Barockjuwel soll wieder funkeln

Aus dem Jahr 1932 dürfte diese Aufnahme der Wondreber Pfarrkapelle stammen. "Erst nach 1933 bekam sie Nachbarschaft, als die Bebauung des Dorfes sich nach links der Wondreb ausdehnte", schrieb Altbürgermeister Johann Zölch in seinen Heimatforschungen. Die Totenbretter an den Außenwänden sind längst verschwunden. Das Dach wurde 1975 mit Biberschwanz-Ziegeln gedeckt. Bild: privat

Die berühmte Totentanzkapelle ist wohl jedem Stiftländer ein Begriff. Mindestens ebenso alt, aber fast unbekannt fristet wenige hundert Meter entfernt die Pfarrkapelle ein Schattendasein. Das soll sich bald ändern.

Es ist ein barockes Kleinod, das direkt am Rand der Ortsdurchfahrt in Richtung Tirschenreuth steht. Doch die Witterung, dazu der Schmutz und das Salz von der Straße haben der Kapelle arg zugesetzt. Auch der Innenraum ist heruntergekommen und sehr spärlich ausgestattet. Aber: Das Bauwerk könnte im Kern sogar aus dem Frühbarock stammen. Und der blühte schon vor 400 Jahren.

Wertvoller als gedacht

"Wir wollen die Kapelle auf jeden Fall sanieren", sagt Bürgermeister Franz Stahl. "Sie so stehen zu lassen, wäre ja fast eine Sünde." Die Stadt Tirschenreuth ist seit der Eingemeindung des Pfarrdorfs Wondreb 1978 Eigentümerin des Baus. Eigentlich sollte die Sanierung schon 2014 beginnen: "Wir hatten schon 20 000 Euro dafür im Haushalt veranschlagt. Aber bei der fundierten Untersuchung des Landesamtes für Denkmalpflege zeigte sich, dass die Kapelle kulturhistorisch wertvoller als gedacht ist", berichtet der Bürgermeister.

Schnell war klar, dass es mit ein bisschen Putz abschlagen und frischer Farbe nicht getan sein wird. "Wir sind dabei, die Förderanträge zu stellen", verweist Stahl auf die noch ausstehende Bewertung der Denkmalschutzbehörde. "Wir rechnen aktuell mit 40 000 Euro Sanierungskosten." Wenn die genaue Aufstellung vorliegt, muss der Stadtrat entscheiden - möglichst bald, damit die Renovierung in diesem Jahr starten kann.

Damit ginge ein Herzenswunsch von Johann Zölch in Erfüllung. Der letzte Bürgermeister von Wondreb war ein leidenschaftlicher Heimatforscher. Zölch, der 2014 mit 92 Jahren starb, hinterließ auch in Sachen Pfarrkapelle umfangreiche Recherchen. Im jüngst erschienenen Band der Schriftenreihe "Heimat Landkreis Tirschenreuth" ist sein Beitrag "Die Pfarrkapelle von Wondreb" auf fünf Seiten abgedruckt. Die umfassende Sanierung des barocken Baus war dem Altbürgermeister ein großes Anliegen, denn er wusste die Bedeutung einzuschätzen. In der offiziellen Denkmalliste ist die Kapelle noch auf das 18./19. Jahrhundert datiert. "Diese Entstehungszeit muss nun revidiert werden", schrieb Zölch. Er hatte unter anderem das "Notizenbuch für die Pfarrei Wondreb" ausgewertet. Diese Aufzeichnungen von Pater Ludwig Klötzl, einem Sohn des Besitzers des Gutes Wondrebhammer, stammen aus dem Jahr 1777. Schon damals wusste keiner so genau, wer die Kapelle aus welchem Grund bei den Pfarrfeldern erbauen hat lassen.

Widerrufene Verlobung

Sie werde jedenfalls auf Kosten der Kirche erhalten, schrieb der Pater vor fast 250 Jahren. In einer von Adalbert Busl übersetzten Version der lateinischen Aufzeichnungen heißt es: "Von Johannes Ott, einem alten Wondreber von 73 Jahren, der 1767 starb, habe ich erfahren, dass eine Frau wegen einer widerrufenen Verlobung mit dem Wirt dieses Ortes 10 Gulden erhielt. Da sie sich scheute, das ihr auf diese Weise zugekommene Geld für profane Zwecke zu verwenden, beschloss sie, es für den Bau der oben genannten Kapelle zu verwenden." Zölchs Schlussfolgerung: Die Kapelle muss 1700 längst gestanden haben, wenn ein 1694 geborener Mann nähere Umstände nur noch vom Hörensagen kennt. Die Säkularisation überstand das Kapellchen offenbar mit Glück unbeschadet. Des Paters Notizbuch beschreibt, dass 1803 eigentlich die Demolierung angeordnet war. "Der Pfarrvikar wendete dagegen ein, dass er eben durch diese Kapelle die bisher üblichen Bittgänge vermeiden und so ein zweites neues Gesetz erfüllen könne."

Schon 1975 renoviert

Aus eigener Anschauung berichtet der Heimatforscher Johann Zölch von einer umfassenden Renovierung der Kapelle im Jahr 1975. Um mehr Raumhöhe zu gewinnen, legte man den Fußboden tiefer und stellte dabei fest, dass der ursprüngliche Boden noch tiefer gelegen sein muss. Auch stieß man auf zugemauerte Seiteneingänge.

Nicht im Besitz der Kirche

"Auch der Altar ist wertvoller als gedacht", nimmt Bürgermeister Franz Stahl Bezug auf die jüngsten Untersuchungen der Denkmalschützer. Ob die anvisierten 40 000 Euro für die Sanierung reichen, wird sich zeigen. Diesmal ist die Pfarrgemeinde Wondreb jedenfalls finanziell außen vor - anders als bei der Totentanzkapelle, die im Besitz der Kirche ist. Die 2011 abgeschlossene Restaurierung dieses berühmten Friedhofskirchleins, das wohl auf ein Beinhaus aus dem 17. Jahrhundert zurückgeht, kostete ungefähr 400 000 Euro. Davon übernahm die Pfarrgemeinde 25 Prozent.
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