Bewegungslos viel bewegt

Der "Verfassungsportugaliser" ist eigens für Alwin E. Götz geprägt.

Millionen Menschen gossen sich 2014 Eiswasser über den Kopf, um auf ALS hinzuweisen. Alwin Götz könnte das gar nicht, er leidet unter der tückischen Krankheit, kann sich gar nicht bewegen. Das hält den früheren Neuzirkendorfer aber nicht ab, Großes zu leisten. Dafür ehrte ihn die Stadt Hamburg.

Eine außergewöhnliche Ehre für einen außergewöhnlichen Menschen: Die Freie und Hansestadt Hamburg zeichnete Professor Alwin Götz mit dem "Verfassungsportugalesen in Silber" aus. Die Wurzeln des Mediziners liegen in Thurndorf. Bis heute hält Götz engen Kontakt in die Heimat. Sei drei Jahren fällt ihm dies schwer. Damals brach ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) aus, an dem Götz wie der bekannte Physiker Stephen Hawking leidet. Die Krankheit schritt schnell voran. Götz sitzt heute im Rollstuhl und wird beatmet. Er kann aber den Kopf bewegen und sprechen. Das reicht ihm, um voll im Berufsleben zu stehen. Er besucht Kongresse und ist vier- bis fünfmal pro Woche an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf, um Vorlesungen zu halten und Ärzte zu beraten.

Zur Welt kam Götz im April 1955 in Neuzirkendorf. An der zweiklassigen Volksschule startete er seine Ausbildung. Auf Abitur in Eschenbach und Bundeswehr folgte das Studium an der Ludwigs-Maximilians-Universität in München. Nach der "summa cum laude"-Doktorarbeit spezialisierte Götz sich auf Anästhesie und Intensivmedizin. In dem Fachbereich stieg er bis zum medizinischen Leiter des zu Großhadern gehörenden Klinikums Augustinum auf. 2005 erhielt er den Ruf als Leiter des Zentrums für Anästhesiologie und Intensivmedizin an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf, die er bis heute leitet. Seine Frau Claudia ist Gehirnchirurgin. Mit ihren beiden Kindern leben sie in Hamburg-Poppenbüttel im Alstertal.

Die Senatorin für Wissenschaft und Kunst und zweite Bürgermeisterin, Dr. Dorothee Stapelfeldt, sagte bei der Preisverleihung, die Stadt Hamburg ehre einen Mitbürger, der sich in besonderem Maße um die medizinische Forschung und Lehre in Hamburg verdient gemacht habe. Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf lebe von der Leistungsbereitschaft, Hingabe und Kompetenz seiner Mitarbeiter. Bei allem übertreffe Götz das übliche Maß bei Weitem.

Er sei leidenschaftlicher Mediziner, Forscher und Hochschullehrer. Trotz seiner Erkrankung widme er sich weiter seiner Lebensaufgabe: der medizinischen Forschung im Bereich der Anästhesiologie und Intensivmedizin sowie der Aus- und Weiterbildung des medizinischen Nachwuchses. Die Senatorin dankte dem Oberpfälzer dafür. "Danke für Ihr Pflichtbewusstsein, Ihre Leidenschaft für die Menschen und für die Medizin, namentlich für die Anästhesiologie und die Intensivmedizin. Ihrer Familie möchte ich danken, dass sie ihren Einsatz durch selbstlose Unterstützung möglich macht." Zu dem Festakt waren auch Götz' Schwester Elisabeth Haberberger und ihr Mann Hubert aus Neuzirkendorf nach Hamburg gereist.
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