Bevor die Brücke baden geht

Ewig hält die neue Brücke, die in Gumpen über die Waldnaab führt, nicht, aber sehr, sehr lange, sagen (von links) Reinhard Gradl von der Abteilung Straßen- und Brückenbau im Landratsamt, Kreisbaumeister Klaus Weig, Heribert Hasenfürter, Wolfgang Scharnagl, Bauleiter Stefan Lober und Oberbauleiter Christian Widder . Bild: Grüner

So genau weiß niemand mehr, wann in Gumpen die Waldnaab-Brücke gebaut worden ist. Zuerst war sie aus Holz und gehörte der Gemeinde. 1975 übernahm sie der Landkreis. 1980 wurde sie durch eine Behelfskonstruktion ersetzt. Heute wird der Neubau offiziell freigegeben.

Stolze 1,1 Millionen Euro hat die neue Brücke über die Waldnaab in Gumpen gekostet. Einmal mehr hielt das Bauwerk in seiner bewegten Geschichte den aktuellen Anforderungen nicht mehr stand. Führten bisher immer Provisorien Fahrzeuge und Fußgänger über den kleinen Fluss, ist jetzt ein Bauwerk entstanden, das es auch künftig mit stetig wachsenden Aufgaben an Größe und Stabilität aufnimmt.

Für 60 Tonnen Tragkraft ist sie ausgelegt. Das reicht für die Gigaliner, die immer wieder im Gespräch sind, und für jedes aktuelle landwirtschaftliche Großgerät. Die Fahrbahnbreite mit 6,50 Meter tut ihr übriges dazu, dass hier praktisch alles fahren kann, was derzeit denkbar ist. Im März hat die Weidener Baufirma Scharnagl als Generalunternehmer die Baustelle eingerichtet. Heute am späten Nachmittag wird sie für den Verkehr freigegeben.

Mit 665 000 Euro von Bund und Land ist das Bauwerk bezuschusst. Auf 16 Metern überspannt die Brücke jetzt die Waldnaab, vier Meter weiter als vorher. Der ursprüngliche Träger in der Flussmitte ist auch überflüssig geworden. Dadurch ist auch der Hochwasserschutz verbessert. Denn gerade in diesem Bereich verwandelt sich der schmale Fluss gerne mal in einen mittleren See.

Alte Steine verbaut

Dafür ist auch die Straße mit einer Flutmulde auf 420 Meter Länge und einer Breite von 5,50 Meter an das neue Bauwerk angeglichen worden. Im Uferbereich wurde ein kleiner Amphibientümpel angelegt. Dort ist das Ufer etwas tiefer gelegt, so dass bei Überschwemmungen erst der kleine Tümpel und dann die umliegenden Wiesen geflutet werden. Die Steine der ehemaligen Brückenauf-lieger stützen jetzt dort das Ufer, wo bei Hochwasser die Fluten in die Waldnaab zurückgeleitet werden.

Früher einmal waren Straße und Brücke Angelegenheit der Gemeinde Gumpen. Dazu gehörten neben dem Dorf selbst die Gemeindeteile Pirk, Troglau und Seidlersreuth. Damals musste die Gemeinde auch den Winterdienst selbst erledigen. Jeder Anwohner war für das Setzen der Schneezeichen am Straßenrand für einen bestimmten Bereich zuständig. "Da hatte jede Hausnummer eine festgelegte Strecke", erinnert sich der Gumpener Hobby-Heimatforscher Josef Mayerhöfer, der die Daten zur Geschichte der Brücke für uns aus seinem Archiv herausgesucht hat.

Wann die Waldnaab an dieser Stelle erstmals überbrückt wurde, weiß auch er nicht. Hans Schuller Senior kann da ein wenig weiterhelfen. Der 70-Jährige erinnert sich, dass die Brücke, die lediglich aus einigen Baumstämmen von den Bauern immer wieder selbst zusammengezimmert wurde, bereits da war, als er 1944 das Licht der Welt erblickte.

Seit 1975 beim Kreis

Wann Eisenträger die aus Holz ersetzten, kann Josef Mayerhöfer auch nicht zurückverfolgen. Sicher weiß er, dass der eigentliche Brückenbelag bis jetzt immer aus Holz war. Seinen Aufzeichnungen zufolge übernahm der Landkreis 1975 die damalige Gemeindeverbindungsstraße und mit ihr die Brücke als Verbindung zwischen Tirschenreuth und Wiesau.

1980 war sie stark renovierungsbedürftig. Die Granitquader der damaligen Zweifeld-Brücke ruhten auf einem Pfeiler und bewegten sich immer mehr auseinander. Die darauf lagernden Eisenträger lagen zum Teil nur noch zehn Zentimeter auf und waren an vielen Stellen arg vom Rost in Mitleidenschaft gezogen. Ein ziemlich instabiler Zustand. Im August 1980 musste die Brücke gesperrt werden. Damals sagten die Gumpener Bauern: "Jetzt wollen sie uns endgültig aushungern." Dann entschloss sich der Kreistag für die Installation einer sogenannten Bailey-Behelfsbrücke. Das waren Konstruktionen, die nach dem Zweiten Weltkrieg viele Lücken zwischen Flussufern überbrückten. Sie gehörten dem Freistaat Bayern und lagerten in Ingolstadt.

500 Mark Miete

In den Akten von Heribert Hasenfürter, dem Leiter im Landratsamt für Straßen- und Brückenbau, findet sich eine Notiz, dass die Brücke abgeholt werden und der Aufbau durch eine Fachfirma gewährleistet sein musste. Am 3. Oktober 1980 rückte der Autokran an und hievte die komplette Konstruktion auf die vorbereitete Trägereinheit. Die "Bailey" wog knapp 15 Tonnen und hielt Gewichten von 12 Tonnen stand. Etwa 500 Mark Monatsmiete musste der Landkreis dafür berappen. Für 30 000 Mark hat er die Brücke dann 1989 schließlich gekauft.

Heribert Hasenfürter weiß auch, dass seit 1980 der zweistöckige Brückenbelag alle fünf Jahre komplett erneuert werden musste. Etwa alle drei Jahre war jeweils der obere Belag für den Austausch fällig.

In seinem Archiv fand Josef Mayerhöfer auch ein Kuriosum. In den 1990er Jahren nutzten einige Zeitgenossen, die bei sich selbst Rennfahrerqualitäten vermuteten, die Brücke als Sprungschanze, um mit ihren Boliden "darüberzufliegen". Das funktionierte deshalb gut, weil auf der östlichen Seite die Flutmulde aus Hochwasserschutzgründen wesentlich tiefer lag.

Die meisten Rennfahrer landeten zwar auf vier Rädern, aber es gab auch Unfälle. Der schlimmste passierte am 30. Dezember 1993. Da flog einer mit seinem Auto gegen eine Birke und wurde schwerverletzt.
Weitere Beiträge zu den Themen: Hochwasser (3437)Gumpen (31)September 2014 (8407)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.