Bahnhof ganz aus Holz

Ein Telefonhäuschen stand wahrscheinlich nie am Eschenbacher Bahnhof. Bis auf dieses Detail hat Johannes Roth jedoch in mühsamer Kleinarbeit ein originalgetreues Modell der Haltestation gebaut. Das Dach zum Beispiel besteht aus über 3000 hölzernen Biberschwanzziegeln aus Eisstielen.

"Ist das der Sonderzug nach Eschenbach?" Leider geht kein Bockl mehr in die Rußweiherstadt, aber den schönen Bahnhof gibt es noch: jetzt sogar in zweifacher Ausfertigung - in echt und als Modell.

Das schmucke Gebäude - Baujahr 1904 - ist vor einigen Jahren vom Ehepaar Carl-Peter und Sabine Fricke ganz im Stil der Erbauungszeit restauriert worden. Heute ist der alte Bahnhof ein Wohnhaus und eine der Sehenswürdigkeiten der ehemaligen Kreisstadt.

Grund genug für Johannes Roth, der schon durch seine Taubenhäuser Aufsehen erregt hat, ein maßstabsgetreues Modell der Eschenbacher Bahnstation anzufertigen. Beim Adventsmarkt des Heimatvereins im Taubnschusterhaus (wir berichteten) stellte er sein originalgetreues Werk samt Zug und Passagieren vor.

Das Gebäude ist ganz aus Holz konzipiert, schließlich kann der 41-jährige Zimmergeselle, beruflich bei der Firma Gebhardt in Eschenbach tätig, mit diesem Werkstoff am besten umgehen. Die über 3000 Biberschwanzziegeln für das Dach hat Roth aus hölzernen Eisstielen gefertigt und anschließend bemalt, die Fenster sind originalgetreu aus Eichenholz.

Mit Lok und Reisenden

Damit die Szenerie belebt ist, steht auf dem Gleis eine Dampflok mit zwei Personenwagen. Der Zug ist - wie der alte Eschenbacher Bockl - aus Pressath kommend über Grafenwöhr, Gößenreuth und Trag eingetroffen.

Auf dem Bahnsteig sieht man Reisende, denen es hoffentlich besser ergeht, wie dem fremden Fahrgast, der in den 1960er Jahren am Eschenbacher Bahnhof eine Fahrkarte nach Castrop-Rauxel kaufen wollte. Der Bahnbeamte suchte mit wachsender Nervosität im Kursbuch nach der richtigen Verbindung und dem gewünschten Zielbahnhof, denn der Bockl pfiff und schnaufte bereits durch den Apfelbacher Einschnitt nahe der Stadt.

Eile war also geboten, aber der "Bahnerer" fand einfach nicht die richtigen Angaben über das ungewohnte Reiseziel des Gastes. Als der Zug immer näher kam, stieß der geplagte Bahnhofsvorsteher voller Verzweiflung die Frage hervor: "Ach, gouder Mo, kinnas net wouanders hiefoahrn?"

Das nächste Projekt seiner Modellbaureihe hat Johannes Roth übrigens bereits auserkoren: das Gebäude der ehemaligen Bahnhofsrestauration gleich in der Nähe. Die frühere Gaststätte gehört zum Bahn-Ensemble und steht heute - wie der Bahnhof selbst - unter Denkmalsschutz. Die Familie Prösl hat das einst als "abbruchreif" bezeichnete schöne Haus denkmalgerecht saniert und ebenfalls Wohnzwecken zugeführt.
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