Bauholz für die ganze Welt

Mit derzeit 71 Prozent Laubwald produzieren wir am Markt vorbei.

Vor Jahrzehnten lebte die Familie von einer kleinen Landwirtschaft: "Im Winter sägten wir ein wenig Holz." Heute ist die "Ziegler Holzindustrie" ein Global Player. Seniorchef Wilhelm Ziegler versetzte den Landesvorstand der CSU-Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft (AGL) in Staunen.

Vor seiner internen Sitzung hat der Landesvorstand die Firma in Betzenmühle besichtigt. Als prominenten Gast begrüßte die Vorsitzende, Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler, den Präsidenten der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW), Philipp Freiherrn zu Guttenberg. Die Führung durch eines der größten Sägewerke Europas leitete Seniorchef Wilhelm Ziegler. Die Unternehmensgruppe besteht aus Sägewerk, Forst-Service, Logistikzentrum in Wiesau und einer Einkaufsgesellschaft in Tschechien.

60 Prozent des verarbeiteten Holzes ist Fichte, der Rest Kiefer. Deshalb plädierte der Seniorchef auch für diese schnellwachsenden Sorten. Überall werde derzeit Laubholz favorisiert, was eines Tages Probleme bereiten könnte. "Wir sollten unseren Kindern auch schnellwachsende Baumarten zum Bauen hinterlassen. Mit Laubholz geht das nicht so effektiv." Das sieht Philipp Freiherr zu Guttenberg ähnlich: "Mit derzeit 71 Prozent Laubwald produzieren wir am Markt vorbei." Den Kauf des 13 Hektar großen Bahngeländes 2010 in Wiesau bezeichnete Ziegler als wichtigen Meilenstein. 150 000 Festmeter Rundholz kommen hier täglich an oder gehen auf die Reise, ein Drittel davon in Richtung der großen Seehäfen. Drei Mal pro Woche ist ein Ganzzug nach Hamburg fest gebucht. Der fasst auf einer Länge von 750 Metern 40 Schiffs-Container.

Dabei fing bei Ziegler alles ganz klein an. Das Anwesen existiert seit 1948. Damals als Landwirtschaft mit ein paar Hektar Ackerland und Hofgelände mit einer kleinen Säge. Das heutige Betriebsgelände umfasst 40 Hektar. Fünf Einschnittlinien arbeiten derzeit Tag und Nacht.

Dazu gehören ein Gatter, eine Bandsäge, drei Profillinien, vier Hobelwerke (Nummer fünf ist im Bau), eine Trockenanlage und ein Trockensortierwerk. Die Wärme zum Trocknen liefert das eigene Biomasse-Heizkraftwerk. Marlene Mortler bezeichnete die "Ziegler Holzindustrie" als das Beispiel für eine positive Entwicklung im ländlichen Raum. Zum Erfolgskonzept sagte Wilhelm Ziegler: "Massenproduktion - vergiss es. Nischenprodukte bringen es." Um die zu finden, ist Juniorchef Stefan Ziegler ziemlich viel auf Achse, rund um den Globus. Mit Erfolg.

Nur 15 Prozent des verarbeiteten Holzes liefere die Bayerische Forstverwaltung, bemängelte der Seniorchef angesichts der Tatsache, dass in der Region die Hälfte der Wälder dem Staat gehöre. Ein Vertrag, der ein Gebiet außerhalb des Freistaats mit großen Windbruchschäden begünstige, verhindert, dass der Staat mehr liefern könne. Der Vertrag laufe noch etwa zwei Jahre. "Jetzt müssen die Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass es danach anders aussieht", gab Ziegler den AGL-Mitgliedern mit auf den Weg.

Bei der Besprechung der etwa 20 Mitglieder aus dem Landesvorstand wurden Themen wie Düngeverordnung in der Landwirtschaft, wassergefährdende Stoffe wie Jauche, Gülle, Silage-Sickersäfte, Festmist, die Tierwohlinitiative und Nachtsichtgeräte für die Wildschweinjagd diskutiert.

Freiherr zu Guttenberg kritisierte als Gastreferent, dass die Politik seiner Meinung nach bei der Forstwirtschaft keine eindeutigen Zielrichtungen vorgebe und widersprüchliche Strategien ins Feld führe. Seit Jahren werde der Wald ausschließlich auf Artenschutz reduziert, was der Präsident des AGDW nicht für gut befindet. Von den Naturschutzvertretern vermisste er sachliche Diskussionsbereitschaft. Ihnen ginge es ausschließlich um Eigeninteressen.
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