Bezirksamtmann gibt "Schubs"

Die "Geburtsprobleme" waren erheblich, ehe der "Lokalobstbauverein" endlich das Licht der Welt erblickte. Mittlerweile hat das "Kind" ein stattliches Alter erreicht. 110 Jahre alt, aber jung, was Aktivitäten und Ideen betrifft: So präsentiert sich der Obst- und Gartenbauverein im Jubiläumsjahr.

Zur Festversammlung morgen, Sonntag, ab 14 Uhr im Pfarrheim hat sich Klaus Körber aus dem unterfränkischen Erlabrunn angesagt. Durch seine Beiträge in der Fernsehsendung "Querbeet" ist er landesweit bekannt. Körber wird sich in Wort und Bild mit dem Anbau und der Pflege von Rosen und Clematis befassen. Die Frauen des Vereins halten Getränke, Kaffee und Kuchen bereit.

Ein Blick zurück in die Entstehungszeit: Damals litten die fränkischen Obstzüchter noch an den Auswirkungen des strengen Winters 1879/80. Tausende von Obstbäumen waren vernichtet worden. Dies war Anlass und Motivation, einen Plan zur Förderung des Obstanbaues zu entwickeln.

Mehrere Anläufe nötig

Unterstützung kam von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und den Fürstenhäusern. Der Gründung eines Landesverbandes am 20. November 1894 folgte nach längerer Anlaufzeit und auf Initiative des königlichen Bezirksamtmanns Maier am 17. März 1904 in Eschenbach die Gründung eines Bezirksobstbauverbandes.

Zur Gründung eines örtlichen Obst- und Gartenbauvereins bedurfte es allerdings mehrerer Anläufe. Startversuche misslangen am 17. März und am 5. Mai im Anschluss an die Generalversammlung des Verschönerungsvereins. Dann jedoch fand vom 16. bis 23. Oktober 1904 im Gasthof von Christian Höller eine Obstausstellung des Bezirksobstbauverbandes statt. Im Amtsblatt des Königlichen Bezirksamts Eschenbach wird diese als gelungen bezeichnet, denn sie lieferte "den genügenden Beweis, dass auch in rauher Lage bei richtiger Sortenwahl sehr gute Erfolge im Obstbau erzielt werden können."

Und das Amtsblatt vermeldete außerdem: "Gelegentlich der Besichtigung der Obstausstellung fand eine Versammlung von Interessenten für Obstbau statt. Nach kurzer Ansprache und Ermunterung von Seiten des Bezirksamtmanns Maier wurde zur Gründung eines Lokalobstbauvereins geschritten, dem sofort 28 Mitglieder beitraten." In den Ausschuss des neuen Vereins wurden damals gewählt: "als Vorsitzender Lehrer Schiffl von hier, als Stellvertreter Bürgermeister Scherm von hier, als Kassier und Schriftführer Bezirkshauptlehrer Scharrer von hier, als Beisitzer Kgl. Bez. Amtm. Maier von hier, Bürgermeister Rauch von Stegenthumbach und Bürgermeister Spiegl von Thomasreuth".

Lose Gemeinschaft

Über die Aktivitäten der Gartler in den folgenden Jahren liegen keine Unterlagen vor. Bekannt ist, dass das Vereinsleben während der NS- und Kriegszeit zum Erliegen kam. Dass der Obst- und Gartenbauverein danach wieder zum Leben erweckt wurde, ist Baumeister Karl Luber zu verdanken. Bis zu seinem Tod im Jahr 1953 war er die treibende Kraft einer offensichtlich losen Gemeinschaft von Obst- und Gartenbaufreunden.

Erst in einer Versammlung am 21. März 1954 wurde Max Gradl zum Vorsitzenden gewählt. Die Mitglieder kamen überein, dass der Verein "weiterhin bestehen bleiben soll". Dem Dachverband wurde mitgeteilt: "Es sind vorläufig 29 Mitglieder beigetreten." 1957 ging der Vorsitz auf Josef Rupprecht über. Nach ihm gab es nur wenige Veränderungen in der Führung. Am 3. Januar 1960 wählten die Gartler Rechtsanwalt Eugen Stöckl an die Spitze. Er sorgte für zunehmende Aktivitäten.

Am 23. Februar 1969 begann dann die Ära Czerwinski: "Der Fridolin" übernahm den Verein mit 108 Mitgliedern und baute ihn bis zum 15. April 1999, als Willi Trummer seine Nachfolge antrat, auf 220 Mitglieder aus. Die Verdienste Czerwinskis, der lange Zeit auch stellvertretender Kreisvorsitzender war, wurden mit der Goldenen Ehrennadel des Landesverbandes und der Staatsmedaille des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gewürdigt.
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