Bei Regierung nicht willkommen

Die geplanten Einrichtungen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Bibershof bei Pleystein und Waldthurn stehen auf der Kippe. Sabine Lagies vom Trägerverein "Willkommen e.V." wartet nach vier Monaten immer noch auf die Betriebserlaubnis. Die Regierung der Oberpfalz gibt derzeit aber kein grünes Licht.

Lagies steht das Wasser bis zum Hals. Angesichts des langen Verfahrens könne sie sich die Löhne für 17 Voll- und Teilzeitkräfte nicht mehr leisten. Sechs Beschäftigten habe sie bereits betriebsbedingte Kündigungen aussprechen müssen.

Der Trägerverein hatte ursprünglich zwei Wohngruppen für 17 unbegleitete Flüchtlingskinder und -jugendliche geplant. Nachdem die therapeutische Einrichtung in Bibershof im April wegen Personalmangels geschlossen worden war, machte sich der Verein erneut daran, ein tragfähiges Konzept auf die Beine zu stellen.

Lagies rekrutierte erneut Fachpersonal, darunter einen Psychologen, einen Master für Soziale Arbeit, sechs pädagogische Fachkräfte, fünf Ergotherapeuten und zwei Lehrer. "Die Zusammensetzung ergab sich aus der ursprünglich beabsichtigen therapeutischen Ausrichtung." Allerdings, so vermutet die geschäftsführende Vorsitzende des Vereins, sei die reformpädagogische Orientierung nach Montessori bei den Vertretern der Regierung nicht sehr beliebt.

Der Verein entschied im Laufe des Verfahrens, sich vom therapeutischen Ansatz der Wohngruppen zu verabschieden und stattdessen den Antrag auf heilpädagogische Einrichtung zu stellen. Nun erhielt "Willkommen e.V." von der Regierung einen Anhörungsbogen, dem zu entnehmen sei, dass die Betriebserlaubnis wohl nicht erteilt werde. Gründe hierfür seien zum einen die fehlende mehrjährige Berufserfahrung des Personals in der Jugendhilfe. Zum anderen sei in dem Schreiben kritisiert worden, dass sich auch Ergotherapeuten und Lehrer im Team befänden.

Bemängelt würden außerdem die Sprachkenntnisse der Leiterin der Einrichtung, Sarka Krutska. Die Tschechin werde demnächst beim Goetheinstitut in Prag die B-2-Prüfung ablegen, womit sie laut der Vorsitzenden akademisches Sprachniveau vorweisen könne.

Schwierige Finanzierung

In einer Mail habe der zuständige Beamte darauf hingewiesen, dass es üblich sei, dass Träger neuer Einrichtungen wegen Verzögerungen bei der Kostenerstattung in der Jugendhilfe einen Bankbeleg über Eigenmittel oder einen Avalkredit vorlegen müssen, um sicherzustellen, dass die Betriebskosten mindestens drei Monate lang vorgestreckt werden können. Im Fall von "Willkommen e.V" wären das über 371 000 Euro. Und das geht Lagies entschieden zu weit: "Diese Finanzierungskosten müssen wir tragen, wir bekommen sie nicht über das Entgelt refinanziert. Damit werden wir zur Gewährung eines zinslosen Darlehens zur Finanzierung öffentlicher Lasten auf unsere Kosten gezwungen, sofern wir eine Betriebsgenehmigung haben wollen." Bei dem geplanten Standort in Waldthurn habe die Regierung die unzureichende Infrastruktur kritisiert.

Lagies ist sich sicher, dass ihr Konzept aufgehen würde: "Unsere Wartelisten waren voll." In anderen Regierungsbezirken würden derartige Einrichtungen sehr wohl funktionieren. Allerdings, das gibt die Vorsitzende unumwunden zu, hätten sich die Fronten mittlerweile verhärtet. Bis Mitte November hat "Willkommen e.V." nun Zeit, zu den kritischen Punkten Stellung nehmen.
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