Bahn bremst Engagement

Nur wenige Meter trennen den Johannissteig von der Bahnstrecke Weiden - Hof. Ein Großteil des Weges verläuft auf Bahngrund. Wenn die Stadt den Weg sanieren möchte, muss sie sich an die Bau- und Dienstanweisung der Bahn halten - ein höchst bürokratisches und teueres Verfahren. Bild: mic

Ein 190 Meter langer Weg spaltet die Windischeschenbacher. Die einen sind genervt und wollen von dem Thema nichts mehr wissen, für die anderen käme die Auflösung des Johannissteigs einer Katastrophe gleich.

Windischeschenbach. (mic) Der Pfad ist in die Jahre gekommen. Einige Treppenstufen sind locker, manche müssten erneuert werden. Ein neues Geländer wäre angebracht. Das Stück entlang der Bahngleise könnte Schotter vertragen. Die Sträucher müssten zurückgeschnitten und das Gras gemäht werden.

Eigentlich kein großer Akt, sollte man meinen. Doch eine Sanierung des Johannissteigs ist teuer. Wo andererorts Minibagger zum Einsatz kommen könnten, müssten hier die Arbeiten per Hand erledigt werden. Schuld daran sind die vielen Treppenstufen am schmalen Ein- und Ausstieg. Dass ein Großteil des Pfades direkt an der Bahnlinie vorbeiführt, macht die Angelegenheit noch komplizierter.

Die bürokratische Hürde, die die Deutsche Bahn der Stadt vorgibt, liegt hoch. Eine spezielle Bau- und Dienstanweisung schreibt ganz genau vor, wie Arbeiten im Gefahrenbereich von Schienen auszuführen sind. "Da direkt neben den Gleisen gearbeitet würde, ist eine besondere Sicherung notwendig", erklärt ein Sprecher der DB Netz AG in Nürnberg.

Entsprechend kundige Mitarbeiter müssten die Sanierung begleiten, informiert er. Das heißt, nur ein von der Bahn zugelassenes Ingenieurbüro dürfte sich der Sache annehmen. Auch die "Beseitigung der Vegetation", wie es im Beamtendeutsch heißt, müsste ein Fachmann überwachen. "Es könnte ja ein Baum auf die Strecke fallen", gibt der Bahnexperte zu bedenken.

Anzeige mögliche

"Warum hat man die Bahn denn überhaupt gefragt?", werfen die Steig-Befürworter der Stadt vor. Man hätte den Weg einfach herrichten können. Doch auch eine Nacht-und-Nebel-Aktion könnte ins Auge gehen. Wer ohne Genehmigung am Steig arbeitet, muss mit einer Anzeige der Bahn rechnen.

"Das ist die Sache eigentlich nicht wert", kommentiert Bürgermeister Karlheinz Budnik die Auflagen. Dennoch will er sich nicht drücken. Der erste Versuch, an Fördergelder zu kommen, verlief jedoch erfolglos. Aus dem Leader-Projekt der EU fließt kein Geld. Begründung: Der Steig sei nicht von überregionaler Bedeutung. "Da hilft es auch nichts, Schilder aufzustellen und auf die Geschichte der Porzellanfabrik hinzuweisen." Nun hofft der Rathauschef, dass vielleicht der Naturpark einen Zuschuss in Aussicht stellt. Die Antwort der Verwaltung steht allerdings noch aus.

Auflagen übertrieben

Die geballte Bürokratie der Bahn dämpft auch den Enthusiasmus der Interessengemeinschaft. "Für mich scheinen diese Auflagen etwas übertrieben", bedauert Sprecher Christian Sperber. "Doch wenn sie da sind, ist das halt so." Sicherheit gehe vor. "Wir wollen auch nicht, dass etwas passiert." Für weitere Gespräche mit der Stadt steht Sperber gerne zur Verfügung. "Vielleicht findet sich doch noch eine Lösung", hofft er.
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