Autoren aus Gemeinde

Dotsch, Schwammabröih, Bröislboard, Räiapirzln und Böihmische Kniadla: Welchem Fan der Oberpfälzer und Egerländer Küche läuft da nicht das Wasser im Munde zusammen? Ein neues Kochbuch aus der Region sorgt dafür, dass Großmutters bayerisch-böhmische Küchengeheimnisse nicht in Vergessenheit geraten.

Gerade im Zeitalter des Internets und des globalen Denkens ist Regionales im Alltag wieder gefragt. Nach der Fast-Food-Begeisterung schlägt das Pendel nun in die andere Richtung aus. Das Kochen von althergebrachten Gerichten mit frischen Zutaten aus der Region, neudeutsch "Slow Food" genannt, ist wieder "in". Der rund 1400 Einwohner zählende Ort Neualbenreuth im Landkreis Tirschenreuth, direkt an der Grenze Bayern-Böhmen gelegen, hat in dieser Beziehung - sehr zur Freude von Bürgermeister Klaus Meyer - eine ganze Menge zu bieten.

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Das macht das Kochbuch "Bröisl- board, Buchtala und Böihmische Kniadla" deutlich, das der Rathauschef am Dienstag in der Gemeinde vorstellte. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Autoren des Buches aus Neualbenreuth beziehungsweise einem der 22 (!) Ortsteile stammen. Dort sind besonders viele traditionelle Gerichte von "hüben und drüben" überliefert. Ein Grund dafür ist die ungewöhnliche Vergangenheit des schmucken Marktfleckens. Lange gehörte Neualbenreuth mit seinen Ortsteilen gleichzeitig zum Kloster Waldsassen und zur Reichsstadt Eger, was sich nicht nur im bekannten Baustil "Egerländer Fachwerk" niederschlug, sondern auch beim Kochen bemerkbar machte.

Hinzu kam dann noch die Ansiedlung vieler, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre alte Heimat verloren und fast ohne Hab und Gut, aber mit vielen tollen Rezepten nach Neualbenreuth kamen. Am Fuße des Tillenbergs trifft die Böhmische Küche auf die Oberpfälzer, konkurriert die Egerländer Kost mit der des Stiftlands. Räiapirzln, Liwanzen. Plinsen und Kleckslkuchen werden hier ebenso gern gegessen wie Bachane Kniadla, Bröislboard, Pimperlkraut und Schoppala.

Ende der 1990er Jahre begann der heimatkundliche Arbeitskreis damit, diesen Schatz zu heben, die Rezepte zu sammeln und die Zutaten für ein Neualbenreuther Kochbuch aufzuschreiben. Das Buch, das mit Unterstützung des Tirschenreuther Buchhändlers Thomas Rode 2000 auf den Markt kam, wurde ein Erfolg. Doch seit einiger Zeit ist der Titel vergriffen. Da die Marktgemeinde nicht ohne Kochbuch sein wollte und der Buch- und Kunstverlag für seine Kult-Reihe ständig auf der Suche nach althergebrachten Gerichten und ungewöhnlichen Rezeptsammlungen ist, waren die Weichen für "Bröislboard, Buchtala und Böihmische Kniadla" schnell gestellt.

Auf insgesamt rund 200 Rezepte ist der Küchenschatz aus Neualbenreuth angewachsen, darunter nun auch Anleitungen für Kolatschn, Striezel und Powidl. Aufgrund der vielen neuen Gerichte musste der Erscheinungstermin zwei Mal verschoben werden. "Rechtzeitig zum Muttertag haben wir es nun endlich geschafft", freuen sich Verlagsleiter Wolfgang Benkhardt und Ursula Stingl von der Gäste-Info, bei der die Fäden für das Buch zusammenliefen.

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Fundgrube an Rezepten

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Die Neuerscheinung, für die die Almesbacher Hauswirtschaftsdirektorin Hedwig Jakobey ein Vorwort geschrieben und Altbürgermeister Albert Köstler Mundartbeiträge beigesteuert hat, ist nicht nur eine Fundgrube für Freunde von althergebrachten Gerichten, auch über Brauchtum und touristische Besonderheiten dieser Region gibt es einiges zu lesen. So erfährt man zum Beispiel, was die Aufgabe der "Roußbuttn-Boum" war, warum es in einigen Stiftland-Gemeinden ratsam ist, vor der Bescherung am Heiligabend die "Specht" zu füttern und wie das Schmuggeln in "Alwareith" vor sich ging.

Kulinarisch spannt das Kochbuch den Bogen von gesunden Salaten über Mehlspeisen, Fisch-, Pilz- und Gemüsegerichte und Braten bis hin zu deftigen Brotzeiten und süßen Nachspeisen. In einem Sonderteil ist abgedruckt, wie man früher, durch Räuchern, Dörren, Trocknen, Gärung und auf andere Art und Weise Lebensmittel haltbar machte. Das Buch ist ab sofort für 19,95 Euro in allen Geschäftsstellen des Medienhauses "Der neue Tag", im Onlineshop des Verlags, in der Tourist-Info in Neualbenreuth sowie im Buchhandel erhältlich.

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168 Seiten, Hardcover mit Fadenheftung, ISBN 978-3-935587-012-6 , 19,95 Euro, Kontakt: Buch & Kunstverlag Oberpfalz, Mühlgasse 2, 92224 Amberg, Telefon: 09621/306-196, Fax 09621/306-197,Internet www.buch-und-kunstverlag.de
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