Ausblicke genießen

Es muss schon gewaltig gerummst haben damals im Jahre 1348, als auf der Südseite des Dobratsch gewaltige Felsmassen zu Tal donnerten. Rund 150 Millionen Kubikmeter waren es, sagen Geologen heute. Der größte Bergsturz der Ostalpen überhaupt war es gewesen.

Ein Erdbeben war die Ursache, liegt das Gebiet doch an einer bekannten Erdbebenlinie. Der Abt des Klosters Arnoldstein Floriamundus schrieb damals von einem mit finsterem Gewölk überzogenem Firmament, entsetzlichem Erdbeben und einem plötzlich zerborstenen Berg. Das kann man auch heute noch sehen. Der langgezogene Bergrücken, ein Ausläufer der Gailtaler Alpen, wird etwas verunstaltet mit einem riesigen Sendemasten. Doch der Dobratsch hat sehr unterschiedliche Gesichter, mit waldreichen Hängen im Norden, darunter das größte Eibenwaldreservat Österreichs und steil abfallenden Felswänden im Süden.

Fast 1700 Meter Höhenunterschied sind es, mit verschiedenen Lebensräumen und Klimazonen. In der Schütt, einem Felssturzgebiet, sind Hornviper und Karpatenskorpion anzutreffen, zudem 48 gefährdete und auf der "Roten Liste" stehende Pflanzenarten. Die Illyrische Gladiole hat hier ihren einzigen nachgewiesenen Standort in Österreich. Früher war der Dobratsch ein Skiberg mit zahlreichen Liftanlagen. Die hat man alle zurückgebaut. Im Jahre 2002 wurde der Naturpark Dobratsch als erster Naturpark des Landes von Kärnten verordnet. Seit 2006 gibt es die interkommunale Plattform.

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Definiert ist das offiziell so: Naturparke sind Modellregionen für nachhaltige Entwicklung. Das gleichrangige Miteinander von Bildung, Erholung, Regionalentwicklung und Naturschutz sind die Ziele des Naturparks Dobratsch. Man kann weit hinauffahren auf der Villacher Alpenstraße. Fast 16 Kilometer sind es bis zur Rosstratte. Doch unterwegs wird man immer wieder an einem der insgesamt elf Parkplätze anhalten um die Ausblicke zurück auf den Ossiacher See oder hinüber zu den Julischen Alpen zu genießen, vom Triglav im Osten bis zum Mangart im Süden.

Möglichst früh aufstehen ist die Devise, dann ist man noch alleine, dann liegt Dunst in den Tälern, während sich die Bergspitzen langsam röten. Gleich in der Nähe des Villacher Alpengartens ist eine Aussichtsplattform, modern gesagt "Skywalk", wo man mehrere hundert Meter Luft unter den Füßen hat. Hier hat man auch einen guten Einblick in die Südwände des Berges, abgehackt wie mit einem gewaltigen Beilhieb. Mitte August bis Mitte September kann man von hier aus ein ganz besonderes Schauspiel erleben. Über 5000 Greifvögel haben Ornithologen hier schon auf dem Weg in den Süden gezählt, darunter Wespenbussarde, Schwarz- und Rotmilan.

Einen Besuch des Alpengartens mit über 12 000 Quadratmetern Gesamtfläche und mehr als 900 Pflanzenarten sollte man sich nicht entgehen lassen. Kärtner Kuhschelle, Wulfenia, Feuerlilie, Blauer- und Echter Eisenhut, viele Enzian- und Orchideenarten, Alpenmannstreu, Edelweiß, Almrausch - man kann sich gar nicht satt sehen beim Schlendern durch den Alpengarten, der nahezu abenteuerlich an der Absturzkante zur Südwand angelegt ist.Vom Parkplatz an der Rosstratte auf 1733 Meter beginnen die Aufstiege zum Gipfel.

Ein Geologielehrpfad begleitet den Wanderer zu Beginn und klärt auf über den Karst, die Eisenverhüttung auf der Villacher Alpe im späten Mittelalter und verschiedene Gesteinsformationen wie Karbon mit Einschlüssen fossiler Armfüßler, Meeresturmschnecken oder Gesteinstrümmer in flüssiger Lava. Dazu ertönt das vieltönige Glockengebimmel der weidenden Kühe, wohltuender Kontrast zum quirligen Leben auf der Rosstratte.

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Aufs Haupt steigen

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Zwei bis drei Stunden dauert der Aufstieg zum 2166 Meter hohen Gipfel. Die Rundumsicht ist grandios, die Kärnter Seen liegen spiegelnd in grasgrünen Matten und dunklen Wäldern, zahllose Gipfel begrenzen den Horizont. Der Gipfel selbst kann mit zwei Kirchen aufwarten, der Wallfahrtskirche Maria am Stein, 1692 errichtet von Bleiberger Knappen und Bauern aus der Villacher Gegend und der Kirche Maria Himmelfahrt, die auf ein Gelübde des Freiherrn von Semler und seiner Gattin zurückgeht. Die beiden Kirchen gehören zu den am höchsten gelegenen Wallfahrtsstätten in den Ostalpen.

Ob der Wanderer nun seine Brotzeit auspackt und sich zwischen wiederkäuenden Kühen niederlässt, umkreist von Bergdohlen oder ob er im knapp unterhalb des Gipfels gelegenen Ludwig-Walter-Haus einkehrt, das ist Geschmackssache und auch eine Frage des Wetters. Dieser Teil Kärntens kann also nicht nur mit badewarmen Seen aufwarten, Kulturschätzen wie dem Stift Ossiach, sehenswerten Städten wie Villach, kulturellen Veranstaltungen wie dem Carinthischen Sommer, Burgen wie Landskron. Es lohnt sich, dem Dobratsch aufs Haupt zu steigen, der in einem Bildband stolz als Stern des Südens bezeichnet wird.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.naturparkdobratsch.info
Weitere Beiträge zu den Themen: Magazin (11335)Juli 2015 (8666)
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