Besser denn je: Hubert von Goisern überzeugt auf Burg Abenberg
Weit, weit weg vom Musikantenstadl

Erst brennen der Weizen, die Rüben und der Kukuruz, dann der "Huat": Mt seinen nun doch schon 62 Lebensjahren ist Hubert von Goisern musikalisch genial und besser denn je. Bild: hou
Als er noch jünger war, hat Hubert von Goisern die amerikanische Countrymusik für sich als den "Musikantenstadl aus Nashville" eingestuft. Jetzt macht er sie selber. Der Mann aus Austria hat die Staaten besucht, er ist mit Eindrücken und Inspirationen zurückgekehrt. Und er hat, man mag es nicht glauben bei diesem Konzertabend vor 3000 Leuten auf der mittelfränkischen Burg Abenberg, einen famosen Pedal-Steel-Gitarristen mitgebracht. Sein Name: Robert Bernstein.

Gassenhauer verfeinert

Fast die gesamte erste Hälfte dieses Auftritts gehört Liedern, die der Mann aus Bad Goisern mit schier unglaublicher musikalischer Intelligenz in Fassungen gebracht hat, wie sie vor ihm noch keiner machte. Alte US-Gassenhauer, verfeinert mit Zutaten eines österreichischen Musikers, der jeden einzelnen Akkord zum Ereignis macht. Das ebenso gebannt wie staunend zuhörende Publikum vernimmt "Amazing Grace", es bekommt ein von ihm ins Deutsche transferiertes "Jambalaya" und ist fast schon atemlos mit dabei, als Hubert von Goisern auf einer Cajun-Ziehharmonika spielt, die auch in den Swamps von Louisiana erklingt.

Welch ein Genuss! Blues mit der Mundharmonika, gleich danach "Corinna, Corinna", das zurück führt zu seinem Liedermacherkollegen Wolfgang Ambros. Abermals unterlegt mit Pedal Steel und damit völlig neu in der Fassung. Zwischendrin redet Hubert von Goisern, wird zum Moderator seiner Reisen in ferne (Klang)Welten. Eines hat er dabei ausgemacht: "Die Deppen auf diesem Globus sind gleichmäßig verteilt."

Mit seinen nun über 62 Lebensjahren ist Hubert von Goisern nicht nur eine immer stechende Trumpfkarte geblieben. Je älter er wird, desto packender und mitreißender sind seine Konzerte. Nach der kurzen Pause, die gerade mal für einen Schluck aus der Seltersflasche reicht, macht er das, was ihn in die Hitparaden brachte. Man hat den Eindruck: Er und seine Band tun es gezwungenermaßen. Denn die vielen Menschen draußen im Burghof wollen hören, was ihnen in der Erinnerung haftet.

Natürlich bricht das Feuer aus und lodert musikalisch wie eine Hymne. "Brenna tuat's" und alle singen mit. "Weit, weit weg" haucht der Klangmacher aus Bad Goisern ins Mikrofon und man lauscht gemeinsam "wie die Zeit vergeht". Die zum Kult gewordenen Jodler und Juchzer sind gezielt gesetzt. Nicht solche, wie sie Alpenpop-Musikanten im Stakkato von sich geben. Hubert war nie einer, der dem plärrenden Musikantenstadl Audienz gegeben hätte. Gott sein Dank!

Unvergleichlich schön

Zum Schluss packt er das Alphorn aus. Keine Verbeugung vor Tells Eidgenossen. Hubert von Goisern entlockt dem globigen Instrument einen Klangfluss, der sich wie ein sprudelnder Gebirgsbach ausnimmt. Die sich daraus entwickelnden Hörgenüsse sind unvergleichlich schön. Dann geht er und sagt: "Wir sehen uns. Irgendwann, irgendwo." Das Dabeisein ist Pflicht.
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