Begrenzung einzige Chance

Bürgermeister Werner Nickl und der Leiter des Ordnungsamtes, Martin Graser (von rechts), schlagen Alarm. Ohne eine Begrenzung der Aufnahme von Flüchtlingen sehen sie nicht nur Kemnath vor unlösbaren Problemen. Bild: Hartl

Vor etwa einem Jahr kamen in Kemnath die ersten Flüchtlinge an. Aus diesen sechs sind inzwischen 37 geworden. Ein Ende ist nicht abzusehen, die Stadtverwaltung aber schon an ihrer Grenzen angelangt.

Kemnath. (luk) Es geht nichts vorwärts für die Menschen, die in der Stadt, in Zwergau und Hahneneggaten untergebracht sind. Bei etwa zehn Syrern, die damals nach Kemnath gekommen waren, sei das Asylverfahren nicht abgeschlossen, berichten Bürgermeister Werner Nickl und Martin Graser vom Ordnungsamt. Dabei sollten sie eigentlich - wie Nordiraker - unter das vereinfachte Verfahren fallen. Lediglich zweien habe das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mittlerweile den Flüchtlingsstatus zuerkannt.

Fünf Monate ein "Humbug"

Also weit entfernt von den drei Monaten, die sich die Bundesregierung als Ziel für die Bearbeitung der Asylverfahren gesetzt hat. Selbst eine Frist von "fünf Monten, die ich immer im Radio höre, ist Humbug", betont der Rathauschef. Es dauere immer noch 13 bis 15 Monate. Die Stadt habe versucht, "eine Beschleunigung herbeizuführen". Über Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht habe er probiert, "an die Migrationbehörde heranzukommen. Das war aber vergebliche Liebesmüh'", berichtet Nickl. In der Antwort sei lediglich auf die Arbeitsüberlastung hingewiesen worden.

Ein Argument, das er und Graser allerdings auch nachvollziehen können. Jahrelang habe es in Kemnath keinen Asylbewerber gegeben, auch bundesweit seien die Zahlen rückläufig gewesen. Entsprechend wurden bei Behörden Stellen abgebaut, erklärt der Leiter des Ordnungsamts. "Doch seit vergangenem Jahr sind die Zahlen explodiert". Bis 31. Juli habe das Bundesamt alleine rund 45 000 syrische Staatsbürger registriert. Inzwischen habe sich diese Zahl wohl verdoppelt, mutmaßt Graser. "Es ist mir ein Rätsel, wie das noch entschieden werden soll."

Er und sein Chef haben momentan nur eine Lösung parat: "Eine Begrenzung muss her." Sie schließen sich der Forderung des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer an Bundeskanzlerin Angela Merkel an.

Der Bürgermeister sieht die Stadt in der Rolle eines "Erfüllungsgehilfen vor Ort". Für das Landratsamt Tirschenreuth als zuständiges Ausländeramt übernehme sie die Zahlungen nach dem Asylberwerberleistungsgesetz. Darunter fielen unter anderem Grundleistungen für Ernährung und Unterkunft, Taschengeld für persönliche Bedürfnisse sowie bei Krankheit.

Helferkreis gegründet

Froh sind Nickl und Graser über die Unterstützung aus der Bevölkerung. Ohne Ehrenamtliche würde es nicht gehen, sind sie überzeugt. Das Engagement begann bereits vor einem Jahr. Damals hatte Christine Schubert einen Deutschkurs angeboten. "Sie ist eine ganz gute Seele", die sich um die Leute kümmere, lobt der Rathauschef die Leiterin der Kemnather Außenstelle der Volkshochschule Tirschenreuth.

Aktive Helfer

Inzwischen hat sich im Familienzentrum Mittendrin ein Helferkreis gebildet, der sich um die Flüchtlinge aus Syrien, Eritrea, aus dem Irak sowie aus Albanien kümmert. Neben Deutschkursen werden in den wöchentlichen Treffen, jeweils montags um 15 Uhr, unter anderem Fahrten zu Ärzten sowie für Besorgungen und auch Freizeitaktivitäten organisiert.

Den Abbau der Sprachbarriere sieht nicht nur Nickl als Schlüssel zur Integration. Hinreichende Deutsch-Kenntnisse seien Voraussetzung, um einmal arbeiten zu können. Bis es aber so weit ist, beschäftigt die Stadt zumindest drei Eriträer auf 1,50-Euro-Basis im Bauhof. (Weiterer Bericht auf Seite 26.)
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