Bewährung für Discjockey

Chaotische Szenen spielten sich in der Nacht zum Sonntag, 15. März, in und vor der Vohenstraußer Stadthalle ab. Fast 150 Helfer kümmerten sich um die verletzten und frierenden Partygäste. Bild: dob

Ausgerechnet der Stimmungsmacher hatte die Singleparty jäh beendet: Er stand plötzlich mit einem Feuerlöscher vor seinem Mischpult und nebelte 450 Gäste in der Stadthalle Vohenstrauß ein. Jetzt erhielt er vor dem Amtsgericht die Quittung für diese Dummheit.

Vohenstrauß. (ms) Bis zu der kuriosen Feuerlöschaktion war die Party am Samstag, 14. März, im vollen Saal super gelaufen. Die meist jugendlichen Gäste hatten Spaß, bis gegen 2 Uhr der DJ zirka zwölf Kilogramm Löschpulver von der Bühne aus in die Menge spritzte. Der feine Staub breitete sich blitzschnell aus.

Daraufhin machte sich unter den Besuchern Panik breit, es spielten sich chaotische Szenen ab. Kreischend stürmten die Leute Richtung Ausgang und versammelten sich bei leichtem Schneefall und Kälte vor der Halle. Viele waren nur leicht bekleidet und bibberten.

Über 140 Rettungskräfte

Bei der Integrierten Leitstelle in Weiden lief das Telefon heiß. Notruf nach Notruf ging ein. Von einem Brand in der Stadthalle war die Rede, sogar von einer Explosion. Im Minutentakt trafen Notärzte, Rettungswagen, Feuerwehren und Technisches Hilfswerk am Unglücksort ein - insgesamt mehr als 140 Rettungskräfte. Über 20 Menschen mussten ärztlich behandelt werden. Neun kamen ins Krankenhaus. Ein Mädchen war nach dem Einatmen von Staub bewusstlos zusammengebrochen, andere erlitten Panikattacken oder kämpften mit Atemnot oder Kreislaufproblemen. Der Verursacher suchte das Weite, stürzte auf der Flucht und musste ebenfalls in die Klinik. Nur dank des guten Sicherheitskonzepts in der ebenerdigen Stadthalle mit den großen Türen ins Freie ging das Unglück glimpflich ab.

Jetzt hatte die Aktion ein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft Weiden erließ gegen den 27-jährigen Discjockey einen Strafbefehl. Der geständige Mann aus dem Altlandkreis wurde wegen 29 Fällen der fahrlässigen Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf drei Jahre Bewährung verurteilt. Zudem muss er 2000 Euro Geldbuße an eine gemeinnützige Einrichtung bezahlen.

Strafbefehl nicht akzeptiert

Damit war der Musikunterhalter nicht einverstanden. Er legte Einspruch ein, was ihm jedoch nichts half. In der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Vohenstrauß blieb es aber bei dem Strafmaß. Das Urteil ist rechtskräftig. Damit dürfte für den Plattenaufleger das Ganze aber noch nicht ausgestanden sein, drohen doch Zivilklagen, etwa von Krankenversicherungen und Verletzten. Allein die Stadt Vohenstrauß als Eigentümer der Stadthalle hatte Schadenersatz in Höhe von weit über 50 000 Euro geltend gemacht. "Die Versicherung hat bereits komplett ausbezahlt", bestätigt Bürgermeister Andreas Wutzlhofer.

Die Halle musste wochenlang gesperrt und aufwendig gereinigt werden. Enttäuscht ist der Rathauschef, dass sich der Discjockey noch bei niemandem entschuldigt hat.
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