Beutenkäfer neuer Feind

Dr. Wolfgang Ritter ist ein weltweit anerkannter Experte auf dem Gebiet der Bienengesundheit. Er sprach beim Oberpfälzer Imkertag in Aschach zum Thema "Käfer, Milben Viren und Co". Bild: hfz

Bienen gesund zu erhalten ist nicht mehr so einfach, stellte Bezirksvorsitzender Richard Schecklmann beim Oberpfälzer Imkertag im Bienenhof fest. So erlebten die Imker vergangenes Jahr eine ganz schwierige Situation mit nicht unerheblichen Verlusten.

Landrat Richard Reisinger zeigte sich im Grußwort als Kenner der Probleme, die die Imker mit allzu viel Maisflächen, dem Pflanzenschutzmittel-Einsatz, der Agrogentechnik und der Varroamilbe haben.

Dr. Wolfgang Ritter erläuterte die Gefahr durch den in Süditalien eingeschleppten Beutenkäfer. Ob dieser sich in Europa schon weiter verbreitet habe, sei noch nicht bekannt. Da sich aber im italienischen Befallsgebiet viele Wanderimker aufhielten, sei das nicht auszuschließen.

Ritter nahm den Imkern aber auch die Angst, dass beim Auftreten dieses Käfers die Bienenhaltung nicht mehr möglich wäre. Es gebe erprobte Kontrollmethoden, um das Vorkommen des Käfers feststellen zu können. Den Schaden verursache dabei nicht der Käfer, sondern seine Larve, indem diese bei zu starker Vermehrung Brut, Futter und Waben zerstöre. Aber gesunde kräftige Völker könnten den Käfer und eine ungezügelte Larvenentwicklung in Schach halten. Bienen nehmen den Käfer sogar in Quarantäne und bewachen ihn.

Kritisch werde es für zu schwache Völker oder wenn der Beutenraum zu groß sei und von den Bienen nicht mehr ausreichend überwacht werde. Und die Larven könnten sich auch außerhalb des Bienenvolkes in Vorratswaben vermehren. Da sei künftig die Sorgfalt des Imkers in besonderem Maße gefordert. Von Vorteil sei aber in unserem Gebiet das kühlere Klima, weil der Käfer hier wahrscheinlich nur zwei Entwicklungszyklen im Jahr schaffe - in Südeuropa sind es vier. Außerdem erfrieren die bis 20 Zentimeter tief im Boden überwinternden Larven, wenn die Erde bei starkem Frost durchfriere.

Viren in der Blutbahn

Auch die immer schwerer in den Griff zu bekommenden Schäden durch die Varroamilbe behandelte Ritter. Er stellte klar: Das Zusammenbrechen der Völker verursachen letztendlich Viren, und es geschehe fast immer im Herbst. Viren kämen im Bienenvolk immer vor und stellten für gesunde Tiere kein Problem dar. Aber durch die Varroamilbe würden sie in die Blutbahn der Bienenlarve eingeschleust und könnten diese dann schwächen oder gar abtöten.

Hilft Schwärmen?

Viele Milben verursachten den Zusammenbruch des Volkes. In mehreren Gebieten sei beobachtet worden, dass natürlich lebende, nicht von Imkern betreute Bienenvölker über viele Jahre trotz Milbe überlebten. Alle diese Bienen zeigten einen ausgeprägten Schwarmtrieb. Möglicherweise sei das Schwärmen ein Schlüssel für größere Vitalität, auch wenn es dafür noch keine wissenschaftlich abgesicherten Erkenntnisse gebe, folgerte Ritter.

Der Fachmann regte aber an, darüber nachzudenken, ob die Imker ihre Betriebsweisen, die meist auf Schwarmverhinderung ausgelegt seien, nicht ändern und den natürlichen Schwarmakt in gelenkter Weise gezielt einsetzen sollten, zum Beispiel über Flugling oder Kunstschwarmbildung. (Leute)
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