Babelsberg: Auch heute entstehen noch Blockbuster im bekannten Filmstudio
Moderne Zeiten

In der Nähe des Hubschraubers brennt es. Einer der Protagonisten feuert gerade ein heftiges Geschoss ab. Genau so funktioniert gute, actiongeladene Unterhaltung. Bilder: doz
 
Eine Szene, die aus einem Hollywood-Blockbuster stammen könnte. Fetzige Autos, Pistolen, Schwerter und viel Action. In Babelsberg lassen es die Stuntmen richtig krachen.

Marlene Dietrich schaffte ihren Durchbruch mit „Der blaue Engel“, den Josef von Sternberg einst in Babelsberg drehte. Auch Fritz Lang, Alfred Hitchcock, Billy Wilder und Quentin Tarantino haben in den bekannten Filmstudios gearbeitet. Kein Wunder, dass der Ort mit seiner Geschichte kokettiert.

Die glanzvollen Zeiten sind sicherlich vorbei. Heute gibt es nur noch wenige Formate von weltweiter Bedeutung, die in Babelsberg entstehen. Aus den vergangenen Jahren sind Tarantinos Klassiker „Inglourious Basterds“, der Oscar-prämierte Wes-Anderson-Film „Grand Budapest Hotel“ oder „Monuments Men“ mit Stars wie George Clooney, Matt Damon und Bill Murray erwähnenswert. Auch die amerikanische Serie „Homeland“ entstand und entsteht komplett in Babelsberg. Babelsberg und Berlin, das natürlich wegen der geografischen Nähe zum größten Filmstudio Europas zur Filmstadt avancierte, präsentieren ihre Historie gerne. In Berlin erinnert der Boulevard der Stars an die Männer und Frauen, die für Sternstunden in der deutschen Filmgeschichte sorgten. Sei es nun Fritz Lang, der zur Hoch-Zeit Filme wie „Metropolis“ (1927) oder „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ (1931) in Babelsberg schuf oder Stars der Gegenwart wie der zweifach mit dem Oscar ausgezeichnete Christoph Waltz oder den Filmkomponisten Hans Zimmer.

Nur wenige Meter entfernt ist die Deutsche Kinemathek. Dort sind viele Requisiten aus bekannten Filmen untergebracht. Etwa die Klamotten aus „Lola rennt“, Uniformen aus „Das Boot“ oder Masken aus dem Elyas-M’Barek-Film „Who am I“.

In Babelsberg beschäftigt sich ein ganzer Filmpark mit der Geschichte des deutschen Films. Eindeutiges Prunkstück: Die Stuntshow, die sowohl unterhaltsam ist, als auch einen Einblick gewährt, wie Actionszenen in den Blockbustern entstehen. Pyrotechniker, Tontechniker und Stuntmen sorgen gepaart mit viel Feuer, Geschossen und Schlägereien für Unterhaltung – Made in Babelsberg. Passend dazu führt die Stimme des Synchronsprechers von Bruce Willis durch die Geschichte.
Für die Show zeichnet Stuntkoordinator Martin Lederer (32) verantwortlich. Er ist, wie der Name schon verrät, für die Koordination zuständig. Er analysiert Szenen, dröselt sie auf und findet Lösungen. Er plant die Stunts – und das schon seit zehn Jahren. Das gilt für die Show, als auch für Filme, in denen er tätig ist. Er arbeitete bereits für zahlreiche Produktionen: GZSZ, Löwenzahn, Black Death, Hotel Lux, Tatort und Polizeiruf. Sein persönlicher Höhepunkt: „Es war eine supertolle Erfahrung für Roland Emmerich zu arbeiten. Er ist ein Kindheitsidol.“ Wer Stuntmen werden will, muss sich laut Lederer unterschiedlichen Herausforderungen stellen: „Wichtig ist ein gutes Körpergefühl und eine gesunde Selbsteinschätzung. Draufgänger können wir nicht gebrauchen.“ Kampfsport-Erfahrung sei zudem von Vorteil. An der Show im Filmpark arbeiten regelmäßig etwa 30 Leute mit.



Für die Action sind dabei vor allem die jüngeren zuständig. Vorteil, wenn jemand etwas Spezielles mitbringt: Motorrad, Autofahren. Außerdem muss es vom persönlichen her stimmen. Auf jeden verlassen können. Die Kommunikation ist wichtig. „Es gibt zwar ältere Stuntmen, das ist aber eher selten.“ Manche würden mit 30 aufhören. 40- bis 50-Jährige, die in die Koordination wechseln. Das sei typisch. Die Gefahr bei dem actiongeladenen Job bezeichnet Lederer als nicht groß. „Mit Schürfwunden und blauen Flecken muss man Leben.“ In der Regel würden Stuntmen viel für ihren Körper machen. In den vergangenen zehn Jahren hätten sich lediglich zwei Kollegen schwerverletzt.
Was die Faszination des Berufes ausmacht? Lederer sagt: „Ich finde es schön, Sachen zu machen, wo andere Leute mit offenen Mund zusehen. Es ist toll, sich anzünden zu lassen und die Leute fragen sich: Wie geht das?“ Auch während der Stuntshow lässt sich ein Mann anzünden. Der 32-Jährige erklärt: „Es gibt verschiedene Varianten. Wir arbeiten mit einem großen Glasfaseranzug und einem benzingetränkten Umgang.“ Der Anzug hält Temperaturen bis zu 1000 Grad stand.

Tatsächlich spürt man im Publikum die Wärme, wenn der brennende Stuntman wenige Meter entfernt am Publikum vorbeiläuft. Der Filmpark bietet sogar Crashkurse an, um tiefer in die Arbeit eines Stuntman zu blicken und es selbst auszuprobieren. Klingt verlockend – sich für ein paar Stunden wie Arnold Schwarenegger oder Denzel Washington zu fühlen.
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