Bewegung, Bewegung

Wenn's vorne zwickt und hinten beißt, reicht keinesfalls Melissengeist. In Sachen Arthrose hilft oft nur der Weg zum Facharzt. Doch es muss nicht so weit kommen.

"Arthrose - Was gibt es Neues?", titelte ein Themenabend, zu dem das Bildungswerk des Bayerischen Bauernverbandes ins Gasthaus Steckenbiller nach Weihermühle eingeladen hatte. Lag es am Thema oder am Referenten Dr. Stefan Pecher, Sport- und Notfallmediziner aus Fichtelberg? Der Veranstaltungsort platzte schier aus allen Nähten. Schnell wurden aus dem nahen Feuerwehrhaus weitere Stühle herbeigeholt. Ortsbäuerin Anni König freute sich riesig über das große Interesse.

8,5 Millionen Betroffene

Dr. Stefan Pecher zeigte auf, dass rund 8,5 Millionen erwachsene Menschen in Deutschland an Arthrose leiden. Arthrose ist ein sogenannter Gelenkverschleiß, der auf starke Belastung, angeborene Ursachen, Übergewicht, Fehlstellungen- und Belastungen und auf Osteoporose zurückzuführen ist. Rund 52 Millionen Arbeits-Fehltage verursacht diese Krankheit deutschlandweit jedes Jahr. 42 Prozent der Reha-Fälle gehen auf Arthrose zurück und 27 Prozent der Frühberenteten leidet darunter. Jährlich werden in Deutschland etwa 100 000 künstliche Hüftgelenke eingebaut.

Pecher erläuterte den Unterschied zwischen Arthrose, Osteoporose und degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen. Unter Arthrose versteht man Gelenkverschleiß und bei Osteoporose die Entkalkung der Knochen. Als Risikofaktoren gelten Unfälle, zum Beispiel beim Fußball, die posttraumatische Arthrose nach sich ziehen können. Folgekrankheiten mit Gelenkentzündungen wie nach Borreliose, Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes, das Alter, Nikotingenuss und das Geschlecht können ebenso ausschlaggebend sein.

Schwere Arbeit

Vielfach ist aber auch schwere Arbeit ursächlich für Arthrose. Die Krankheit zeigt sich durch den sogenannten "Anlaufschmerz" in der Hüfte und durch begleitende Entzündungen. Die Gelenke "versteifen" zunehmend. Der größte Risikofaktor ist Bewegungsmangel. Noch vor rund 40 Jahren legte ein Mensch täglich 19 Kilometer zu Fuß zurück, heute sind es zwei. Der Bewegungsmangel zieht mangelnde Durchblutung, Kalk- und Muskelverlust sowie den Koordinationsverlust nach sich. Gegen Arthrose gibt es operative Verfahren mit dem Einsetzen von künstlichen Gelenken. Behandlungsmöglichkeiten sind arthroskopische Eingriffe, Knorpelersatz, die gezielte Umstellung eines "schiefen" Gelenkes, Spülungen sowie die Anbohrung des Knorpels.

Nicht alle Maßnahmen sprechen bei jedem Patienten gleich gut an. Der Einsatz künstlicher Hüftgelenke ist auch noch im hohen Alter möglich, die Beweglichkeit danach sehr gut. Als vorbeugende Mittel gegen Arthrose nannte der Spezialist Bewegung, Gewichtsabbau, Schonung, Nordic Walking und E-Biken, Rauchen aufhören und Risikominimierung. Er riet dazu, sich von frisch gekochten Speisen zu ernähren, viel Obst, Milch und Fisch, Getreideprodukte, weniger Fleisch und wenig Süßes zu sich zu nehmen.

"Achten Sie auf gutes Öl, möglichst kalt gepresst", sagte Pecher. Die Verwendung von Vollkornprodukten unterstütze eine gesunde Ernährung,

Auch mit Cortison

Medikamentöse Behandlungen von Arthrose sind mit der Gabe von Cortison als einmalige Spritze direkt ins Gelenk möglich. Als alternative Methoden sieht der Mediziner Akupunktur, Chirotherapie, Quaddeln, Knorpelgewebe in homöopathischer Weise und die Gabe von Chontroitiden. Das A und O aber sei Bewegung in fast jeder Art und Weise.
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