Barock wird lebendig

Heute sagt man Happy End. Früher wurde das weitaus blumiger umschrieben. Da nahm das Herzeleid ein gar glückliches Ende, als Nymphe Amoena und der verliebte Schäfer Amandus dann trotz aller Wirren doch noch zueinander fanden.

Früher, das war in diesem Fall die Zeit des Barocks, vor gut 300 Jahren. Es war auch die Zeit, in der das Hammerherrenschloss zu Theuern erbaut wurde. Inzwischen heißt es Kulturschloss. Und hier ging es jetzt ebenfalls barock zu, als Frau Musica (Franziska Lottner) in ihrem Schlussgesang formulierte: "Hat das liebliche Sing- und Reimgebäude meiner Schwestern Kunstprob' euch gefallen, so lasst lautes Lobgeschrey erschallen" Ja, es hat im Innenhof des Kulturschlosses gar vorzüglich gefallen, die höchst erbauliche Geschichte von Amoena und Amandus, aus Motiven des gleichnamigen Hirtenromans von 1632, mit Melodien von Komponisten aus dem Barock.

Konzeptioniert, szenisch realisiert und geleitet wurde das Spiel von Michael Kämmle. Amandus (Elisa Prösl) und Amoena (Marlene Dorfler) konnten vor der Schloss-Kulisse in Theuern Liebesleid und -schmerz am Ende doch noch in Glück umwandeln - verpackt in einer hervorragenden Aufführung der städtischen Sing- und Musikschule Sulzbach-Rosenberg.

Er "wehklagte sein Leid"

Knorr von Rosenroth verkündete, "dass unser getreuer Schäfer der Verzweiflung anheimgefallen. Er streifte durch die Wälder, wehklagte sein Leid den murmelnden Bächen und tosenden Wasserfällen", bis er schließlich doch irgendwie durch eine göttliche Fügung in Amoenas Nähe gekommen ist. Und in deren Herz.

Michael Kämmle, ein Meister der alten Musik, hatte aus den Motiven des Hirtenromans mit barocken Melodien eine Oper geschrieben - so wurde dem Publikum ein feines Pasticcio serviert.

Als Kapellmeister Löhner dirigierte Kämmler Orchester und Sängerinnen. Kanzleirat Knorr von Rosenroth (Günther Haller) erzählte mit ihm die Handlung. Zum Einstieg in das Opernwerk berichtet Fama (Felicitas Groth) vom Fenster aus im ersten Stock zum geneigten Publikum vom "Ruhm der lauten Taten wie von den leisen heimlichen Träumen": "Fama werde ich genannt und ich erblicke, was irgend geschieht im gesamten Weltkreis, im Himmel, auf Erden und im Meere aber auch in den Seelen tief im Innersten der Menschen." Die Texte waren nicht einfach: Dass ein so junges Mädchen diese ganz souverän beherrscht, ist bemerkenswert.

Entzückt von der Musik

Anerkennung verdienen auch die glockenhellen Stimmen der Amoena-Gefährtinnen Bianca Babl, (Waldnymphe) Kathrin Heckmann (Lisilla) und Stefanie Heckmann (Philippus, Gefährte des Amandus). Der Frauenchor Herznote verlieh den Worten noch mehr Ausdruck.

Entzückt war das Publikum über die Junge Sulzbacher Hof-Musik. Bei der macht's offenbar die Mischung aus erfahrenen Musikern und jungen Nachwuchskünstlern, die Fagott, Orgel, Cembalo und Geigen virtuos spielen - klar strukturiert und im Einklang mit Dirigent Kapellmeister Löhner (Michael Kämmle).
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