Berühmter Feldherr hält Hof

Der Herzog begibt sich gnädig zum "Bad in der Menge". Bild: gjb

Hohen Besuch aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges erwartet die Stadt am Wochenende. Die Wallenstein-Festspiele gehen am 28. und 29. August über die Bühne und locken viel Publikum - wenn sie auch die Geschichte etwas glorifizieren.

Albrecht von Wallenstein weilte insgesamt fünf Mal in Eger, wo er am 24. Februar 1634 im Pachelbelhaus, heute ein Museum, ermordet wurde. Zu seinem Gedenken veranstaltete man im Jahre 1908 die ersten Wallenstein-Festspiele. Diese Tradition nahmen 2005 die tschechischen Bewohner der Stadt wieder auf. Alle zwei Jahre erscheint der berühmteste Feldherr des Dreißigjährigen Krieges - dargestellt von dem Schauspieler Miroslav Knebort - in Eger.

Sein Erscheinen wird wie ein hoher Staatsbesuch gefeiert, mit einem festlichen Empfang auf dem Marktplatz und einem stilvollen Programm zur Unterhaltung des hohen Gastes. Der Eintrag in das Goldene Buch der Stadt darf nicht fehlen. Der Stadtchronist muss den General über die wichtigsten Geschehnisse seit seinem letzten Besuch informieren. Selbstverständlich besucht Wallenstein mit seinem Gefolge auch einen Gottesdienst in der Nikolauskirche.

Pfarrer Petr Hruska erwartet Wallenstein wie einen Staatsgast vor dem Portal, begrüßt ihn in allen Ehren und geleitet ihn dann feierlich in das festlich geschmückte Gotteshaus. Der Pfarrer wird damit ebenso Teil der Festspiele wie auch der historisch gekleidete Bürgermeister von Cheb und seine Stadträte. Ein Teil der Bevölkerung hat nach alten Vorlagen festliche Gewänder geschneidert und vervollständigt damit das festliche Geschehen.

Mit den Wallenstein-Festspielen wird die Geschichte der Stadt allerdings glorifiziert. Tatsächlich waren die Aufenthalte des berühmtesten Feldherrn des Dreißigjährigen Krieges für die Egerer Bürger nur schwer zu ertragen. Die "Einlogierung des Kriegsvolks" geschah auf Kosten der Bürger, dazu gab es stets Ärger mit dem Verhalten der Soldaten gegenüber der Zivilbevölkerung.

Bei seinem Aufenthalt im August 1625 sollte die Stadt 45 000 Gulden an die Kriegskasse liefern. Die Honoratioren klagten, sie hätten doch schon 40 000 Gulden an "Kontributionen" für die Armee bezahlt. Die Frauen hätten dafür ihren Schmuck verkaufen müssen. Nach langen Verhandlungen einigte man sich auf 7000 Gulden.

Die Egerer waren froh, als Wallenstein am 3. September 1625 an der Spitze von 24 000 Soldaten endlich die Stadt verließ.
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