Beatles drehen vor über 50 Jahren Film in Obertauern - Seitdem viel verändert
"Help" in der Schneeschüssel

Rundum umgeben von Bergen liegt der Ort Obertauern. Durch die Höhenlage ist Schneesicherheit garantiert bis weit ins Frühjahr.
 
Rundum umgeben von Bergen liegt der Ort Obertauern. Durch die Höhenlage ist Schneesicherheit garantiert bis weit ins Frühjahr.

Obwohl die Geschichte schon über 50 Jahre zurückliegt, ist immer noch interessant, was damals auf 1740 Metern Seehöhe im Salzburger Land passiert ist. Die Beatles hatten sich in Obertauern einquartiert, um den Film "Help!" zu drehen. Viel hat sich seitdem verändert.

Herbert Lürzer hat immer wieder über die Dreharbeiten erzählt. Zu allen möglichen Jubiläen, Gedenktagen - oder einfach nur so. "Es war eine ziemliche Gaudi. Aber die Handlung des Films habe ich bis heute nicht verstanden", sagt der 72-Jährige im Hotel "Marietta" in Obertauern. Dort haben die Beatles im März 1965 zum Abschluss ihres Aufenthaltes ihr einziges Konzert in Österreich gegeben - und Lürzer war unter den Party-Gästen.

Doubles für die Musiker

Er und drei Skilehrerkollegen hatten zuvor tagelang die Musiker bei den Dreharbeiten zum Film "Help"! - deutscher Titel "Hi-Hi-Hilfe" - gedoubelt. "Die Wahl fiel auf uns, weil wir Englisch konnten", blickt Lürzer, der ins Kostüm von Paul McCartney schlüpfen musste, zurück. Gerhard Krings bretterte als George Harrison die Hänge hinunter, Hans Pretscherer als Ringo Starr und Franz Bogensberger als John Lennon. "1000 Schilling Gage pro Tag war eine Menge Geld", erinnert sich der 72-Jährige. "Wir mussten dafür nur Skifahren und ihnen ein bisschen was beibringen." Paul McCartney war scheinbar zufrieden: "I learned to ski in Obertauern", sagte er 1990 in einem Interview. War bei der Ankunft der Liverpooler Pilzköpfe am Salzburger Flughafen das Medieninteresse groß, hielt sich der Presserummel in Obertauern in Grenzen. "Wir wussten gar nichts über die Vier. Außer, dass sie Musik machen. Für uns waren sie vollkommen unbekannt, für den Rest der Welt nicht", erzählt Lürzer. In den österreichischen Zeitungen war hauptsächlich über die Romanze von Paul McCartney mit der Miss Austria des Jahres 1964, Gloria Mack, zu lesen. Sie war die Tochter des Hoteliers, dem das "Marietta" gehörte.


Nach den zweiwöchigen Dreharbeiten kehrte Ruhe ein. Obertauern verfiel wieder in den Winterschlaf - mit sehr viel Schnee. Denn von der Wetterscheide profitiert das Skigebiet fast immer. Bei einem Adriatief schaufeln die Tiefs aus dem Süden jede Menge Schnee auf die Passhöhe. Umgekehrt, aus dem Norden, funktioniert das genauso.

"Die Schneesicherheit war auch ein Grund, warum sich die Filmcrew für Obertauern entschied und nicht für die Schweiz", sagt Tourismuschef Mario Siedler. "Und zudem ist der Flughafen Salzburg nur 90 Kilometer entfernt." Siedler ist stolz auf das Monument, das erst seit wenigen Monaten steht. Die vier Pilzköpfe, davor in riesigen Buchstaben das Wort "Beatles", blicken auf den Hang am Kirchbühellift hinunter. Dort drehte das Team die meisten Szenen. "Nein", meint Siedler, "wegen den Beatles kommt wohl kaum einer extra zu uns. Aber damit können wir den Namen Obertauern noch bekannter machen."

Signierte Menükarte

Obertauern hat sich in den vergangenen 50 Jahren zu einem beliebten und erfolgreichen Wintersportort entwickelt, mit mittlerweile einer Million Übernachtungen pro Jahr. Herbert Lürzer und Gerhard Krings haben schon früh erkannt, welches Potenzial da oben liegt. Sie haben gemeinsam mit einigen anderen Unternehmern den Tourismus auf Hochtouren gebracht. Sie gründeten einen Betrieb nach dem anderen, bauten Hotels, Hütten und Skilifte rund um die Schneeschüssel. Lürzer kaufte später noch das Hotel "Edelweiß", in dem die Beatles übernachtet hatten. Dort hängt an der Wand das Beatles-Menü vom 14. März 1965. Herbert Lürzer hat die signierte Speisekarte im Internet ersteigert. "Wir haben es damals verpasst, die Karte auf die Seite zu legen, oder uns Autogramme geben zu lassen", bedauert er. Auch sei nie mehr ein Kontakt zu einem der Beatles zustande gekommen.

Obertauern hat sich in dem halben Jahrhundert seit dem Filmdreh ständig verändert. 100 Kilometer Pisten und 26 Lifte bilden inzwischen eine Art Zickzack-Muster bis hinauf auf 2313 Meter. Die Abfahrten sind meist leicht bis mittelschwer. Wem das zu langweilig ist, traut sich auf die Gamsleiten 2, einem der steilsten und anspruchsvollsten Hänge im Alpenraum. Eine Stunde dauerte es, den Ort einmal zu umcarven. Die Schlussabfahrten enden fast überall direkt am Skikeller. "In Obertauern trägt man die Ski immer an den Füßen, nie auf den Schultern", so das Credo der Hotelbesitzer.

Und danach geht es zum Après-Ski. Obertauern ist dafür bestens bekannt. Auf der Lürzer-Alm kann es vorkommen, dass Pensionist Herbert Lürzer vorbeischaut. Und dann erzählt er gerne die Beatles-Geschichte. Auch zum x-ten Mal. Interessant ist sie ja immer noch - auch nach über 50 Jahren.
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