die beiden Weltkriege brachten unermessliches Leid, Not und Elend über die Menschheit. "Allein im Zweiten Weltkrieg mussten 52 Millionen Menschen ihr Leben lassen", betonte Filialbereichsleiter Bruno Frank, der sich bei Marek, den Neuntklässlern und Realschuldirektor German Helgert für die Ausstellung bedankte. "Viele davon stammen aus unserer Region, wie die vielen Bilder der Kriegerdenkmäler in unseren Ortschaften zeigen."

Verbal Konflikte lösen

Landrat Wolfgang Lippert stellte einen aktuellen Bezug her: "Angesichts der momentanen Flüchtlingsproblematik, die inzwischen auch unseren Landkreis stark betrifft, ist die Ausstellung hochaktuell." Es scheine so, als habe der Mensch aus beiden Kriegen nichts gelernt. "Probleme muss man verbal und mit einer toleranten Haltung lösen, nicht mit Gewalt", betonte der Landkreischef vor den Schülern. Helgert lobte die Jugendlichen und ihren Lehrer für den "beachtlichen Beitrag zur Geschichtsbewältigung".

Auf zehn Schautafeln sind Bilder, Fotografien, historische Dokumente, Bildtafeln, geographische Skizzen und Zeitungsausschnitte ausgestellt. "Besiegt - befreit - Deutschland vor 70 Jahren", "Einzelschicksale", "Heimatfront", "Flucht und Vertreibung", "Zerstörungen im Heimatraum" "Suchdienst", "Im Westen nichts Neues", der Film "Die Brücke", "Unsere Gefallenen, Vermissten und Heimkehrer", "Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg" und "Kriegsauszeichnungen" sind genau illustriert. Feldpostbriefe schilderten das Schicksal von Frontsoldaten, Reichs-Fleischkarten verdeutlichten Hunger und Not in den Kriegszeiten.

Zur weiteren Vertiefung dieser geschichtlichen Problematik führten die Neuntklässler Interviews mit Zeitzeugen und drehten einen Film. Außerdem arbeiteten sie ein Quiz mit 22 Fragen aus, bei dem alle Realschüler mitmachen und Preise gewinnen konnten. Die Ausstellung kann noch bis 16. August besucht werden.
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