Beamte in die Stützelvilla

Noch dient die Stützelvilla in Windischeschenbach als Jugendtagungshaus. Der Landkreis hat das Gebäude mit weitläufigem Park dem Finanzministerium als Standort für 60 Mitarbeiter des Landesamtes für Digitalisierung offeriert. Bild: Steinbacher

Große Überraschung: Der Landkreis ist bereit, auf das Jugendtagungshaus Stützelvilla zu verzichten. Für das markante Gebäude haben Landrat Andreas Meier und die Kreistagsfraktionen andere Pläne.

Windischeschenbach. (ms) Fabrikantenvilla, Ausbildungsstätte, Lazarett, Unterkunft für den Volkssturm im Dritten Reich, Stützpunkt für amerikanisches Militärpersonal, Flüchtlingslager, Herberge für Obdachlose. Für was war die 1896 erbaute Stützelvilla nicht schon alles gut. Vor drei Jahrzehnten hat sie der Landkreis vor der Spitzhacke bewahrt. Seitdem ist sie Jugendtagungshaus.

Jetzt könnte ein weiteres interessantes Kapitel folgen: Das einst herrschaftliche Gebäude mit großem Park soll Dienstsitz für 60 Beschäftigte des Landesamtes für Digitalisierung werden, die im Zuge der bayerischen Behördenverlagerung ihren neuen Arbeitsplatz in der Oberpfalz finden werden.

Landrat Meier hat in Absprache mit den Kreistagsfraktionen dem Finanz- und Heimatministerium bereits den Umzug in die Villa vorgeschlagen. Er sieht darin eine "ideale Lösung für eine Reihe von Problemen". Schließlich nage der Zahn der Zeit deutlich spürbar an dem Haus in Bahnhofsnähe und mache eine Generalsanierung für eine weitere Nutzung als Jugendtagungshaus unausweichlich.

Rund 1,5 Millionen Euro müsste der Landkreis investieren, um das Gebäude auf den Stand einer modernen, zeitgemäßen Bildungsstätte zu bringen. "Bei einem Verkauf an den Freistaat könnten wir hingegen eine stattliche Summe einnehmen anstatt zu investieren. Geld, das dann wieder für andere Projekte, speziell auch für die Jugendarbeit, zur Verfügung stünde", meint Meier. Er bezweifelt auch, ob eine Generalsanierung die konstant rückläufige Belegung des Jugendtagungshauses stoppen könnte. Seit Jahren schreibt die Einrichtung rote Zahlen. Fast 110 000 Euro hat der Kreisjugendring als der Betriebsträger für das Jugendhaus dem Landkreis allein 2014 in Rechnung gestellt. Im Vorjahr lag diese Summe noch bei knapp 70 000 Euro. Allein seit 2010 errechnet sich eine Gesamtsumme von fast 380 000 Euro. "Und seit 2005 waren es sogar über 635 000 Euro", weiß der Landrat.

Hohe Ansprüche

Einige große Gruppen und Firmen, die die Jahre zuvor regelmäßig in Windischeschenbach zu Gast waren, hatten 2014 ihr Kommen zum Teil sehr kurzfristig abgesagt, was die Situation zusätzlich verschärfte. Dies liege keinesfalls am Betriebsträger oder dem Personal, nimmt Meier seine Leute in Schutz. Vielmehr seien für die Misere schlichtweg die sich ändernden Rahmenbedingungen wie sinkende Schülerzahlen und gestiegene Ansprüche an moderne Tagungsräume verantwortlich. "Wir investieren gerne in die junge Generation, das ist keine Kostenfrage." Aber für Meier ist es mehr als fraglich, ob der Landkreis Räume beispielsweise für Firmen-Seminare oder Gruppen aus ganz Bayern bereithalten und mit immensen Summen subventionieren müsse und dürfe.

Einen Mangel an Übernachtungsmöglichkeiten in und um Windischeschenbach werde es, falls der Freistaat tatsächlich in die Stützelvilla einzieht, nicht geben, betont der Landkreischef. Er verweist auf das für 17 Millionen Euro von der Diözese sanierte Exerzitienhaus Johannisthal und die nur wenige Kilometer entfernte Jugendherberge Tannenlohe. Für größere Tagungen eigne sich zudem das Geo-Zentrum an der KTB.

Auch ein Erhalt des historischen Baumbestands im Park der Villa, die Nutzung des Parks für Veranstaltungen wie die städtischen Serenaden und wenn möglich eine Übernahme des Hauspersonals sind für den Landrat zentrale Punkte bei möglichen Verkaufsverhandlungen.

Wenn es nach Meier geht, kann der Kreisjugendring mit einem ansehnlichen Anteil an den frei werdenden Mitteln rechnen, die bislang für die Stützelvilla eingeplant werden müssen. "Die Jugendarbeit, die im Landkreis Neustadt bislang auf einem sehr hohen Niveau angesiedelt ist, wird nicht reduziert oder qualitativ eingeschränkt", verspricht der Landkreischef. "Sie verändert nur ihr Gesicht."

Baldige Entscheidung

Eine Entscheidung, ob der Freistaat auf das Angebot des Landkreises eingeht, erwartet das Lobkowitzerschloss in den nächsten Monaten. Zunächst müssten die Experten der Immobilienverwaltung das Gebäude unter die Lupe nehmen und die Wirtschaftlichkeit eines Ankaufs samt anschließender Sanierung gegenüber einem Neubau auf der grünen Wiese nachweisen.
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