Ausdruck der Achtung vor Toten

Zahlreiche Interessierte waren zur Segnung des neuen Aussegnungshauses gekommen. "Das Gebäude ist in der Architektur, der funktionellen Einrichtung und in der künstlerischen Gestaltung sehr gut gelungen", stellte Bürgermeister Werner Nickl (rechts) fest. Bilder: stg (3)

Das neue Aussegnungshaus auf dem Kemnather Friedhof hat am Sonntagnachmittag den kirchlichen Segen erhalten. Bislang habe ihn kein Projekt so gefordert, wie dieser Neubau, betonte Bürgermeister Werner Nickl.

Kemnath. (stg) Den Segen spendeten Stadtpfarrer Konrad Amschl sowie der evangelische Seelsorger Dirk Grafe. "Die Verstorbenen nehmen einen wichtigen Platz ein und sind Teil unseres Lebens", erklärte Grafe. In dem neuen Gebäude werde viel vom Lebensweg eines Menschen aufgenommen.

Pfarrer Amschl führte aus, dass der Friedhof und das Aussegnungshaus Stätten des Friedens seien. "Hier ist aller menschlicher Streit, alle Unstimmigkeit zu Ende." Weil die Aussegnung heute meist nicht mehr daheim erfolge, sei es von hohem Wert, dass für die Hinterbliebenen ein Ort existiere, wo sie die Möglichkeit haben, sich zu verabschieden. "Das Aussegnungshaus ist ein Ort, wo man mit den Verstorbenen noch sein kann, um zu schweigen, zu weinen und zu trauern."

Neues Gesicht für Friedhof

Zuvor hatte Bürgermeister Werner Nickl nochmals auf den langen Entscheidungsweg im Stadtrat hingewiesen. Dieses Gebäude bedeute nicht nur Trauer, sondern auch Hoffnung. "Mit diesem Haus und der Neugestaltung der Außenanlagen zeigt unser Friedhof ein neues Gesicht und drückt die hohe Achtung vor unseren Toten aus." Ein Gebäude könne natürlich keinen Trost spenden, aber es könne tröstenden Gedanken und Worten den Weg ebnen sowie Stimmungen erzeugen, die helfen, einen Weg zu finden.

"Das neue Aussegnungshaus ist in der Architektur, der funktionellen Einrichtung und in der künstlerischen Gestaltung sehr gut gelungen", stellte Nickl fest. Die Neugestaltung des Friedhofs werde im nächsten Jahr weitergehen. Damit werde zudem aufgewertet, was er ausdrücken soll - die Achtung und hohe Wertschätzung der Verstorbenen. Der Bürgermeister dankte allen an der Umsetzung Beteiligten, allen voran Architekt Günther Lenk, Landschaftsarchitekt Albrecht Strohn sowie der Pressather Künstlerin Ruthild Langhammer für die Glasfenster-Gestaltung.

Auch Architekt Günther Lenk sprach von "langen und teilweise heftigen Diskussionen" im Vorfeld der Maßnahme. Umso mehr freue er sich jetzt über Komplimente wie "modern und würdevoll", "optisch ansprechend" und "funktional". Die Stadt habe mit dem Neubau einen ruhigen Platz gewählt, einen stillen Ort des Abschieds. Das Aussegnungshaus stehe nun am richtigen Platz - nämlich in der Mitte des Friedhofs. Mit der sehr gelungenen Glaskunst von Ruthild Langhammer komme dem Haus eine weitere besondere Bedeutung zu.

Zeitlos und modern

Landschaftsarchitekt Albrecht Strohn betonte, dass das geschaffene Erscheinungsbild für sich selbst spreche. Mit dem Betonpflaster auf dem Vorplatz sei ein zeitloses, modernes und gut begehbares Material gewählt worden. Besonders wies er auf die 30 Urnengrabstellen hin, mit denen man den heutigen Anforderungen an gewünschte Bestattungsarten Rechnung trage. Strohn hob hervor, dass im Zuge der Neuanlage auch ein Platz für einen möglichen Fried- oder Ruhewald geschaffen worden sei.

Im Anschluss nutzten viele Anwesende die Möglichkeit, sich das Gebäude anzuschauen. Der Architekt sowie Mitarbeiter der Stadt standen für Fragen zur Verfügung.
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