"Bauernverband sind wir alle"

Die Krisenstimmung, die sich unter den Bauern angesichts niedriger Erzeugerpreise, insbesondere für Milch, breit macht, geht an der "Bauerngewerkschaft" nicht spurlos vorüber. Das war bei der Gebietsversammlung zu spüren.

"Es gibt keine Fürsprecher für unsere Anliegen, wir müssen selbst die Initiative ergreifen und in unserem Bauernverband geltend machen, welche Anliegen und Ziele er vertreten soll. Denn der Bauernverband, das sind wir alle." Umso wichtiger sei selbstbewusstes Auftreten auch und gerade gegenüber den weithin preisbestimmenden "großen Vier" des Lebensmittelhandels, gab Reinhard Brunner vom Kreisvorstand des Bayerischen Bauernverbands (BBV) bei der Gebietsversammlung für Neustadt am Kulm, Pressath und Trabitz zu verstehen.

Zehn-Punkte-Programm

"Die Landwirte müssen ihre Marktmacht bündeln, so wie es die Holzwirte vorgemacht haben", spornte Brunner seine rund drei Dutzend im Gasthof Lober versammelten Berufskollegen an. Nicht minder wichtig sei, das Gespräch mit den Politikern zu suchen und auch der Bevölkerung die Lage der Landwirtschaft offensiv zu schildern. Hierfür könnte sogar eine kurios anmutende EU-rechtliche Vorgabe dienlich sein: "Landwirte, die in einem Fünfjahreszeitraum mindestens 2000 Euro pro Jahr aus dem Kulap (Kulturlandschaftsprogramm) erhalten, haben ein Schild aufzustellen: 'Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete - mitfinanziert durch den Freistaat Bayern'."

Dies, so Brunner, könnte einen willkommenen Impuls für Diskussionen zwischen Bauer und Verbraucher setzen: "Die Bevölkerung wird auf die Arbeit der Landwirte aufmerksam und erfährt in einem daraus entstehenden Gespräch, dass die EU-Fördergelder verdienterweise für eine wichtige und aufwendige Arbeit ausgezahlt werden."

Der BBV habe in einem Zehn-Punkte-Programm agrarpolitische Forderungen aufgezeigt: mit Aufstockung der Mittel für die landwirtschaftliche Unfallversicherung, die bereits laufe, oder Verwendung der im letzten Milchquotenjahr aufgelaufenen Strafzahlungen bei Quotenüberschreitungen für eine Direkthilfe zugunsten der Milcherzeuger: "EU-weit sind aus dieser 'Superabgabe' 900 Millionen Euro zusammengekommen." Eine Rückkehr zur staatlichen Milchmengensteuerung strebe der BBV nicht an, stattdessen solle der Milchmarkt durch Absatzfördermaßnahmen im In- und Ausland entlastet werden. Brunner verhehlte nicht seine Skepsis, inwieweit sich das umsetzen lasse.

Weitere Ziele

Diese Vorbehalte teilten einige Zuhörer, die auf die weltweite Milchüberproduktion zu teils noch niedrigeren Preisen hinwiesen. "Spontane Marktentnahmeaktionen mit anderweitiger Verwertung im Lebens- oder Futtermittelbereich", kartellrechtliche Schritte gegen die Marktübermacht von Handelskonzernen sowie Liquiditäts- und Bürgschaftshilfen für Bauern führte der Referent unter den weiteren BBV-Zielen auf. Nicht zuletzt sollten die Steuerzahlungen entzerrt werden: "Oft fällt eine für ein günstiges Jahr berechnete hohe Steuerzahlung in ein einnahmearmes Jahr und bringt die Bauern in Bedrängnis."

Ein agrarpolitischer Runder Tisch zur Lösung strittiger Probleme stehe ebenfalls auf der Wunschliste des BBV. Breiten Raum nahmen in Brunners Vortrag die punktuell erleichterten Vorschriften für die Düngung, die Verbote bestimmter Düngerausbringungstechnik und die nochmals revidierten Sperrfristen für die Gülledüngung im Winterhalbjahr ein. Brunner bezweifelte, dass die neuen Fristen das letzte Wort blieben, da sich die Vegetationsperioden klimawandelbedingt nach hinten verschöben. (Hintergrund)
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