Behinderteneinrichtungen in Tschechien leiden unter Geldmangel - Neidischer Blick ins HPZ ...
Oft im September schon Schluss

Interessiert verfolgen die tschechische Ministerin für Arbeit, Ernährung und Gesundheit Michaela Marksova, der Abgeordnete Zdenek Soukup, Rektorin Petra Rothmund und Vera Braborcova (stehend, von links) den pädagogischen Unterricht in der SVE. Bild: fz
Irchenrieth. (fz) Die Betreuung von Menschen mit Behinderung, vor allem geistiger, hinkt in Tschechien weit hinterher. Davon überzeugte sich die tschechische Ministerin für Arbeit, Erziehung und Gesundheit Michaela Marksova beim Besuch im HPZ.

Die Ministerin aus Prag besuchte mit dem Parlamentsabgeordneten Dr. Zdenek Soukup und einigen Mitarbeitern das Heilpädagogische Zentrum. Vorher hatten sie sich in zwei Behinderteneinrichtungen in Chodau (Chodov) und Falkenau (Sokolov) umgesehen.

Verkauf im Laden

In Chodov sind 35 Schwerstbehinderte in einer Tagesstätte. Für Kinder gibt es zwar einen Unterricht, der aber nur unregelmäßig stattfindet, weil die Eltern ihre Kinder nicht täglich bringen. Dazu existiert auch ein Erwachsenenbereich, ähnlich der HPZ-Förderstätte. In der Werkstätte arbeiten 35 Behinderte.

Auch in Sokolov gibt es eine Werkstätte mit 40 Menschen. Sie produzieren nicht wie das HPZ für Firmen, sondern verkaufen ihre handwerklichen Produkte in einem Laden. Leiterin beider Einrichtungen ist Vera Braborcova, die selbst einen behinderten Sohn mit 30 Jahren hat. Sie war bereits vor 15 Jahren zu Gast im HPZ, um sich Anregungen zu holen. Inzwischen besuchen sich die Irchenriether und Sokolover regelmäßig.

Rektorin Petra Rothmund führte die Delegation durch das Förderzentrum mit der Schulvorbereitenden Einrichtung (SVE) mit 19 Kindern in drei Gruppen und durch die Schule mit 150 Kindern und Jugendlichen in 17 Klassen. Dabei wurde auch über die personelle und räumliche Ausstattung des Förderbereichs und über die pädagogische Arbeit gesprochen.

"In Tschechien bekommen die Eltern von der Regierung für ihr behindertes Kind Pflegegeld", berichtete Braborcova. Davon müssen sie dann die Unterbringung in einem Pflegeheim bezahlen. Seien die Eltern auf das Geld angewiesen, brächten sie ihr behindertes Kind nur teilweise oder gar nicht in die Einrichtungen.

Staunende Ministerin

Die beiden Werkstätten werden durch die Europäische Union gefördert. "Unser größtes Problem ist die Finanzierung", erzählte Braborcova weiter. "Wir müssen immer den Kreis und die Gemeinden anpumpen, damit es reicht." Es komme auch vor, dass das Budget im September ausgeschöpft sei. "Dann ist Schluss für das Jahr." Die Tschechin wünscht sich, dass wenigstens einmal für einen Zeitraum von drei Jahren die Finanzierung gesichert sei. Beim Gespräch mit der stellvertretenden Geschäftsführerin des HPZ Brigitte Krause staunte die Ministerin mehrmals. Vor allem, als ihr Krause erklärte, dass im HPZ 700 Beschäftigte fast 1000 Behinderte betreuen. Ebenso über die Finanzierung, die über Pflegesätze erfolgt, die mit der Regierung vereinbart werden. Dazu beteiligen sich die Pflege- und Krankenkassen. Weitere Mittel kommen vom Bezirk und vom Freistaat.
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