Aus Schlesien nach Bayern: Die Geschichte einer Flucht

Über acht Wochen dauerte die Flucht von Helmut Schmidt und seiner Familie aus Stangenhain in Schlesien nach Bayern. Von den Erzählungen seiner Eltern darüber berichtete er im Pfarrheim.

In Stangenhain hatte die Familie eine 38 Hektar große Landwirtschaft bewirtschaftet. Sorgenvoll verfolgten die Einwohner dort den Vormarsch der Roten Armee. Nichts konnte diese aufhalten - sie rückte immer weiter nach Westen vor. Als dann in einer Nacht der Himmel über Görlitz hell erleuchtet war, kam Panik auf. Doch Wirtschaftsführer Martin John vom Gut war ein vorausschauender Mann: Schon einige Tage vor dem offiziellen Räumungsbefehl hatte er einen Treck vorbereitet. Am 16. Februar um 17 Uhr verließ dieser Stangenhain.

Über Görlitz, Reichenbach, Zwickau und Ölsnitz führte die Flucht. Wie eine Karawane waren die Menschen unterwegs: zu Fuß, auf kleinen Wägelchen oder mit Leiterwagen, auf denen sie ihre letzte Habe transportierten. Auf einem von einem Lanz-Bulldog gezogenen Anhänger befanden sich Hafer, Erbsen, Bohnen und Mehl.

In Creußen wurde der Treck von Tieffliegern angegriffen. "Die Amerikaner schossen auf alles, was sich bewegte." Die Menschen flohen in den nahe gelegenen Wald und überlebten so den Angriff. Am 9. April kamen sie erschöpft in Kirchenthumbach an, wo sich der Treck dann auflöste. Die Familie Schmidt kam bei der Familie Hörl in Treinreuth unter. Andere Flüchtlinge wohnten im Schloss oder in den Arbeitsbaracken in Metzenhof. (lep)
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.